"Kreml hat Meinungsfreiheit getötet"

von Redaktion  |  11. Oktober 2006, 10:58
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    Der Schatten der russischen Staatsmacht fällt auf den Hauseingang zum Tatort in Moskau.

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    Mehr als 500 Menschen gedachten am Sonntag in Moskau der erschossenen Regimekritikerin.

Anna Politkowskaja ermordet - Prominente russische Journalistin galt als die profilierteste Gegnerin des Putin-Regimes

Am Wochenende starb Anna Politkowskaja (48) in Moskau durch die Hand eines gedungenen Mörders. Die prominente russische Journalistin galt als die profilierteste Gegnerin des Putin-Regimes.

* * *

Anna Politkowskaja kam vom Supermarkt. Wer bei der türkischen Lebensmittelkette "Ramstor" in Moskau einkauft, gehört nicht zur Finanzelite. Auch nicht, wer in einem russischen Auto des Modells WAZ-2110 unterwegs ist. In einem solchen fuhr sie den Wochenendeinkauf zu ihrer Wohnung am nördlichen Moskauer Stadtrand. Den Aufzug konnte sie gerade noch rufen, dann sank sie blutüberströmt zusammen. Der Mörder, der ihr im Hausflur aufgelauert hatte, schoss ihr mehrmals in den Kopf. Die 48-Jährige starb auf der Stelle.

Der Mord hat weltweit und in Russland eine Welle des Schocks ausgelöst. "Dies ist ein Schlag gegen die gesamte demokratische unabhängige Presse, ein schweres Verbrechen gegen das Land und uns alle", sagte Ex-Präsident Michael Gorbatschow, der seit Sommer Mitbesitzer der oppositionellen Zeitung Novaja Gaseta ist. Für sie arbeitete Politkowskaja seit 1999 (siehe Reaktionen).

Mutige Recherchen

Politkowskaja hatte sich mit ihren mutigen Berichten über Menschenrechtsverletzungen in der umkämpften Kaukasusrepublik Tschetschenien und mit mehreren Büchern darüber einen Namen gemacht. Auch stellte sie die autoritären Tendenzen in Wladimir Putins Staat weltweit an den Pranger.

Über den Hintergrund des Mordes war am Sonntag noch nichts bekannt. Übereinstimmend waren die Einschätzungen lediglich darin, dass die Ermordung mit der beruflichen Tätigkeit Politkowskajas in Verbindung steht. Ihre Arbeit für die oppositionelle Zeitung Novaja Gaseta war vielen ein Dorn im Auge: nicht nur den russischen Militärs, auch der Moskau-treuen tschetschenischen Führung; und vielen Einzelakteuren, deren dunkle Machenschaften sie unerschrocken auffliegen ließ, auch jene von Tschetscheniens Premier Ramsan Kadyrow. Der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika zog am Sonntag das Ermittlungsverfahren an sich. Die Polizei stellte zu Ermittlungszwecken den Speicher ihres Computers und Material für einen geplanten Enthüllungsartikel sicher.

Regelmäßige Drohungen

Ob es in letzter Zeit Drohungen gegen seine Ex-Frau gab, wisse er nicht, sagte Alexandr Politkowski, früher habe sie solche jedenfalls regelmäßig erhalten. Vitali Jaroschewski, Vizechefredakteur der Novaja Gaseta, sagte, Politkowskaja habe zuletzt über Folterungen in Tschetschenien recherchiert und über Beweise und Fotografien verfügt.

Ersten Informationen zufolge kennt die Polizei die Identität des Mörders, da er unmaskiert war und die Videoüberwachung über dem Hauseingang nicht außer Betrieb gesetzt hatte. Auch aufgrund dieses als "unprofessionell" eingestuften Verhaltens wurde am Sonntag angenommen, dass der Vollstrecker selbst bereits von seinen Auftraggebern beseitigt worden sein dürfte.

Keine Erklärungen des Kremels

Der Kreml und Präsident Wladimir Putin gaben keine Erklärung zur Ermordung ab. Russlands Präsident feierte am Samstag seinen 54. Geburtstag. 500 Menschen demonstrierten am Sonntag in Moskau gegen die Ermordung. Auf einem der Plakate der Demonstranten stand: "Der Kreml hat die Meinungsfreiheit getötet." (sed, red, DER STANDARD, Printausgabe 9.10.2006)

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D.Schmid
10.10.2006 10:54
Cui bonis?

