Nach Edeka-Rückzug kauft sich Rewe bei Adeg ein

9. November 2006, 19:41
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Die Konzentration im österreichischen Lebensmittelhandel steigt weiter. Billa-Mutter Rewe übernimmt Minderheitsanteil bei der angeschlagenen Adeg-Gruppe

Wien - Die österreichische Rewe-Gruppe sorgte am Wochenende für eine Überraschung in der heimischen Handelslandschaft: Am Samstagabend um 19 Uhr verkündete der Mutterkonzern der Supermärkte Billa, Merkur, Penny und Bipa, dass 24,9 Prozent an Adeg Österreich übernommen werden sollen. Gleichzeitig informierte die Adeg-Führung die bei einer Hausmesse versammelten Kaufleute und Genossenschafter von Adeg Österreich über den gesellschaftsrechtlich Schritt.

Vor einiger Zeit hatte, wie berichtet, bei Adeg einer von zwei deutschen Gesellschaftern, die Genossenschaft Edeka Südbayern, ihre 37,5 Prozent an die Adeg-Kaufleute zurückgegeben. Aus diesem Paket stammen nun die Anteile, die Rewe bekommen soll.

Nicht überfordern

"Wir wollten die Kaufleute nicht überfordern", sagt Adeg-Österreich-Chef Andreas Poschner gegenüber dem Standard. Gleichzeitig sei Rewe schon seit Längerem an der Kooperation mit unabhängigen Kaufleuten interessiert. Vor einigen Jahren kaperte Rewe den Vorarlberger Kaufmann Sutterlüty von der Spar-Organisation. Adeg hat derzeit 660 eigenständige Kaufleute im System sowie 120 Filialen im Eigentum der Dachorganisation. Der Deal diene jedenfalls der "Zukunftssicherung".

Die gesellschaftsrechtliche Verflechtung sei mit den heimischen Kartellbehörden abgesprochen, so Poschner, wenn man gemeinsame operative Schritte - etwa Einkaufskooperationen - setzen sollte, "müssten wir uns dann weiter mit den Behörden abstimmen". Man habe jedenfalls mit "allen Marktteilnehmern in Österreich" über einen Einstieg gesprochen, so Poschner. Der Lebensmitteleinzelhandel ist seit Mitte der 90er-Jahre, seit dem Niedergang des Konsum-Reiches, hoch konzentriert: Spar und Billa/Merkur halten jeweils rund ein Drittel des heimischen Lebensmittelmarktes, Diskonter Hofer holte zuletzt stark auf.

Massive Verluste

Adeg verlor in den vergangenen Jahren massiv, sowohl Erträge wie auch Marktanteile. Jetzt will man sich in der Sanierung auf die Stärkung der selbstständigen Kaufleute weiter konzentrieren und diese Nische nachhaltig besetzen. Die Verbrauchermarktschiene Magnet, zu 100 Prozent im Besitz der Edeka Südbayern, steht weiter zum Verkauf. Edeka Chiemgau behält "bis auf Weiteres" (Poschner) den 37,5-Prozent-Anteil an Adeg. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.10.2006)

  • Dieser Adeg in Bergheim wird vielleicht bald von Rewe beliefert: Die Billa-Mutter übernimmt 24,9 Prozent an Adeg Österreich, falls es die Kartellwächter erlauben.
    foto: standard/adeg

    Dieser Adeg in Bergheim wird vielleicht bald von Rewe beliefert: Die Billa-Mutter übernimmt 24,9 Prozent an Adeg Österreich, falls es die Kartellwächter erlauben.

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