Führungskrise: Chef springt wieder ab

25. Oktober 2006, 18:54
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Konzernchef Christian Streiff hat sich mit der Politik zerstritten und wird von EADS-Co-Chef Louis Gallois abgelöst

Paris - Streiff war erst vor drei Monaten zum Nachfolger des deutschen Airbus-Chefs Gustav Humbert ernannt worden. Der 52-jährige, aus Lothringen stammende Franzose hätte die schwelende Krise um Lieferverzögerungen des Riesen-Airbus A380 lösen sollen. Vergangene Woche legte er einen drastischen Sparplan im Umfang von fast fünf Mrd. Euro vor. Dieser Betrag umfasst auch die zu erwartenden Schadenersatzzahlungen für die nunmehr zweijährige Verspätung beim A380.

Streiff konnte allerdings nicht präzisieren, wie er betriebsintern dreißig Prozent Kosten senken will. Er schloss zwar nicht aus, dass es auch zu Entlassungen kommen dürfte, konnte aber keine Details oder betroffenen Werkstätten nennen. Denn vor allem von französischer wie deutscher Seite scheinen die politischen Widerstände gewaltig. Streiff Absicht, die Fertigung des A380 von Hamburg ganz in die südfranzösische Airbus-Zentrale Toulouse zu verlegen und umgekehrt den erfolgreichen A320 oder den neuen A350 in der Hansestadt produzieren zu lassen, stieß beidseits des Rheins auf vehemente Kritik.

Vom Baustoffkonzern Saint-Gobain zum Flugzeugkonzern gestoßen, fehlte Streiff auch betriebsintern die Rückendeckung. Zuletzt versteifte er sich mehr und mehr und drohte mit der Demission. Dabei legte er sich dem Vernehmen nach mit den meisten Vertretern des Airbus-Mutterhauses EADS an – zuerst mit dem deutschen Ko-Chef Thomas Enders, dem er hierarchisch direkt unterstellt ist, dann aber sogar mit seinem Landsmann Louis Gallois, dem zweiten Chef von EADS.

Exit zu Peugeot?

Dass Streiff so wenig Rücksicht auf persönliche Verluste nahm, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass er seit letzter Woche als Vorstandschef des Peugeot-Citroën-Konzerns PSA im Gespräch ist.

Der französische Premierminister Dominique de Villepin stellte sich zuletzt noch schützend vor Streiff und dementierte die Spekulationen über einen bevorstehenden Rücktritt. Auch der Pariser Wirtschaftsminister Thierry Breton meinte, Streiff solle bis nach den französischen Wahlen in einem halben Jahr im Amt bleiben.

Gleichzeitig versuchte aber die französische Regierung, die 7,5 Prozent des EADS-Kapitals hält, den konzilianteren Gallois als Alternative zu Streiff aufzubauen: Er soll demnach auch die Führung des Unternehmens übernehmen und sich im Tagesgeschäft durch eine rechte Hand sekundieren lassen.

Mit der Personenrochade an der Airbus-Spitze versuchen die Franzosen bereits zum zweiten Mal seit Juli, ihre Interessen in der Luftfahrtindustrie zu verteidigen. Im Juli setzten sie Streiff durch, nachdem ihr damaliger starker Mann Noël Forgeard das EADS-Schiff wegen Insider-Verdachts hatten verlassen müssen. Jetzt wollen sie Gallois als Gegenpol zum Deutschen Enders aufbauen, der aus Pariser Sicht die Fäden im Airbus-Konsortium zieht. Sie werfen Enders Parteilichkeit vor, nachdem sich dieser vor Wirtschaftsminister Michael Glos und Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust ein „Bekenntnis zu Hamburg“ abgelegt hatte.

F gegen D

Streiff selbst äußerte sich aber auch lieber in französischen Medien wie Le Monde zu seinen Abbauplänen. Der französischen Außenminister Philippe Douste-Blazy, der auch dem Großraum Toulouse vorsteht, glänzte auch nicht gerade durch Unparteilichkeit, als er den abtretenden Airbus-Chef zu sich bestellte und ihm bedeutete, er werde "alles tun", dass der A350 in der Pyrenäenstadt produziert werde. Worauf der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung dem Spiegel erklärte, es sei alles – auch ein Einstieg der deutschen Behörden ins EADS-Kapital – zu prüfen, damit sich bei Airbus nicht "alles französisch entwickelt". (Stefan Brändle, Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2006)

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    Christian Streiff hielt sich nur drei Monate an der Airbus-Spitze.

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    Ko-Chef bei EADS, soll auch beim trudelnden Konzern Airbus das Ruder in die Hand nehmen.

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