Nordkorea feiert Kim und verschweigt Krise

16. Oktober 2006, 12:23
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Amtsjubiläum des "großen revolutionären Führers" - Nordkorea will Aufhebung der Sanktionen erzwingen

Seoul/Pjöngjang - Mitten in der Krise um den von Nordkorea angekündigten Atombombentest hat das kommunistische Land am Sonntag den Jahrestag des Amtsantritts von Machthaber Kim Jong-il gefeiert. Zu dem Nukleartest verloren die staatlich kontrollierten Medien kein Wort. Weitere Spannungen entstanden am Wochenende durch einen Zwischenfall an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea, bei der Soldaten aus Nord und Süd einander unter bisher noch ungeklärten Umständen beschossen, sowie Berichte über einen Abzug des für US-Beziehungen zuständigen UN-Botschafters Nordkoreas.

"Die Führung unseres großen Führers Kim Jong-il hat eine Geschichte der Stärkung der Solidarität unseres revolutionären Geistes geschrieben und ein Jahrhundertwunder geschaffen", zitierte die zentralkoreanische Nachrichtenagentur KCNA aus einem selbst für nordkoreanische Verhältnisse überschwänglichen Leitartikel zum neunten Jahrestag der Machtübernahme. Die weit gehend isolierte kommunistische Führung in Pjöngjang hatte am Dienstag erstmals einen Atomwaffentest angekündigt, jedoch keinen konkreten Zeitpunkt dafür genannt.

Tests nicht vor Ende des Jahres

In US-Kreisen hatte es geheißen, der Test könne bereits am Wochenende durchgeführt werden. Laut einer britischen Zeitung wird Nordkorea die Bombenexplosion aber wahrscheinlich nicht vor Ende des Jahres in die Tat umsetzen. Die Führung in Pjöngjang wolle der US-Regierung zunächst eine Frist von bis zu drei Monaten setzen, um die gegen das Land verhängten Finanzsanktionen aufzuheben, berief sich der Sunday Telegraph auf russische Militärexperten in der nordkoreanischen Hauptstadt. Sollten die USA keine Verhandlungen aufnehmen , werde Staatschef Kim Jong-il den Befehl für den Test am wahrscheinlichsten in der zweiten Dezemberhälfte oder Anfang Jänner geben.

Getestet werden solle ein etwa drei Meter langer und vier Tonnen schwerer Sprengkörper mit einer Kraft von 20 Kilotonnen, zitierte die Zeitung Militärexperten. Das entspreche der Wirkung nach in etwa der Bombe, die Ende des Zweiten Weltkriegs die japanische Stadt Nagasaki zerstörte. Bislang verfüge Nordkorea jedoch über keine Rakete, die eine so große Bombe tragen könne. Der UN-Sicherheitsrat warnte Nordkorea eindringlich vor der Ausführung des Tests. Sollte das Land seine Pläne dennoch vorantreiben, werde es Konsequenzen geben, hieß es in einer am Freitagabend einstimmig verabschiedeten Erklärung, die von Japan eingebracht worden war. In welcher Form der Sicherheitsrat auf einen Atomtest reagieren würde, blieb unklar. (AFP, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 9.10.2006)

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