Wem eigentlich könnte dieser Mord am meisten nützen?

Death Sea
09.10.2006 15:43
Kommt dieses posting mal durch ? oder welche Kriterien gibts denn heute wieder im Standard ?

In der heutigen Nowaja Gaseta sollte ein Artikel über Folter in Tschetschenien erscheinen. Beweismaterial und Artikel sind verschwunden, teilte die Zeitung mit.

Alexei Pavlov 
09.10.2006 13:23

@Redaktion
Ohne Zensur koennen Sie Natisten nicht auskommen, den bei einer fairen Diskussion stuertzt Ihr Luegengebaeude wie ein Kartenhaus.

Danke der Standard-Redaktion, dass sie mit ihren Angriffen auf die Meinungsfreiheit (wie die sturre Nichtveroeffentlichung von meisten meiner Postings zu diesem Artikel) diese These immer wieder bestaetigt.

k 2r
09.10.2006 22:16

und wen die zensur das nicht schafft werden kritiker anders mundtot gemacht - siehe u.a. anna politkowskaja in putins russland.

ps: und ihre weinerliche kritik am standard ist lächerlich.

F S 3 
09.10.2006 21:28
Wie wärs, wenn sich DURCHWEGS ALLE werten Poster hier eine SELBSTZENSUR auferlegen würden? -- Keine ad hominem-Attacken! -- KEINE Beschimpfungen od.Verungimpflichungen von Mitpostern…

…Sollte auch in die untenstehenden Regeln explizit aufgenommen werden…

Ich bin nicht auf den Mund gefallen.Trotzdem halte ich mich mit Kraftausdrücken zurück und aus Erfahrung weiß ich, daß eine treffende Antwort auf eine Provokation meistens einen ellenlangen Thread verursacht-der letztendlich zu nichts führt.Weiters habe ich bemerkt,daß es hier Poster gibt,die zwar gerne austeilen,aber umgekehrt nichts einstecken können.


Ich werde also in Zukunft auf solche Provokationen NICHT antworten.

Ich habe auch erst ca.4x einen ROTEN Balken vergeben,weil ich finde,daß wenige Meinungen "unnötig" sind.Beschimpfungen gehören dazu.

Weiters finde ich,daß ein "melden"-Button bloß das bewirkt,was obige Headline propagiert:Die Meinungsfreiheit stirbt…

elmar korinek
09.10.2006 21:21
@Redaktion; A.Pavlov-Meinugsfreiheit

S.g.A.Pavlov, liebe Standard Redaktion!
Welchen Umstand auch immer es zu verdanken war das mein Kommentar auf das Geschreibsel von A.Pavlov zensuriert wurde - immerhin gibt es scheinbar ausgleichende Gerechtigkeit für diesen politisch unbedarften Wirrkopf.
An alle die sich ein Bild über die Vorgänge in Tschtschenien und die Verbrechen beider involvierten Seiten machen will - siehe div.Dokumentationen auf Arte. Über das Internet zu bestellen. Achtung! die gezeigten Bilder und Schilderungen sind sehr hart, aber was dahinter steht an Geschäftemacherei läßt einen angesichts der Brutalität nur ohnmächtig weinen.

Alexei Pavlov 
10.10.2006 07:04
Und wie solche Bilder u.a. entstehen, weiss jeder, der sich je mit dem Thema "Propagandakrieg der gleichgeschalteten natistischen Medien gegen Jugoslawien und Bilderfaelschungen" befasste:

Nie existierte KZs, das wie ein Auschwitz-Haeftling aussehende "Opfer" usw. usf.

Hier ist auch eine interessante Entlarvung (auf Russisch):

http://a-dyukov.livejournal.com/22061.html

Eine Gruppe der russ. Grantier bekam von der US-NGO "IPV News USA" einen Grant und errichtete eine Website, die mit Fotos Verbrechen des Kommunismus belegen sollte. U.a. wurde da ein schreckliches Bild praesentiert,wo tote Haeftlinge abwechselnd mit Holzbalken gestapelt wurden,um spaeter verbrannt zu werden.

