Internetkriminalität als potenzielle Gefahr

18. Oktober 2006, 10:25
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"Trend zu ungeschützten Home-PCs wird immer schlimmer"

Laut der von der britischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie mit Namen "Get Safe Online" haben rund 21 Prozent der Briten eine größere Angst von Internet-Kriminalität betroffen zu sein, als der "realen" Kriminalität zum Opfer zu fallen. Nur 16 Prozent der befragten Briten zeigten sich besorgt, Opfer von sonstigen Verbrechen zu werden. Die Studie wurde im Zuge der gleichnamigen Kampagne veröffentlicht, deren Ziel die Information über empfohlene und nutzerorientierte Internet-Praktiken und Sicherheitsmaßnahmen ist.

86 Prozent der Angriffe gegen Home-Computer

Von 57 Prozent der britischen Haushalte mit Internetzugang verfügen bereits 69 Prozent über Hochgeschwindigkeits- oder Breitbandverbindungen. Mit der populären Nutzung des Internet stellt die damit verbundene Internet-Kriminalität ein weltweites Problem dar. Laut Symantec sind 86 Prozent der Angriffe gegen Home-Computer gerichtet. Pro Tag sind ungefähr 6.000 Computer mit bösartigen Hackern konfrontiert, die versuchen Websites lahm zu legen. Über 54 Prozent aller E-Mails sind Spam. Laut der Studie wurden allein 2005 über 3.000 Internet-Phishing-Sites entdeckt. Weiters zeigt die Untersuchung, dass viele Privatanwender über kaum ausreichenden Schutz für das Surfen im Internet verfügen. Allein 17 Prozent der Befragten gaben an, keine Anti-Virus-Software zu nutzen. 22 Prozent der Probanden haben keine Firewall installiert und 23 Prozent öffneten bereits Anhänge von E-Mails mit unbekanntem Absender.

Angst

Neben den Gefahren und damit verbundenen Ängsten in der Bevölkerung weist die Studie aus, dass das Internet zu einem wesentlichen Teil der populärkulturellen Praxis der Briten avanciert ist. Vor allem der Bereich des Online-Shoppings erfreut sich wachsender Beliebtheit. So gaben die Briten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2006 mehr als 13 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 21 Mrd. Euro, aus. Allein 52 Prozent der britischen Internet-Nutzer wickelten ihre Bankgeschäfte online ab. Obwohl diese Zahlen die Beliebtheit des Internet unterstreichen, gaben bereits 18 Prozent der Befragten an, Online-Shopping aus Angst vor Internet-Kriminalität abzulehnen. Dabei bringt die Studie zum Vorschein, dass kriminelle Machenschaften im Internet die Angst der britischen Internet-User teils so stark beeinflusst, dass diese sich gänzlich online unsicher fühlen und das Internet nicht länger nutzen.

"Get Safe Online"

Wenngleich solche Reaktionen eher überstürzt wirken, empfiehlt "Get Safe Online"-Kampagnenmanager Tony Neate Online-Usern, ganz grundlegende Sicherheitsmaßnahmen vorzunehmen, um vor sämtlichen Internet-Gefahren gefeit zu sein. Daher empfiehlt der Sicherheitsexperte neben der Nutzung stets aktualisierter Anti-Spy-Software, Anti-Virus-Software und Firewall-Software vor allem die in regelmäßigen Abständen vorgenommene Aktualisierung des gesamten Betriebssystems. Außerdem rät er Internet-Nutzern dringend davon ab, auf Junk-Mails zu antworten. Sich selbst über neueste Gefahren aus dem Internet auf dem Laufenden zu halten, hält er für erstrebenswert. Gerd M. Fuchs vom Bundesverband digitale Wirtschaft weist im Gespräch mit pressetext darauf hin, dass "der Trend hin zu ungeschützten Home-PCs immer schlimmer wird." Der Experte macht deutlich, dass somit auch Internet-Kriminalität massiv ansteigt, wobei das Gefahrenpotenzial eher bei Privatanwendern als bei Unternehmen liegt. Die potenziell stärkere Gefährdung privater Nutzer sieht Fuchs in der mangelnden Bereitschaft geeignete Vorkehrungen zu treffen. In diesem Sinne helfen Freeware-Programme oft nur bedingt, wobei höhere Investitionen mit Blick auf die Sicherheit des eigenen PCs durchaus von Nutzen wären.

Untersuchung

Eine vom britischen Nachrichtensender BBC durchgeführte Untersuchung ergab, dass Internet-basierte Microsoft Windows-Computer theoretisch alle 15 Minuten von virtuellen Angriffen befallen werden. Erhöht man das Zeitfenster auf eine Stunde mit einem bewusst ungeschützten PC, der mit dem Internet verbunden ist, so zeigt sich rasch, dass dieser nicht nur magische Anziehungskraft besitzt, sondern sich gleichsam als risikobehafteter "honeypot" entwickelt. Ein solch ungeschützter Computer ist nicht nur leichtsinnig, sondern auch höchst gefährlich, da böswillige Angriffe unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur das Gerät unnutzbar machen können, sondern auch Zugang zu sensiblen Daten und/oder anderen vernetzten Computern ermöglicht. Solche Art von "honeypot computers" stellen für Sicherheitsexperten immer wieder unentbehrliche Anschauungsbeispiele dar, um Verfahren und Möglichkeiten der Internet-Kriminalität der letzten Jahre zu beobachten, öffentlich aufzuzeigen und als Vorlage präventiver Entwicklungsarbeit heranzuziehen. (pte)

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