Landwirt wegen fahrlässiger Tötung von Kleinkind verurteilt

10. Oktober 2006, 13:44
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Traktor des Wieners "verlor" Anhänger: Zehn Monate bedingt plus unbedingte Geldstrafe - Auch Besitzer des Anhängers verurteilt

Wien - Ein 46-jähriger Landwirt ist am Montag im Straflandesgericht wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen zu zehn Monaten auf Bewährung und einer unbedingten Geldstrafe von 2.250 Euro (250 Tagessätze zu je neun Euro) verurteilt worden. Er hatte am 4. August 2005 auf der Leopoldauer Straße in Wien-Donaustadt mit seinem Traktor einen Anhänger "verloren", der sich in einer Kurve plötzlich von der Zugmaschine löste und in eine am Gehsteig stehende Personengruppe raste. Ein 14 Monate alter Bub starb.

Keine Überlebenschance

Der Anhänger, mit dem der Landwirt zuvor Stroh zur Veterinärmedizinischer Universität transportiert hatte, erfasste den Kinderwagen, mit dem ein Vater seinen kleinen Buben spazieren fuhr. Der Kinderwagen wurde gegen eine Plakatwand gedrückt, das Kleinkind hatte keine Überlebenschance. Der schwer geschockte Vater und seine Schwägerin, die ihn begleitet hatte, wurden erheblich verletzt.

Überhöhte Geschwindigkeit

Obwohl er sogar mit zwei schweren Anhängern unterwegs war - Gesamtgewicht: 4,5 Tonnen - , hatte der Landwirt davon Abstand genommen, diese mittels der an sich vorhandenen Druckluftbremsanlage mit der Zugmaschine zu verbinden. Darüber hinaus hielt er sich nicht an die für ihn geltende Geschwindigkeitsbeschränkung, sondern überschritt diese mit 30 Stundenkilometern um das Dreifache. Er bekam nicht einmal mit, dass sich der ungebremste hintere Anhänger löste, erst aufgeregte Passanten brachten ihn zum Stehen.

"Ich hab' mir noch gedacht, das kleine Kind freut sich, weil's einen Traktor sieht", konnte sich der Landwirt im Landesgericht noch an den Moment erinnern, als er den Kinderwagen passiert hatte. Er gab zu, zu schnell gefahren zu sein. Er betonte jedoch, nicht erkannt zu haben, dass der Anhänger nur mit einem dünnen Kabel mit dem Zugfahrzeug verbunden war.

Eine Folge massiver Abnützung

Schuldig erkannte Richterin Susanne Lehr auch den Besitzer des Anhängers, von dem sich der Landwirt diesen ausgeborgt hatte. Jener hatte sich ihrer Ansicht nach insofern mitschuldig gemacht, als die Anhängerkupplung in Folge Abnützung ein derart großes Spiel hatte, dass sich der Sicherungsbolzen während der Fahrt lösen konnte. Zudem handelte es sich bei dem Bolzen nicht um einen Stahldraht, wie der Landwirt irrtümlich angenommen hatte, sondern ein nur drei Millimeter starkes Kabel. Die Richterin legte dem Eigentümer dieses als kausales Mitverschulden am Unfall aus.

Elf Monate

Der Mann, der sich im Unterschied zum Landwirt in der Verhandlung "nicht schuldig" bekannt hatte, fasste elf Monate bedingt sowie eine unbedingte Buße von 3.250 Euro (250 Tagessätze zu je 13 Euro) aus. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Die Richterin begründete die zusätzlich zu den bedingten Freiheitsstrafen ausgesprochenen Geldbußen mit generalpräventiven Erwägungen: "Es würde auf Unverständnis stoßen, wenn man das bei Ihnen nicht verhängen würde." (APA)

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