"Es ist nicht alles gratis im Leben"

10. Jänner 2008, 17:13
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Josef Mayer von Yesss im Interview über "bob", das Image eines Diskonters und weshalb 99,99 Euro nicht 100 Euro sind

WebStandard: Die Marke Yesss scheint sich in ihrem Werbeauftritt stark an das Image eines Diskonters zu lehnen, der Konkurrent bob gibt sich zumindest nach außen hin durchgestylter. Wie wichtig ist bei Diskont-Telefonie das Image, läuft hier nicht so und so alles über den Preis?

Josef Mayer: In erster Linie ist sicherlich der Preis entscheidend, aber natürlich auch die Art, wie man sich darstellt. Wir waren von Anfang an ein ehrlicher Diskonter, diese Positionierung haben wir nie geleugnet.

WebStandard: Die Telekom steht wegen dem Namen "bob" vor Gericht, denken Sie, kann sich so eine Affäre negativ auf das Geschäft auswirken?

Josef Mayer: Das bezweifle ich. Ich glaube nicht, dass diese Angelegenheit bis in den weitesten Kundenkreis von bob durchgedrungen ist.

WebStandard: Yesss hatte erst kürzlich den 500.000 Kunden zu verzeichnen. Welches Ziel hat man sich gesteckt?

Josef Mayer: Wir haben alle Ziele übertroffen, deshalb stecken wir uns keine mehr – außer weiter zu wachsen und das Marktpotential so gut als möglich auszuschöpfen. Es ist bisher alles besser gelaufen als geplant, aber zurücklehnen werden wir uns nicht. Es gibt nach dem Konzept des einfachen, transparenten Diskont-Telefonierens eine starke Nachfrage und der scheinen wir sehr gut gerecht werden zu können.

WebStandard: Yesss ist seit 2005 auf dem Markt, ist das Unternehmen mittlerweile profitabel?

Josef Mayer: Yesss war von Anfang an profitabel.

WebStandard: Können Sie sich vorstellen, dass der Mutterkonzern One sich eines Tages komplett aus dem konventionellen Mobil-Telefoniegeschäft zurückzieht und nur noch auf Diskont-Produkte setzt?

Josef Mayer: Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber kann hier auch nicht für One sprechen.

WebStandard: Telefonie über das Internet ist eines Ihrer neueren Angebote. Sehen Sie den Trend vermehrt in Richtung "Voice over IP" (VOIP) ziehen?

Josef Mayer: Durchaus, aber ganz langsam. Wir bieten es an und es funktioniert auch recht gut, aber die Umsätze, die wir damit erzielen sind noch deutlich geringer als jene mit unseren anderen Angeboten. VOIP ist nachwievor ein Produkt, das ein gewisses Maß an technischer Kenntnis voraussetzt und für den durchschnittlichen Verbraucher nicht geeignet ist. Massentauglich ist VOIP definitiv noch nicht.

WebStandard: Ist man vielleicht auch deshalb nicht so erfolgreich damit, weil kostengünstige Angebote - wie Skype - bereits über das Internet zu beziehen sind?

Josef Mayer: Die haben ja das gleiche Problem. Oft werden diese Produkte heruntergeladen, einmal ausprobiert und nie mehr verwendet. Es werden irrwitzige Nutzerzahlen veröffentlicht und in Wirklichkeit ist die Nutzung von allen VOIP-Lösungen eigentlich sehr gering. Die klassische Festnetztelefonie wird eher von der Mobilfunktelefonie aufgefressen, als von VOIP.

WebStandard: Hängt das nicht auch damit zusammen, dass die Preise mit über 20 Cent pro Minute in Mobilnetze noch recht teuer sind?

Josef Mayer: Mobilnetze sind teuer und das Pricing ist bei allen Anbietern sehr einheitlich. Die Kosten gehen seit Jahren langsam nach unten. Es ist nicht alles gratis im Leben und wer glaubt, dass man mit VOIP in Zukunft kostenlos telefonieren kann, ist ein Träumer. Ein Effekt ist allerdings schon eingetreten. Durch die Internetdurchdringung ist die Kommunikation deutlich billiger geworden, aber es gibt nichts gratis, auch den Standard nicht.

WebStandard: Yesss bietet auch eine Reihe an Festnetztarifen an. Wie wichtig ist für Sie heutzutage diese Sparte noch?

Josef Mayer: Es ist nach wie vor ein Standardprodukt, allerdings mit stark abnehmender Tendenz. Das sieht jeder, der in diesem Bereich tätig ist. Die Minuten im Festnetz schrumpfen. Abgelöst wird es im Wesentlichen von der Mobiltelefonie. Bei uns merken wir das, weil wir uns mit unserem Mobilfunk-Angebot ins eigene Fleisch schneiden und Festnetz-Minuten verlieren. Tendenziell ist diese Technologie am Rückzug, aber noch lange nicht tot.

WebStandard: Wie viel Spielraum gibt es nach unten hin, werden die Preise der Yesss-Produkte noch weiterhin kontinuierlich herabgesetzt werden?

Josef Mayer: Wie viel Spielraum noch da war, sieht man immer im Nachhinein.

WebStandard: Ist der Prozess verlangsamt?

Josef Mayer: Werden wir sehen, aber er ist schon langsamer. In absoluten Zahlen wird der Preisverfall immer weniger. Wenn ich Ihnen als Kunden sage, Sie ersparen sich zehn Prozent, dann hört sich das super an, bis Sie draufkommen, die Ersparnis ist weniger als ein Cent. Wir nähern uns einem Punkt, an dem die prozentuellen Änderungen für den Kunden immer weniger Auswirkungen haben. Im Festnetz sind wir heute schon so weit.

WebStandard: Wenn Sie sagen, für den Kunden macht es keinen Unterschied, ob der Tarif jetzt einen Cent teurer oder billiger ist, weshalb ist das Yesss-Mobiltelefonie-Angebot dann 0,1 Cent billiger als jenes des Konkurrenten "bob"?

Josef Mayer: Naja, nach dieser Logik arbeiteten Supermärkte schon, als Sie und ich noch Kinder waren. 99,99 Euro sind zwar wirtschaftlich gesehen praktisch 100 Euro, aber da handelt es sich um psychologische Gesetzmäßigkeiten die funktionieren. Dass dies jetzt der große Unterschied sei, behaupten wir auch nicht. (Das Gespräch führte Zsolt Wilhelm)

Zur Person

Josef Mayer hat in Graz Rechtswissenschaften studiert. 1997 ist er bei Connect Austria (heute ONE GmbH) eingetreten und hat dort die Rechtsabteilung und in der Folge den Bereich Personal, Recht und Regulierung geleitet. 2004 wurde er Geschäftsführer der damaligen eWave Telekommunikation GmbH (heute YESSS! Telekommunikation GmbH).

Links

Yesss

One

bob

Zur Nachlese

"bob" versus "bob" landet vor Gericht

  • Josef Mayer, Geschäftsführer von Yesss
    yesss

    Josef Mayer, Geschäftsführer von Yesss

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