"Remember that death is not the end"

16. Oktober 2006, 12:46
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Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Oder warum es jetzt endlich Zeit wäre, dass Österreichs Kicker Bob Dylan hören

"Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben!" Dieser wuchtige Satz gilt komischerweise als Lebensweisheit. In Wahrheit ist es selbstverständlich eine Sterbensweisheit, die einen - wie das Tibetische oder Ägyptische Totenbuch - vor die Frage des gelungenen Hinübergehens stellt.

Die in diesem Satz getroffene Feststellung beinhaltet ja kein Werturteil. Man darf sich also auch ruhig Situationen vorstellen, in denen man vom Wunsch überwältigt wird, sich zu Tode zu fürchten, bevor einen ein anderer, möglicherweise wirklich schrecklicher Tod ereilt.

Das ist nicht nur im Fußball so, aber im Fußball offenbar auch. Und das ist nicht nur gegen Liechtenstein so, aber gegen Liechtenstein offenbar auch. Insgesamt ist das keine Schande. Ganz im Gegenteil. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Sterbeweisen ist das Zu-Tode-Fürchten ein beinahe bewusster Akt, fast ein Selbstmord.

In den kann man allerdings auch getrieben werden. Zum Beispiel durch irrlichterndes Herumdoktern an einer Krankheit, von der die Ärzte zwar wissen, dass man sie hat, über deren Behandlung sie aber nicht nur rätseln, sondern durch die sie sich mittels Versuch und Irrtum hindurchlavieren. Wie die Kicker da von einem so genannten Fitness-Guru gezwungen wurden, vor aller Augen und durch aller Hohngelächter hindurch zu chearleadern - das war schon ein ganz guter Anlass, sich zu entleiben. Aber vielleicht war schon zu diesem Zeitpunkt ohnehin alles ganz anders.

Denn vielleicht war das Match im schönen Vaduz - Vaduz! - nicht der Tod des österreichischen Fußballs aus Angst. Sondern bereits das erste Spiel nach dem Tod. Denn man darf eines nicht vergessen: Wir haben gewonnen! Die Indizien, dass Österreichs Spitzenfußball (das Wort klingt mittlerweile erschreckend nach Spitzentanz) sich bereits im Jenseits befindet, häufen sich jedenfalls.

Kardinaltugenden

So sehr, dass der hier jetzt auf den Tisch gelegte Vorschlag, den englischen Fitness-Guru durch Kardinal Schönborn (gegebenenfalls Kurt Krenn) zu ersetzen, auch nicht mehr sehr heraussticht durch Merkwürdigkeit.

Man sollte nicht vergessen, dass der amtierende Sportstaatssekretär vorschlug, die Kicker durch möglichst spartanische Quartiere zu motivieren. Und der amtierende ÖFB-Generalsekretär, den einzigen nationalen ÖFB-Bewerb, den Cup, durch das Nichts zu ersetzen, um so Zeit zu gewinnen. (Zeit gewinnen? In der Ewigkeit?)

Es soll hier also noch ein Vorschlag gewagt werden (sozusagen weils eh schon wurscht ist): Irgendein Bundesligaklub wird schon zeitgerecht in Konkurs gehen. Der sollte dann von einem neu zu formierenden Verein namens "Team" ersetzt werden, in dem mithilfe der "Industrie" alle Teamkandidaten zusammengefasst werden. So käme Praxis zusammen durch "Wettkampfbedingungen".

Im Jenseits sind eben die Relationen des Diesseits etwas verschoben, die Perspektiven anders. In anderen Bereichen hat Österreich sich längst schon darauf eingestellt. Warum sollte dem Land das nicht auch im Fußball gelingen. Man sollte sich nur vom Diesseits verabschieden. Wenn das nicht gelingt, bliebe einem nur noch das Herumgeistern.

So spitzentanzen Österreichs Kicker in der Pause zu Bob Dylan: "Knock, knock, knockin' on heaven's door." (Wolfgang Weisgram - DER STANDARD PRINTAUSGABE 9.10. 2006)

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    "When the storm clouds gather 'round you, and heavy rains descend/ Just remember that death is not the end"

    (Bob Dylan)

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