Atomwaffentest soll in Küstenregion durchgeführt worden sein

16. Oktober 2006, 12:23
38 Postings

Detonation unter Hügel in der Nähe des Raketenstützpunktes Musudan in der Provinz Hamgyong

Seoul - Der von Nordkorea bekannt gegebene Atomwaffentest wurde nach Einschätzung von Experten vermutlich in einem horizontal angelegten Tunnel in der nordöstlichen Küstenregion des Landes ausgeführt. Vertreter der Geheimdienste in Südkorea informierten am Montagvormittag die Abgeordneten des Parlaments in Seoul. Demnach befindet sich der Tunnel in einem etwa 360 Meter hohen Hügel nordwestlich des Raketenstützpunktes Musudan in der Küstenprovinz Hamgyong, wie der Parlamentsabgeordnete Chung Hyong Keun sagte. Offenbar sei der Tunnel horizontal angelegt worden, zitierte Chung einen Geheimdienstvertreter.

Südkoreanische Erdbebenexperten registrierten um 10.36 Uhr (03.36 Uhr MESZ) seismische Wellen, die aus der Hwadaeri-Region nahe der Stadt Kilju in der Provinz Hamgyong kamen. "Die Besonderheit dieser Wellen zeigte, dass es eine künstliche Explosion gegeben hat, nicht ein natürliches Erdbeben", sagte der Leiter des südkoreanischen Erbeben-Forschungszentrums, Chi Heon Cheol. Die Wellen erreichten nach seinen Angaben eine Stärke von 3,6 auf der Richterskala. Eine solche Stärke könne etwa durch die Explosion von 800 Tonnen Dynamit erzielt werden.

Russland bestätigt Test

Russland hat am Montag den nordkoreanischen Atombombentest bestätigt. Die russischen Überwachungssysteme haben "den Test einer Atomwaffe in Nordkorea entdeckt", zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass Generalleutnant Wladimir Werchowzew aus dem Verteidigungsministerium. "Es ist hundert Prozent sicher, dass es eine unterirdische Atomexplosion war."

US-Geologiebehörde: Beben der Stärke 4,2

Die US-Geologiebehörde gab zuvir bekannt, um 10.36 Uhr Ortszeit in Nordkorea ein Beben mit einer Stärke von 4,2 gemessen zu haben. Danach wurde die seismische Aktivität etwa 380 Kilometer nordöstlich von Pjöngjang registriert. Es habe sich um ein unterirdisches Beben nahe der Erdoberfläche gehandelt, erläuterte Rafael Abreu von der Geologiebehörde am Montagmorgen im US-Sender Fox. Wegen der Berichte über einen Atomwaffentest stehe Außenministerin Condoleezza Rice in telefonischem Kontakt mit ihren Amtskollegen weltweit, hieß es weiter.

Auch UNO-Behörde bestätigt

Nach dem angeblichen Atomwaffentest in Nordkorea hat die UNO-Behörde zur Überwachung des internationalen Atomteststopp-Abkommens (CTBTO) ein "Ereignis" der Magnitude 4,0 auf der Richter-Skala in dem Land bestätigt. Die Explosion sei um 03.35 Uhr MESZ (10.35 Uhr Ortszeit) erfolgt, sagte ein Vertreter der Behörde am Montag in Wien der Nachrichtenagentur AFP. Die CTBTO habe allerdings nicht das Recht, öffentlich zu erklären, ob es sich bei der Detonation um eine nukleare Explosion gehandelt hat oder nicht, sagte der Sprecher weiter.

Im Fernen Osten Russlands ist nach Behördenangaben unterdessen keine erhöhte Strahlung festgestellt worden. "Es gibt keine Bedrohung für die Bevölkerung", erklärte der regionale Zivilschutz in der Hafenstadt Wladiwostok nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Eine politische Reaktion Russlands auf den Atomversuch stand am Montagmorgen in Moskau noch aus.

Warnung an China

Auch die US-Regierung geht laut einem Fernsehbericht davon aus, dass Nordkorea wie behauptet eine Atomwaffe getestet hat. Das sagte ein US-Regierungsmitarbeiter dem Fernsehsender Fox News. Nach Angaben des Fernsehsenders wurde die chinesische Regierung 20 Minuten vor dem Test gewarnt. Das US-Institut für Amerikanische Geophysik beobachtete "seismische Aktivität" am Montagmorgen in Nordkorea, wie ein Mitarbeiter bestätigte.

Howard: Seismische Messungen bestätigen Test

Der australische Ministerpräsident John Howard erklärte vor dem Parlament in Canberra, seismische Messungen hätten den unterirdischen Atomtest bereits bestätigt. Weitere Einzelheiten nannte Howard zunächst nicht. Ein Beamter der südkoreanischen Behörde zur seismischen Überwachung der Region erklärte im AP-Gespräch, dass um den Zeitpunkt des möglichen Atomwaffentests eine Erderschütterung mit einer Stärke von 3,6 auf der Moment-Magnitude registriert worden sei. (APA/Reuters/dpa/red)

  • Japanische Wissenschafter präsentieren die Seismogramme des nordkoreanischen Atomtests.

    Japanische Wissenschafter präsentieren die Seismogramme des nordkoreanischen Atomtests.

Share if you care.