"Kino der moralischen Unruhe": Krzysztof Kieslowski

19. Oktober 2006, 19:56
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Retrospektive zum 10. Todestag des polnischen Regisseurs im Wiener Top Kino von 19. bis 21. Oktober - Wagnis trotz Konkurrenz durch Viennale

Wien - Er war zur Zeit des Realsozialismus in Polen neben Andrzej Wajda und Krzysztof Zanussi einer der Hauptexponenten des so genannten "Kinos der moralischen Unruhe": Krzysztof Kieslowski gilt als einer der bedeutendsten Filmregisseure des späten 20. Jahrhunderts, 1988 erhielt er für "A Short Film About Killing" den damals erstmals verliehenen Europäischen Filmpreis. Im März vor zehn Jahren starb Kieslowski - das Wiener Top Kino widmet ihm nun von 19. bis 21. Oktober eine Retrospektive.

Trotz harter Konkurrenz durch die Viennale, die bis 25. Oktober die Wiener Kinoszene wohl größtenteils für sich in Anspruch nehmen wird, wagt das Top Kino die Retro "In Memoriam Krzysztof Kieslowski (1941-1996)". Der Pole hatte Mitte der 60er Jahre mit vorwiegend kurzen Dokumentarfilmen aufgezeigt, bevor er sich mit den Spielfilmen "Das Personal" (1975) und vor allem mit "Der Filmamateur" (1979) als sozialkritischer Regisseur des "Kinos der moralischen Unruhe" einen Namen machte.

Filmtrilogie "Drei Farben: Blau, Weiss, Rot"

Sein Ende der 80er Jahre realisierter Fernsehzyklus "Dekalog" erregte mit einer ungewohnten moralischen Perspektive insbesondere in Westeuropa großes Aufsehen. Mit diesem Zyklus und der Filmtrilogie "Drei Farben: Blau, Weiss, Rot" erlangte Kieslowski Weltruhm. Zu einem Scheidepunkt in Kieslowskis Werk wurde "Der Zufall möglicherweise" (1981), der zwischen realistischer Beschreibung und philosophischer Parabel oszilliert und einen Paradigmenwechsel sichtbar machte. Fortan stand eher das Metaphysische statt der Wirklichkeit im Mittelpunkt seines Schaffens.

In Kooperation mit dem Polnischen Institut Wien zeigt das Top Kino am Donnerstag (19.10.) "Ein kurzer Film über das Töten" mit einer anschließenden Diskussion. Margarete Wach, Autorin der Monografie "Krzysztof Kieslowski. Kino der moralischen Unruhe", stellt sich dabei den Fragen des Filmjournalisten Otto Reiter. Darauf folgend läuft "Das Personal".

Am Freitag (20.10.) werden "Der Filmamateur" sowie die Kurz-Dokumentarfilme Kieslowskis zu sehen sein. Als Special in diesem Programm läuft zudem der österreichische Kurzfilm "Views Of A Retired Night Porter". Darin interviewt Andreas Horvath denselben Nachtportier, den 30 Jahre vorher Kieslowski porträtiert hatte. Am Samstag schließlich bilden "Der Zufall möglicherweise" und "Das große Tier" den Abschluss der Reihe. Im Jahr 2000 hatte der polnische Schauspieler Jerzy Stuhr mit "Das große Tier" Kieslowskis Komödiendrehbuch aus dem Jahr 1973 verfilmt. (APA)

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    foto: topkino
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