Analyse: Kampf um Macht und Prestige

25. Oktober 2006, 17:06
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Die AUA droht mit Mitarbeiter-Abbau. Der Betriebsrat will sich profilieren und versucht die Kapitalerhöhung zu torpedieren. Ein Machtkampf mit offenem Ausgang

Wien - Bei der AUA läuft derzeit alles auf eine Zerreißprobe zwischen AUA-Chef Alfred Ötsch und dem Betriebsratsvorsitzenden Bord, Wolfgang Hable, hinaus. Während Ötsch guten Wind für seine dringend benötigte Kapitalerhöhung braucht, versucht Hable - nicht immer mit Rückendeckung des Bordpersonals - diese zu torpedieren und damit Ötsch samt seinem Sparprogramm in die Knie zu zwingen. Wie das Match ausgeht, weiß derzeit niemand. Nur: "Wenn es Tote gibt, dann zwei" - Ötsch und Hable.

Forderungspapier

Seit fünf Monaten versucht Ötsch mit dem Betriebsrat über Möglichkeiten zur Produktionssteigerung zu verhandeln. Die Gespräche liefen gut, bis sich herausstellte, dass Hable den AUA-Chef nur hinhielt, in Aussicht gestellte Zusagen aber nie eingehalten wurden. Die AUA-Führung fasste auf Hables Wunsch alle besprochenen Themen in einem Forderungspapier zusammen, das der Wirtschaftskammer vorgelegt wurde. Hable aber brach die vereinbarte Vertraulichkeit. Er nahm das Papier zum Anlass, um in der Belegschaft Unmut zu erzeugen und gegen den Vorstand auf die Barrikaden zu gehen, anstatt Sozialpartnerverhandlungen darüber zu beginnen.

Flexibles Gehaltsschema

Konkret will Ötsch folgendes: Ein flexibles Gehaltsschema für das gesamte AUA-Personal. Schreibt die AUA Verluste, soll nur 90 Prozent des Gehalts ausgezahlt werden. Im umgekehrten Fall, wenn es Gewinne gibt, erwartet die Mitarbeiter ein Gehalt von 110 Prozent. Auf der Mittel- und Langstrecke will die AUA, dass jene Überstunden, die im Sommer aufgebaut werden, im Winter als Zeitguthaben wieder abgebaut werden. Außerdem soll das derzeit starre System der freien Tagen beim fliegenden Personal gelockert werden. Wenn etwa ein Pilot derzeit in drei Tagen stundenmäßig die Arbeit von acht Tagen leistet, hat er nach derzeit geltender Vereinbarung die nächsten fünf Tage frei. Die AUA will die freien Tage auf drei bis vier reduzieren und damit auch optimalere Dienstpläne schaffen. Die restlichen freien Tage sollen später nachgereicht werden. Dies würde das starre System wesentlich flexibler werden lassen.

Hable forderte, dass die geplante Verlagerung von drei Fokker 70 zur Tyrolean zurückgenommen wird, weil er bei der AUA auf Wachstum drängt und keine flottenbereinigende Schrumpfung will. Die Konzentration bei Tyrolean, wo bereits jetzt sechs Fokker 70 und 10 Fokker 100 sind, erspart der AUA Kosten, nicht zuletzt weil Tyrolean auch billiger produziert.

Parallel dazu kommt es mit der Abgabe der noch verbleibenden zwei Langstrecken-Airbusse A340 zu einer weiteren Flottenbereinigung.

Arbeitskampf unwahrscheinlich

Dass es tatsächlich zum Arbeitskampf kommt, scheint aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Was Hable derzeit bewirkt, ist eine massive Störung der Kapitalerhöhung und das ist so ziemlich das Schlimmste, was er dem Unternehmen antun kann. Die etwa 350 Mio. Euro an frischem Kapital will die AUA zur Hälfte in Produktivitätssteigerungen investieren. Aber auch um als Verhandlungspartner der Flugzeugbauer ernst genommen zu werden, ist Eigenkapital nötig.

Die Forderung des Betriebsrates, die Arbeitsplätze bei der AUA zu halten, ist legitim. Die Frage ist nur, wo ist die Grenze dessen, was ein Betriebsrat verlangen kann. Faktum ist, dass ein großer Teil der AUA-Piloten Hable skeptisch gegenüberstehen. Bei einer Betriebsversammlung im Februar hat man ihn stundenlang zum Rücktritt aufgefordert.

Nicht Konsens, sondern Konflikt

Hables Schwäche ist, dass er nicht Konsens sucht, sondern Konflikt. Er ist kein Diplomat, der umsichtig und klug handelt. Er will Recht haben und Recht behalten und er will den anderen verlieren sehen. Bei jemanden wie Ötsch, der selbst so auf sich bedacht ist, kann das gefährlich werden. Nicht zuletzt, sondern vor allem auch für die rund 3000 Piloten und Flugbegleiter.

2003 streikte das AUA-Bordpersonal. (Im Bild ein Copilot, erster Offizier.) Nach monatelangen Verhandlungen kam es zu einer Einigung. Neu eintretende Piloten bekommen weniger Gehalt. Der Flugbetrieb von AUA und Lauda Air wurde zusammengelegt. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.10.2006)

  • 2003 streikte das AUA-Bordpersonal. (Im Bild ein Copilot, erster Offizier.) Nach monatelangen Verhandlungen kam es zu einer Einigung. Neu eintretende Piloten bekommen weniger Gehalt. Der Flugbetrieb von AUA und Lauda Air wurde zusammengelegt.
    foto: standard/fischer

    2003 streikte das AUA-Bordpersonal. (Im Bild ein Copilot, erster Offizier.) Nach monatelangen Verhandlungen kam es zu einer Einigung. Neu eintretende Piloten bekommen weniger Gehalt. Der Flugbetrieb von AUA und Lauda Air wurde zusammengelegt.

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