Bipolare Störungen

8. Oktober 2006, 22:26
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Bipolare Störungen treten normalerweise im jungen Erwachsenenalter erstmals auf - für betroffene Frauen stellt sich die Frage, ob sie jemals schwanger werden dürfen

MEDIKAMENTE

Bipolare Störungen müssen angepasst an das konkrete Krankheitsbild meist mit einem Mix verschiedener Medikamente behandelt werden:

Lithiumsalz
wirkt stabilisierend. Nebenwirkungen: eventuell Gewichtszunahme oder Zittern.

Trizyklische Antidepressiva
wurden früher eingesetzt, bergen aber das Risiko hochfrequenter Phasenwechsel.

Atypische Antipsychotika
werden sehr erfolgreich als stabilisierende Phasenprophylaxe eingesetzt. Der eben zugelassene Wirkstoff Olanzapin wirkt auch in der akuten Manie.

Antiepileptika
wie Carbamazepin oder Valproinsäure werden in Akut- und Langzeitbehandlung verwendet. Neue Wirkstoffe: Lamotrigin sowie bei Überwiegen manischen Episoden Topiramat.

Schwangerschaft

"Die Schwangerschaft bietet einen gewissen Schutz vor Manien", sagt Stephanie Krüger von der psychiatrischen Universitätsklinik Dresden, die zu diesem speziellen Thema Kurse für betroffene Frauen, aber auch für Therapeuten leitet. "Andererseits ist das Risiko von Depressionen stark erhöht." Frauen, die ohne Rücksprache ihre Medikamente absetzen, so Krüger, erleiden mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent schwere Rückfälle.

Erste Phase ohne Medikamente

Wenn die Krankheit bisher mit einer oder weniger Episoden pro Jahr verlief und dabei keine schweren Manien vorkamen, sei es auch denkbar, die Medikamente in der besonders sensiblen ersten Phase der Schwangerschaft abzusetzen. "Dazu braucht die Frau aber ausreichend soziale Unterstützung", so Krüger.

Stabilisierungsmedikamente

Wenn dies gewährleistet ist, kann gemeinsam mit dem Arzt überlegt werden, welche Medikamente für drei Monate ausgesetzt werden können. In dieser Phase ist das Risiko von Organfehlbildungen durch Psychopharmaka erhöht. "Danach", so Krüger, "sollten dann auf jeden Fall die wichtigsten Stabilisierungsmedikamente wieder genommen werden." Denn prinzipiell sei es auch möglich, mit einem schweren Krankheitsverlauf, schwanger zu werden. "Dann ist es allerdings nicht zu empfehlen, die Medikamente abzusetzen." In diesem Fall empfiehlt Krüger engmaschige Kontrollen des Kindes mit Ultraschall.

(ebe/MEDSTANDARD/09.10.2006)

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