Fliegerbombe in Salzburg wird entschärft

10. Oktober 2006, 16:12
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Am 22. Oktober wird Entschärfungsdienst im Einsatz sein: Vorarbeiten zur Freilegung in Gange - Großräumige Umleitungen vorgesehen

Salzburg - Mehr als drei Jahre nach dem tödlichen Unfall während der Entschärfung eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg muss der Entminungsdienst am Sonntag, 22. Oktober, im Salzburger Stadtteil Schallmoos erneut zu einem gefährlichen Einsatz ausrücken. Im Garten eines Hauses in der Bayerhamerstraße soll eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe unter der Erde liegen. Die Vorarbeiten zur Freilegung des Kriegsreliktes laufen auf Hochtouren.

Grundwasser wird gesenkt

"Grundsätzlich ist der Vormittag des 22. Oktober geplant. Seit zehn Tagen sind wir mit den Vorbereitungsarbeiten beschäftigt, mit den Grabungsarbeiten im Gartenbereich beginnen wir in den nächsten Tagen", so Dieter Vierbach, Geschäftsführer der Salzburger Munitionsbergungsfirma Koch. Da die vermutete Bombe in rund sechs Metern Tiefe schlummert, wird derzeit das Grundwasser abgesenkt. Dann wird ein Schacht gegraben und mit Brunnenringen aus Beton abgestützt.

Rückschau

Der tödliche Unfall am 17. Juli 2003 im Stadtteil Schallmoos passierte laut Exekutive beim Versuch, den Zeitzünder der Bombe herunterzuschlagen. Zwei Beamte des Entminungsdienstes verloren dabei ihr Leben. Auch diesmal handelt es sich laut Salzburgs Umweltschutzkoordinator Wilfried Althuber "mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine 250-Kilo-Bombe".

Evakuierungen

Die Beschaffenheit des Zünders bestimmt auch die Größe des Sperrkreises. Ist der Blindgänger nicht mit einem Aufschlagzünder, sondern mit einem "viel gefährlicheren Langzeitzünder" ausgerüstet, wird aus Sicherheitsgründen der Fahrzeug- und Fußgängerverkehr in einem Radius von 800 Metern umgeleitet, erklärte Althuber. In einem kleineren Umkreis kann es zu Evakuierungen kommen.

Detailplanung

In den Gefahrenbereich fällt auch der Salzburger Hauptbahnhof. Die ÖBB, Lokalbahn und der Stadtbus wurden von den geplanten Maßnahmen informiert. "Wir sind vorbereitet", sagte Stadtbus-Chef Gunter Mackinger. Nächste Woche findet bei der Polizei eine Abschlussbesprechung statt. Dann liegen die Pläne detailliert vor.

Kosten

Die Kosten für die Sondierung und Freilegung der Bombe schätzt der Umweltschutzkoordinator auf 70.000 bis 80.000 Euro. Diesen Betrag müsse die Besitzerin des Grundstückes bezahlen. Für den finanziellen Aufwand der Verkehrsumleitungen und des Absperrens einer Gasleitung werden ihr keine Kosten in Rechnung gestellt. "Das hat der Bürgermeister angeordnet", betonte Althuber.

Die Stadt Salzburg führt seit dem Jahr 2003 einen Musterprozess gegen die Republik Österreich. Sie fordert 925.500 Euro für das Sondieren von 27 Verdachtspunkten und die Freilegung von drei Blindgängern. Das Entschärfen und den Abtransport einer Bombe zahlt die Republik. Fast zwei Jahre lang dauerte die Erstellung von Gutachten in dem Zivilverfahren am Salzburger Landesgericht. Ein nächster Verhandlungstermin steht noch nicht fest. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dieses Archivbild zeigt die Bergung einer Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg in Linz im Jahr 2004, die bei Bauarbeiten in der Linzer Coulinstraße gefunden wurde. Experten aus Salzburg entschärften die Bombe. Ein Jahr davor ereignete sich ein tragischer Unfall bei der Entschärfung einer Bombe in Salzburg.

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