Kopf des Tages: Republikaner im Strudel eines Sexskandals

17. Oktober 2006, 16:29
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Dennis Hastert, Sprecher des US-Repräsentantenhauses, ist unter Druck

"Dennis Hastert ist nett, aber nicht gerade ein großer Kämpfer", urteilt der demokratische Kongressabgeordnete Charles Rangel über den stark unter Beschuss stehenden republikanischen Sprecher des US-Repräsentantenhauses. "Er steckt mitten drinnen in diesem Foley-Skandal und kann nicht gewinnen."

Rangels Urteil wird von vielen Parteifreunden des 64-jährigen Hastert geteilt: Trotz der Unterstützungserklärungen des Weißen Hauses scheint es, als hätte sich Hastert bloß eine Gnadenfrist in der Affäre um den zurückgetretenen Abgeordneten Mark Foley erkauft. Hastert wird vorgeworfen, er habe es gewusst und verschwiegen, dass Foley ehemalige jugendliche Kongressmitarbeiter mit sexuell eindeutigen E-Mails belästigte.

Dem beleibten Ex-Football- und Ringkampf-Trainer war es nicht in die Wiege gelegt worden, eines Tages der "dritte Mann" in den USA zu sein (wenn Präsident George W. Bush und sein Vize Dick Cheney gleichzeitig amtsunfähig würden, würde Hastert automatisch Präsident). Inmitten des Impeachment-Verfahrens gegen Ex-Präsident Bill Clinton wurde Hastert nach dem Ausscheiden der ebenfalls sexskandalgeplagten Abgeordneten Newt Gingrich und Robert Livingston gleichsam als Verlegenheitslösung zum ersten Mann im Repräsentantenhaus gekürt.

Das ging auch relativ gut, solange das "House" vom mächtigen Tom DeLay dominiert und Hastert nur als Anhängsel des wegen Korruption angeklagten Texaners betrachtet wurde. Seit DeLays Ausscheiden steht der nicht gerade mit politischen Instinkten gesegnete Hastert aber allein auf weiter Flur. Der 1942 in Aurora, Illinois, geborene Hastert war zunächst Lehrer für Geschichte und Sport an einer High School. 1980 wurde er in das Parlament von Illinois gewählt und übernahm 1986 einen republikanischen Sitz im US-Repräsentantenhaus, wo er seitdem regelmäßig mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt wurde. 2006 verzeichnete er einen Rekord als am längsten dienender republikanischer Vorsitzenden des Repräsentantenhauses.

Im Wahlkampf 2004 machte Hastert durch Angriffe auf den liberalen Milliardär George Soros von sich reden. Er beschuldigte Soros implizit diverser Drogengeschäfte, was dieser vehement zurückwies. 2005 machte Hastert Schlagzeilen, als er meinte, das von Hurrikan "Katrina" verwüstete New Orleans sollte dem Erdboden gleichgemacht werden. Hastert soll auch Verbindungen zu dem wegen Korruption angeklagten Lobbyisten Jack Abramoff haben, bestritt dies aber. Seine Tage als Leiter des Repräsentantenhauses sind dennoch gezählt: entweder weil die Demokraten die Wahlen in einem Monat gewinnen, oder weil ihn die Republikaner als politische Belastung sogar nach gewonnenen Wahlen loswerden wollen. (Susi Schneider, DER STANDARD, Print, 9.10.2006)

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    Dennis Hastert

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