Dreier-Allianz MAN/Scania/VW rückt näher

9. Oktober 2006, 19:31
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Pischetsrieder will offenbar Führung nach Zusammenschluss mit MAN und Scania - Aktie von Scania an Stockholmer Börse ausgesetzt

München/Wolfsburg/Stockholm - Ein neuer Lastwagen-Konzern unter Beteiligung von MAN, Volkswagen und Scania rückt nach dpa-Informationen immer näher. Zunächst wolle der MAN-Konzern sein als feindlich eingestuftes Übernahmeangebot für den schwedischen Lkw- Hersteller Scania zurückziehen, hieß es am Sonntag in Aufsichtsratskreisen. MAN werde dies am Montag bekannt geben. Gesucht werden solle dann eine einvernehmliche Lösung zwischen MAN, Scania und VW über eine Nutzfahrzeugallianz.

Ein MAN-Sprecher wollte die Rücknahme des Angebotes nicht bestätigen. MAN hatte 9,6 Mrd. Euro für Scania geboten. Dieses Angebot war aber sowohl vom Scania-Aufsichtsrat als auch von den beiden Scania-Großaktionären VW und Investor als feindlich eingestuft und abgelehnt worden.

Scania-Aktie vom Handel ausgesetz

Die Aktie von Scania ist am Montag Früh vom Handel an der Stockholmer Börse ausgesetzt worden. Am Nachmittag konnten die Papiere dann wieder gehandelt werden.

Die Aussetzung der Aktie nährte die Spekulationen, dass es eine Annäherung im Ringen um eine Dreier-Allianz geben könnte. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") berichtete, der Scania-Verwaltungsrat habe bei seiner Sitzung am Sonntag grundsätzlich vereinbart, offen mit MAN und VW über ein Bündnis zu diskutieren.

Am vergangenen Mittwoch hatte Volkswagen überraschend mitgeteilt, rund 15 Prozent an MAN übernommen zu haben. Zugleich hatte VW erneut für ein Zusammengehen von MAN und Scania unter Einschluss der brasilianischen Lkw-Sparte von VW geworben. VW hatte zugleich bekräftigt, eine vollständige Übernahme von MAN sei nicht beabsichtigt.

Bei der Schaffung einer Nutzfahrzeugallianz zwischen MAN, Scania und VW seien noch viele Fragen zu klären, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Bis es eine Einigung gebe, könne es noch dauern.

Neuordnung der Branche

MAN hatte mit dem Übernahmeangebot für Scania den Anstoß zur Neuordnung der Branche gegeben. Am Freitag hatte der Münchner Konzern Scania freundschaftliche Verhandlungen über die angestrebte Übernahme angeboten. Eine Scania-Sprecherin hatte darauf allerdings zurückhaltend reagiert. Das feindliche Übernahmeangebot liege weiter auf dem Tisch, die Lage habe sich insofern nicht geändert.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, Pischetsrieder habe seinen Plan für die Fusion von Scania, MAN und der VW- Lastwagensparte fertig gestellt. Demnach solle MAN-Chef Hakan Samuelsson zunächst sein ursprüngliches Übernahmeangebot für Scania zurückziehen. Anschließend solle ein Synergieteam eingerichtet werden, das paritätisch besetzt sei mit Vertretern von Scania, MAN und VW. Es solle zügig klären, welche Gemeinschaftsprojekte sofort realisiert werden könnten, ohne dass es zu einer weiteren Verflechtung der drei Unternehmen komme. Später solle aus MAN, Scania und der Lastwagenproduktion von VW ein neuer Konzern entstehen, mit Pischetsrieder als Aufsichtsratschef.

Unterdessen warnte MAN-Konzernbetriebsratschef Lothar Pohlmann vor einer Zerschlagung des Münchner Traditionsunternehmens. "Das werden die Belegschaften nicht zulassen", sagte Pohlmann, der auch stellvertretender MAN-Aufsichtsratsvorsitzender ist, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zugleich drohte er mit einem "Protestmarsch nach Wolfsburg". Im Falle einer Zerschlagung wären Stellen bei MAN in Gefahr, sagte Pohlmann der dpa am Sonntag.

Die IG Metall sprach sich grundsätzlich für ein Dreier-Bündnis zwischen MAN, Scania und der Lastwagen-Sparte von VW aus, warnte aber zugleich vor einer Zerschlagung von MAN. "Wir bewerten das industrielle Konzept positiv, und wir begrüßen auch Volkswagen in diesem Verbund, aber nur, wenn Volkswagen zu allen MAN-Teilkonzernen steht", sagte Thomas Otto, der Vertreter der IG Metall im MAN- Aufsichtsrat, der Tageszeitung "Die Welt" (Montagausgabe). (APA/dpa-AFX)

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