Anerkennung ausländischer Grade

9. März 2007, 11:09
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Plattform InterCulturExpress verweist auf kanadisches Vorbild: Qualifikationen von Migranten sichtbar machen

Was sich innerhalb Europas mit dem Bologna-Prozess fortlaufend entwickelt - die leichte gegenseitige Anrechnung von Bildungsabschlüssen in den verschiedenen Mitgliedsländern -, ist in Bezug auf Drittstaaten ein anhaltendes und ernst zu nehmendes Problem.

Die Bildungsstruktur der nach Österreich zugewanderten Bürger habe sich in den letzten Jahren stark verändert, greifen Experten immer wieder in die Diskussion ein. Im Gegensatz zu den 60er- und 70er-Jahren gebe es keinen Mangel an gebildeten Arbeitskräften unter den Zuwanderern. Nur bleibe das berufliche Potenzial der Migranten weit gehend ungenutzt - der soziale Aufstieg wird dementsprechend schwierig. Wobei auch höher gebildete Zuwanderer nicht vor Arbeitslosigkeit gefeit sind.

Die Europäische Union fördert die Wege zur Bekämpfung von Diskriminierung am Arbeitsmarkt mit der Gemeinschaftsinitiative Equal. Unter anderem widmet sich das Wiener Team des Equal-Partners InterCulturExpress der situativen Verbesserung. Die Berufsqualifikation Betroffener müsse sichtbar werden.

Kanadisches Vorbild

So führt man zum Beispiel das kanadische Anerkennungsmodell für Qualifikationen als vorbildlich an. Die Kanadier hätten erkannt, dass ihr gesamtes Bevölkerungswachstum bereits in 25 Jahren vollständig "auf Immigration zurückzuführen sein" werde, heißt es in einer Stellungnahme des kanadischen Departments of Human Resources and Social Development (HRSDC). "Für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand" sei es deshalb "entscheidend, die besten Köpfe zu gewinnen, diese im Land zu behalten und sicherzustellen, dass sie ihr volles Potenzial erreichen."

Dass die Nichtanerkennung von Abschlüssen zu volkswirtschaftlichen Schäden führt, ergibt sich laut HRSDC aus der daraus resultierenden Steigerung von "Kosten für Wohlfahrt und Sozialleistungen" und den Verlusten für Arbeitgeber, "die keine Arbeitskräfte mit passenden Qualifikationen finden können". Weniger bewusst sei vielleicht, dass sich auch "Kosten in Verbindung mit unnötiger", weil praktisch "wiederholter" Ausbildung in Bezug auf andere Mitarbeiter einsparen ließen. Schließlich gab den kanadischen Behörden auch der "Verlust an potenziellen Steuereinnahmen von international ausgebildeten Arbeitskräften, die nicht arbeiten können oder unterbeschäftigt sind" zu denken.

Für die Prüfung und Anerkennung von Qualifikationen wurde das "Foreign Creden- tial Recognition"-(FCR)-Programm eingerichtet. Mehr als 200 akkreditierte Bildungseinrichtungen arbeiten dabei mit fünf kanadischen Prüfungsagenturen, über 400 Regulatoren und den nationalen Arbeitgebern zusammen. Der Fokus von FCR liegt dabei auf den Provinzen, die eine überdurchschnittlich hohe Zuwanderungsrate aufweisen.

Im deutschsprachigen Raum verweist InterCulturExpress auf die Web-Datenbank anabin ("Anerkennung und Bewertung ausländischer Bildungsnachweise"). Diese bietet eine Dokumentation über das Bildungswesen von mehr als 100 Staaten, von Afghanistan bis Zypern, und macht die jeweilige Einordnung in unser System möglich. (mad/DER STANDARD Printausgabe, 7./8. Oktober 2006)

  • Abschluss ist nicht gleich Abschluss: Bildungsstrukturen unterscheiden sich im internationalen Vergleich stark.
    foto: standard

    Abschluss ist nicht gleich Abschluss: Bildungsstrukturen unterscheiden sich im internationalen Vergleich stark.

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