Chronologie: Atomkonflikt mit Nordkorea

13. Oktober 2006, 16:22
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Im Februar 2005 erklärte sich Pjöngjang zur Atommacht

Peking/Seoul - Nordkorea hat am Montag einen erfolgreichen Atomtest vermeldet und damit internationale Warnungen vor diesem Schritt in den Wind geschlagen. Schon die Ankündigung dieses Schrittes vorige Woche hatte heftige Kritik ausgelöst. Im Folgenden eine Chronik des Konflikts um das Atomprogramm des kommunistischen Landes:

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  • Oktober 2002 - Der US-Sondergesandte James Kelly legt Nordkorea Beweise für ein verdecktes Programm des Staates zur Uran-Anreicherung vor. Nordkorea erklärt sein Recht, "nicht nur Atomwaffen zu besitzen sondern auch andere Waffenarten, die stärker sind als diese, um seine Souveränität angesichts der Bedrohung durch die USA zu verteidigen".

  • Dezember 2002 - Nordkorea erklärt, den Reaktor in Yongbyon wieder anzufahren, die dortigen Überwachungseinrichtungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) abzubauen und IAEO-Kontrollore auszuweisen.

  • Jänner 2003 - Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. In Gesprächen mit Kelly erklärt das Land, Atomwaffen zu besitzen, und droht damit, diese zu testen oder an andere Staaten weiterzugeben.

  • August 2003 - Erste Runde der Sechs-Parteien-Gespräche in Peking. Mit Nordkorea verhandeln die USA, Südkorea, Japan und Russland unter Vermittlung Chinas.

  • Oktober 2003 - Nordkorea erklärt, seine "nukleare Abschreckung" verstärkt zu haben, und zwar mit Hilfe von Plutonium, das aus Brennstäben aufbereitet worden sei.

  • Februar 2004 - Der Erbauer der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadeer Khan, gibt zu, Nordkorea, den Iran und Libyen mit Uran-Technik versorgt zu haben. In Peking beginnt die zweite Runde der Sechs-Parteien-Gespräche.

  • Juni 2004 - Dritte Runde der Sechs-Parteien-Gespräche. Die USA bieten Energiehilfen und Sicherheitsgarantien an, wenn Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt.

  • 10. Februar 2005 - Nordkorea erklärt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben und sich auf unbestimmte Zeit aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückzuziehen.

  • 17. Juni 2005 - Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il erklärt gegenüber einem hochrangigen südkoreanischen Gesandten seine Bereitschaft, unter bestimmten Voraussetzungen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Eine Bedingung ist, dass sein Land mit Respekt behandelt wird.

  • 22. Juli 2005 - Nordkorea ruft zu einem Friedensvertrag als Ersatz für den Waffenstillstand auf, der seit dem Ende des Koreanischen Krieges von 1950-1953 gilt. Es erklärt, den Atomkonflikt lösen zu wollen.

  • 26. Juli 2005 - Die vierte Gesprächsrunde beginnt. Die Verhandlungen stocken, weil Nordkorea auf sein Recht eines zivilen Atomprogramms pocht.

  • 23. August 2005 - US-Chefunterhändler Christopher Hill erklärt, das Thema eines zivilen nordkoreanischen Atomprogramms werde eine Einigung nicht verhindern.

  • 19. September 2005 - Die sechs Parteien schließen eine Vereinbarung, derzufolge Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt. Im Gegenzug soll es Öl, Energiehilfen und Sicherheitsgarantien erhalten. Die Vereinbarung gilt als Durchbruch. Einen Tag später nennt Nordkorea jedoch neue Bedingungen und stellt sie damit wieder in Frage.

  • 09. November 2005 - Eine weitere Gesprächsrunde der sechs Staaten wird nach drei Tagen beendet, ohne dass ein weiterer Termin vereinbart wird. Die Fronten gelten als verhärtet. Nordkorea macht in den folgenden Monaten eine Rückkehr an den Verhandlungstisch von einem Ende der US-Sanktionen gegen nordkoreanische Firmen abhängig.

  • 05. Juli 2006 - Nordkorea testet Militärraketen, darunter eine Langstreckenrakete, die Experten zufolge Ziele im US-Staat Alaska erreichen kann. Der UN-Sicherheitsrat beschließt daraufhin Sanktionen gegen das Land.

  • 03. Oktober 2006 - Nordkorea kündigt einen Atomtest an und begründet ihn mit der wachsenden Bedrohung durch die USA.

  • 04. Oktober 2006 - Die USA reagieren mit einer scharfen Warnung an Pjöngjang. Nordkorea könne Atomwaffen oder eine Zukunft haben, betont Vize-Außenminister Christopher Hill. "Wir werden nicht mit einem atomaren Nordkorea leben, wir werden das nicht akzeptieren."

  • 05. Oktober 2006 - Auch Nordkoreas traditioneller Verbündeter China warnt Pjöngjang vor "ernsten Konsequenzen" bei einem Atomtest.

  • 06. Oktober 2006 - Der UNO-Sicherheitsrat fordert Nordkorea in einer nicht bindenden Erklärung auf, auf den angekündigten Atomwaffentest zu verzichten. Ansonsten werde der Sicherheitsrat gemäß seinen Verpflichtungen handeln, die die UNO-Charta vorsehe, heißt es in dem Text in Anspielung auf mögliche Sanktionen.

  • 08. Oktober 2006 - Nordkorea feiert den neunten Jahrestag des Amtsantritts von Machthaber Kim Jong Il.

  • 09. Oktober 2006 - Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA vermeldet einen erfolgreichen unterirdischen Atomtest. (APA/Reuters)
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