Bloed ist nur, das dieses Bild, wie es sich zufaellig herausstellte, von sowjetischen Truppen aufgenommen wurde, die 1944 das Nazi-KZ Klog (44 km von Tallinn) befreiten.

Die Website der NGO:

http://www.gulag.ipvnews.org/article20... 828_04.php

elmar korinek
10.10.2006 13:22
Vergleich sinnentleert

Sie vergleichen Dinge die nicht zueinander passen. Hier staatl.Institutionen die Propaganda machen, da private Dokumentationen unter Lebensgefahr gedreht. Hier ein Plan zur Desinformation, dort vielfache,namentlich dokumentierte Opfer und Zeugen. Geht das in Ihren Kopf nicht rein? Ihr "Natisten"-Ding kuere ich hiermit zum Unwort/-sinn des Forums.

So ein Topfen 
09.10.2006 15:42
ihrem wirren geschreibsel ist zu entnehmen

dass sie nichts interessantes beizutragen haben. menschen, die "die wahrheit" gepachtet haben und allerorten "lügengebäude" orten leiden ohnehin an massloser selbstüberschätzung und einem hohen mangel an analytischem verständnis. wenn sie "die wahrheit" kennen, werden sie pfarrer.

Alexei Pavlov 
09.10.2006 17:29

Das ist wohl die einfaeltigste Ausrede fuer die Zensur, die ich je hoerte: Ihre Meinung wird nicht vertreten, weil "sie nichts interessantes beizutragen haben". Von diesem Vorwand kann sich jede |Diktatur bedienen, und zwar in jedem X-beliebigen Fall

froilein froilein
09.10.2006 16:25
meinen sie damit die frau politkowskaja

"menschen, die "die wahrheit" gepachtet haben und allerorten "lügengebäude" orten leiden ohnehin an massloser selbstüberschätzung und einem hohen mangel an analytischem verständnis."

....oder russlandhassende Poster?

Joe Dalton jun.
09.10.2006 13:20
komisch!!


in russland lebt man gefährlich wenn man gegen putin ist?!?!
wie heisst der nette herr eigentlich der im gefängnis sitzt, schwer reicht, der sich für ein besseres russland einsetzte!?!?

sch.... putin!!

Andrei Tchoubrikov
10.10.2006 11:23

Klar, der Herr hat ja durch harte Arbeit und faire Geschäftspraktiken in Russland eine neue high-tech-Industrie aufgebaut...

frederic heine
09.10.2006 12:18
humans are cruel by nature

Wahre meinungsfreiheit ist in Russland sowie in
Amerika eine Utopia.
Im speziellen wenn es um heikle politische dinge
geht.Kriminale aktionen bei russischer besatzung
in Tschetschnia wie paralelle aktionen bei amerika
in Irak muss vertuscht werden.Der unterschied liegt
nur in der art und weise .Auf der einen seite findet
man die leute ermordet,andernfalls werden sie
verschleppt und in geheimen gefaengnissen gefoltert.

"take your pic humanitarian".

Friedl2111
09.10.2006 12:38
nicht nachvollziehbar

Wo sind Journalisten in US verschleppt worden?! Alles gegen den Irakkrieg und Bush, aber ziehen Sie nicht solche haarsträubenden Vergleiche. Die Putin-Regierung hat bis jetzt nicht Stellung genommen, schüchtert die ansatzweise "freie" Presse ein, ...
In den USA sind Demos, Presse, ... gegen den Irakkrieg möglich in Russland nicht!!!!!

D.Schmid
10.10.2006 10:55
Es handelt

sich z.B.: um die Al-Jazeera Journalisten, die in den USA (Sami Al-Haj) und Israel (Awad Rajoub) eingesperrt sind.

F S 3 
09.10.2006 14:51
Wenn diese "Demos" irgendwas BEWIRKEN würden -…

…wären sie todsicher verboten.

