Gasgeld in dubiose Taschen

19. Oktober 2006, 17:43
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Zahlungen an den russisches Gasmonopolist Gasprom gehen verschlungene Wege

Ende September hat der russische Gasmonopolist Gasprom in Österreich erhalten, wonach er in ganz Europa strebt, was ihm aber erst in drei Ländern gelungen ist: Anteile am Endkundenmarkt, der 100 bis 150 Dollar pro 1000 m³ mehr einbringt als der Verkauf um ca. 280 Dollar pro 1000 m³ an der Staatsgrenze. Dort hatte bisher die OMV das ganze russische Gas (59 Prozent des österreichischen Verbrauchs) gekauft und exklusiv in Österreich vermarktet.

Fortan (bis 2027) wird die Handelsgesellschaft Econ, an der die OMV und regionale Versorger je 50 Prozent halten, 5,2 Mrd. der insgesamt 7,0 Mrd. m³ Importgas aus Russland verkaufen. 1,8 Mrd. m³ - in Kärnten, Salzburg und der Steiermark - vermarkten nun zwei Gasprom-nahe Firmen: laut russischer Zeitung Vedomosti 1,4 Mrd. m³ die GWH, den Rest von 400 Mio. m³ die Centrex Europe Energy & Gas. Letztere hält auch 24,9 Prozent an der Gasprom-Enkelin GWH (25,1 Prozent hält die OMV).

Nicht eindeutig

Wohin die laut Vedomosti von Experten geschätzten 175 Mio. Dollar fließen, die GWH und Centrex jährlich einfahren dürften, ist so eindeutig nicht. Gasprom dürfte jedenfalls nur etwa die Hälfte bekommen. Das ist freilich nicht überraschend, denn zum Unverständnis der Analysten hat Gasprom immer schon seine Erlöse aus Transit und Vermarktung rätselhaft mit Privatfirmen geteilt. Das berühmteste Beispiel ist das Transitkonsortium Rosukrenergo, das Gas in die Ukraine und nach Europa transportiert und an dem die Raiffeisen International AG 50 Prozent treuhändisch hält, angeblich für den ukrainischen Unternehmer Dmitri Firtasch - Brancheninsider bezweifeln, dass hier indirekt keine anderen Größen bedient werden, die möglicherweise aus der organisierten Kriminalität kommen.

Unbekannte Centrex-Besitzer

Unbekannt sind auch die Besitzer von Centrex. Nachdem sie 2003 von Gasprom-Tochter Gasprombank für die Gasvermarktung in Europa gegründet worden war, wurden 80 Prozent von der I.D.F. Anlagengesellschaft gehalten, einer österreichischen Tochter der Gasprombank. 20 Prozent hielt der in Wien ansässige Unternehmer Robert Nowikovski, der seinen Anteil aber im April an die Gasprombank verkaufte - weil Gasprom weitere Vorwürfe der Intransparenz hintanhalten wollte, wie dies damals gedeutet wurde.

Wie Vedomosti nun zu wissen behauptet, wird Centrex in Wirklichkeit von der 1992 in der Schweiz gegründeten "Russischen Kommerzial Bank" (RKB) gelenkt. In ihrem Bericht heißt es, dass sie im Vorjahr 80 Prozent der I.D.F. Anlagengesellschaft in Liechtenstein gekauft hat. I.D.F. wiederum verwaltet einen Fonds, dessen Hauptaktiv Aktien (um 145 Mio. Dollar) der zypriotischen Centrex Group Holding seien, die ihrerseits in einer Presseaussendung einer Gasprom-Tochter als Muttergesellschaft der österreichischen Centrex Europe Energy & Gas genannt wird. Die Aktien legten in gut zwei Jahren seit April 2004 fast das Zwanzigfache an Wert zu.

Gescheiterter Exportdeal

Im Vorjahr ist übrigens ein Exportdeal Gasproms mit Italien gescheitert. Gasprom wollte über eine gewisse Central Italien Gas Holding (CIGH) an den Endkunden verkaufen, scheiterte aber an italienischen Parlamentarier, die enthüllten, dass neben der genannten österreichischen Centrex (40 Prozent) auch Bruno Mentasti Granelli (33,9 Prozent) in der CIGH saßen. Granelli machten sie als Strohmann für Silvio Berlusconi aus. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.10.2006)

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    Gasprom-Headquarter in Moskau.

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