Unkäufliches Haus

8. Oktober 2006, 19:41
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Unbewegliches ist Allgemeingut - von dag

1.) Jugendliche "Antikapitalisten" der 70er-Jahre (als man das Wort noch auszusprechen wagte) diskutieren heute zum Beispiel die Frage, ob es klüger ist, ein Haus zu mieten oder sich eines im Eigentum anzuschaffen. Für das Miethaus spricht: Man verausgabt sich nur monatlich und nicht ein für allemal. Für das Eigentumshaus spricht: Wenn man es ausbezahlt hat, gehört es einem, und man könnte es verkaufen. Für das Miethaus spricht: Was hätte man davon, sein Haus zu verkaufen? Dann müsste man erst wieder eines kaufen (oder mieten). Für das Eigentumshaus spricht: Man muss es ja nicht verkaufen, es hat auch so seinen Wert, man hat es sich quasi selbst bezahlt. Für das Miethaus spricht: Statt sich selbst zu bezahlen, nur um zu wohnen, könnte man auch etwas Sinnvolles kaufen. (. . .)

2.) Suzi (vier) stand im Landhaus ihrer Tante und witterte Betrug: "Das Haus gehört nicht dir!" Tante: "Oh ja, ich hab's gekauft." Suzi: "Ein Haus kann man nicht kaufen, weil man kann es nicht mitnehmen." Käuflich sind für Suzi nur Dinge, die sich aus dem Supermarkt tragen lassen, Unbewegliches ist Allgemeingut. - Mutig, Suzi: ein durch und durch antikapitalistischer Ansatz. (DER STANDARD, Print, 9.10.2006)

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