Death Sea
09.10.2006 14:32
Na, jetzt färben sie mal nicht schön

der Wind weht in den USA in die gleiche Richtung, eben auf andere Art und Weise wie obiger poster schreibt."Wenn sie nur könnten wie sie wollten" sähe es unter den Neocons gleich aus wie in Russland.10 tote Journalisten in der 1.Irakkriegswoche,alleine 3 nach dem Beschuß des Journalistenhotels durch US-truppen sprechen ja auch eine eindeutige Sprache.(wieviele bis heute ?) Die meisten Folter/Tötungs-Greueltaten der GIs im Irak/Afghanistan kommen, wenn überhaupt meist nur durch interne Geständnisse und nicht durch Reporter raus.Es sind nur Journalisten bei den Truppen die auch dementsprechend patriotisch unkritisches für CNN ec. zur Lügenberieselung der US-bürger senden.
Eben eine andere Art der Mein.-Unterdrückung,aber sie ist genauso da.

Thbomb
09.10.2006 11:40
And the murders are bloody well....???

Fritz Wunderlich 
09.10.2006 11:09
Darf man im Standard Putin und Schröder nicht mehr kritisieren?

Hat wieder der Verein der Freunde der italienischen Oper zu geschlagen?
Ist Russland nicht eine Diktatur? Wer sind die nächsten? Nicht Massenrepression ist diesmal die Methode, sondern mehr jene auf Individuen gezielte, die die Mutigen vereinzeln lassen, der autoritären Staaten.
China, Russland, Iran, Saudi-Arabien, Singapur, Malaysia, alles Staaten, die Meinungsfreiheit und Menschenrechte besonders schätzen, bei anderen, um sie ihnen als Dekadenz vorzuwerfen.

F S 3 
09.10.2006 12:04
Warum soll man sie nicht kritisieren "dürfen"? Putin hat es immer genossen, sich mit kritischen Journalisten zu messen.

…Lies mal:
http://www.kommersant.com/page.asp?id=622707

Russland ist beileibe KEINE DIKTATUR. Politkowskaja war zwar "mutig", wurde aber auch instrumentalisiert. Beachten sie mal den vielgepriesenen Gorbachew (Miteigentümer v. Annas Zeitung), und wem seine Dienste jetzt gelten. Sein Leben wurde mit hochdotierten Vorträgen und einer golden Card versüßt…

Fritz Wunderlich 
09.10.2006 13:05
Lesen Sie mal

Reporter ohne Grenzen zu Rußland und Putin.

F S 3 
09.10.2006 14:44
Lesen SIE einmal, was ich vor nicht allzulanger Zeit über "Reporter ohne Grenzen" geschrieben habe…

US-Behörde zahlte Castro-kritische Journalisten
http://derstandard.at/?url=/?id=2583859

2.Posting…

Die NGO "Reporter ohne Grenzen" - wird vom Geheimdienst d.US finanziert, wie die Vereinigung dies selbst kürzlich zugeben mußte…

Also werden DIE wohl kaum als Nestbeschmutzer auftreten. Informieren geht über studieren.

Fritz Wunderlich 
10.10.2006 09:25
Jetzt ist es wenigstens

klar, wo Ihre politischen Sympathien liegen.
Einerseits Verschwörungstheorien streuen, andererseits Rußland und Kuba "verstehen" - da gab es einmal eine eigene Abteilung im KGB dafür. Und in den diversen privaten und staatlichen Geheimdiensten Rußland wird sich wohl auch ein Desinformationsjob für Sie finden.

F S 3 
10.10.2006 15:30
Kleine Korrektur: Es ist beileibe weder "klar", noch WIRKLICH SO - sondern maximal IHRE ANSICHT…

…die sie hier von sich geben.

Meine "politischen Sympathien" habe ich hier oftmals klar dargelegt. Ich trete für Steigerung einer persönliche Verantwortung JEDES INDIVIDUUMS ein, für mehr Wissen und möchte dazu anregen, ein aufgeklärteres Weltbild einzunehmen. Im Sinne meiner Absicht ist dies aber die Entscheidung jedes Einzelnen, was er davon halten möge.

Zu diesem Zwecke poste ich hier MEINE Ansichten. Ich bin weder Mitglied irgendeiner Vereinigung, noch betreibe ich "Desinformation". Ich gebe mein Wissen, so gut ich kann, weiter.

Was sie nun daraus herauslesen mögen - ist w.g. - ganz alleine IHRE Sache.

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