ATV schreibt tiefrote Zahlen

19. Oktober 2006, 15:19
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Heuer 25 Millionen Zuschuss nötig - Knapp 73 Millionen Euro Verluste seit 2003

Wien - Der Privatsender ATV werde den Break-Even im Jahr 2007 erreichen, prognostizierte vor rund zwei Jahren der damalige BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker. Mittlerweile dürfte die Realität nicht nur die Gewerkschaftsbank selbst, die mit 43 Prozent der zweitgrößte Aktionär von ATV ist, eingeholt haben, sondern auch den Privatsender. Der Sender braucht heuer - also im Jahr vor den angekündigten schwarzen Zahlen - 25 Millionen Euro Zuschuss, wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe schreibt.

In den vergangenen drei Jahren, seit ATV mit der Lizenz zur landesweiten terrestrischen Ausstrahlung versehen ist, dürfte Österreichs Privatsender Verluste von 72,9 Millionen Euro angehäuft haben. Im Wirtschaftsjahr 2005 betrug der Abgang nach Steuern demnach 27,9 Euro bei einem Umsatz von 22 Millionen Euro. Heuer sieht es ebenfalls nicht rosig aus: Auch wenn sich ATV laut Vorstand Franz Prenner bis zu 65 Prozent aus Eigeneinnahmen finanziert, benötigt er im laufenden Jahr rund 25 Millionen an Zuschüssen. 15 Millionen schießt der Hauptaktionär Herbert Kloiber zu. Etwa zehn Millionen kommen von der angeschlagenen BAWAG.

Zuschüsse

Die BAWAG dürfte seit 1999 mehr als 125 Millionen Euro in ATV investiert haben, ohne je Gewinn verbucht zu haben. In den Büchern der Gewerkschaftsbank musste die ATV-Beteiligung zuletzt massiv abgewertet werden, der Buchwert liege nunmehr bei 54,6 Millionen Euro. "profil" stützt seinen Bericht auf die BAWAG-Verkaufsunterlagen. "Ich habe nie verhehlt, dass wir rote Zahlen schreiben", so Prenner dazu. "In Europa brauchen Sender erfahrungsgemäß sieben Jahre, bis sie die Gewinnzone erreichen."

Die Veräußerung von ATV wurde auf die Zeit nach dem BAWAG-Verkauf verschoben. Hauptgesellschafter Herbert Kloiber hatte vor kurzem eingeräumt, er erwarte den Abstoß des ATV-Packets im kommenden Jahr. Dabei hatte er Sympathien für eine Beteiligung des ORF anklingen lassen, gleichzeitig aber eingeräumt, dass er die Chancen auf eine Realisierung gering sehe. Zuvor galten die RTL-Group und die ProSieben/SAT.1-Gruppe als mögliche Wunschpartner. (APA)

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