Schweizer Bundespräsident hält Absetzung von "Idomeneo" für falsch

19. Oktober 2006, 20:30
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Moritz Leuenberger äußert in Interview Verständnis für Papst-Aussagen

Chur/Schweiz - Der Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger hat die jüngste Absetzung der Mozart-Oper "Idomeneo" in Berlin kritisiert. Die Entscheidung, eine Oper nicht aufzuführen, weil sie die religiösen Gefühle der Muslime hätte verletzten können und Racheakte befürchtet wurden, sei falsch gewesen, sagte Leuenberger in einem Interview der Zeitung "Südostschweiz" vom Sonntag. "Man muss den Mut haben, zu unserer Kultur zu stehen", zitierte ihn das Blatt. Dazu gehöre die Meinungsäußerungsfreiheit, die Kultur- und Kunstfreiheit.

Papst-Sager:"Nötiger Beitrag zur Diskussion"

Die Oper werde ja von Menschen besucht, die sich in Kunst und Kultur auskennten und eine solche Inszenierung emanzipiert würdigen könnten. Für Leuenberger ist auch klar, dass Papst Benedikt XVI. seine umstrittenen Äußerungen zum Islam machen durfte. "Ich glaube sogar, dass dies ein nötiger Beitrag zur Diskussion war", erklärte er. Eigentlich habe der Papst eine Vorlesung vor theologisch interessierten Menschen gehalten. Dann sei nur gerade diese Äußerung an die Öffentlichkeit gezerrt worden, ohne jede Einbettung. "So stand das Zitat völlig nackt im Scheinwerferlicht und war einem großen Entweder-oder-Geschrei ausgeliefert", sagte Leuenberger.

Angst vor terroristischen Anschlägen

Der Schweizer Bundespräsident warf auch die Frage auf, ob die These überhaupt stimme, dass im Westen die Angst vor dem Islam wachse. "Da bin ich nicht so sicher", sagte er der Zeitung zufolge. Natürlich sei die Angst vor terroristischen Anschlägen da. Es sei Aufgabe der Politiker, das Land davor zu schützen. Das sei nichts weiter als normal. Und natürlich werde über die Lage im Nahen Osten und über den Fanatismus, der sich auf den Islam berufe, diskutiert. "Aber der hat nichts mit jenen Moslems zu tun, mit denen wir in der Schweiz seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben."(APA/AP)

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