"Pu der Bär" feiert 80. Geburtstag

8. Oktober 2006, 12:23
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So alt wie die Queen, nur kuscheliger

London - Er ist so alt wie die britische Königin, nur viel kuscheliger. In Hollywood hat er als einziger Teddybär einen Stern auf dem "Walk of Fame". Und sein 80. Geburtstag wurde noch länger gefeiert als jener der Queen, fast zehn Monate lang. Seinen Höhepunkt erreicht das Jubiläumsjahr jedoch erst am kommenden Samstag, denn am 14. Oktober 1926 erschien "Winnie-The-Pooh" alias "Pu der Bär" das erste Mal als Buch.

Schöpfer Alan Alexander Milne

Gleich im ersten Kapitel ("In welchem wir Winnie-dem-Pu und einigen Bienen vorgestellt werden und die Geschichten beginnen") machte sein Schöpfer Alan Alexander Milne (1882-1956) klar, mit was für einem Burschen die Leser es fortan zu tun haben würden: Ein wenig schwer von Begriff - wie manche Kinder, wenn sie ins Bett gehen und rasch einschlafen sollen -, oft tollpatschig, grenzenlos gutmütig und stets versessen auf Süßes, am liebsten natürlich Honig.

Ganz genau genommen ist Pu sogar noch ein wenig älter als die 80-jährige Königin, die übrigens zu seinen Fans gehört und ihm zum Geburtstag sogar ihre Hof-Fotografin für ein offizielles Porträt auslieh. Schon in einem Gedicht von A.A. Milne für seinen 1920 geborenen Sohn Christopher Robin, das 1924 erschien, betrat er als Bär Pu die literarische Bühne.

Geburtsstunde Heiligabend 1925

Davon nahmen aber nur wenige Notiz. Als eigentliche Geburtsstunde gilt vielen Pu-ologen Heiligabend 1925. Damals brachten Londoner Familienväter mit der Zeitung "Evening News" auch die erste veröffentlichte Geschichte über "Winnie-The-Pooh" mit nach Hause.

"Seitdem hat er Generationen begeistert, hat unendlich vielen Kindern Freude und Trost gespendet und einen riesigen Freundeskreis in der ganzen Welt gefunden", sagt die britische Pu-Expertin Cindy Rose von Walt Disney. Der amerikanische Entertainment-Riese, dem längst die Vermarktungsrechte an der Figur gehören, hat den Pu-Geburtstag mit sich über Monate hinziehenden "Events" inszeniert.

Nur Micky Maus macht größeren Umsatz

Dazu gehörte die Stern-Verleihung in Hollywood. Immerhin: Nur Micky Maus macht bei Disney mit Büchern, Spielen und Stofftieren einen deutlich größeren Umsatz als der englische Teddy. Seit 1926 in London der erste Band über den kleinen Petz erschien, sind weltweit mehr als 30 Millionen Pu-Bücher verkauft worden. Seine Abenteuer im "Hundert-Morgen-Wald" konnten und können Kinder und Eltern in mehr als 40 Sprachen nach- beziehungsweise vorlesen.

Dabei sind die kleinen Abenteuer, die Pu und seine Freunde Ferkel, Tigger, Kaninchen, I-Aah, Kanga und natürlich der Christopher Robin erleben, eher unspektakulär. Kinderpsychologen sehen das Rezept für den Erfolg vor allem darin, dass die Schrullen der knuddeligen Figuren Kindern helfen, mit eigenen Charakter- und Stimmungsunebenheiten fertig zu werden.

So ist die Furcht vor Unbekanntem und vor eingebildeten Gefahren, mit denen Ferkel seine Freunde nervt, ebenso aus dem Leben gegriffen wie Tiggers Eitelkeit oder das vorlaute Getute von Kaninchen und die Niedergeschlagenheit von I-Aah. Zur Pu-Faszination trugen auch die herrlichen Illustrationen von Ernest Shepard bei. Die Vorlage für seine Pu-Zeichnungen war der alte Familienteddy der Shepards. Milne hatte den Illustrator kennen gelernt, als er vierundzwanzigjährig Redaktionsassistent der Londoner Satire-Zeitschrift "Punch" wurde.

"Hundert-Morgen-Wald"

Ganz große Pu-Fans sammeln nicht nur die Bücher und Figuren, sondern organisieren auch Wanderungen durch den "Hundert-Morgen-Wald" (Ashwood Forest) in der südenglischen Grafschaft East Sussex. Familie Milne besaß dort ein Landhäuschen. Als Heiligtum gilt Fans die vor einigen Jahren renovierte alte Holzbrücke, von der aus Pu und Christopher Robin "Pooh sticks" (Baumzweige) ins Wasser warfen.

Den Namen Winnie soll Milne von einem Bärenjungen im Londoner Zoo geborgt haben, das damals so getauft worden war. Wie es mit dem Zusatz Pu "wirklich" gewesen sein könnte, stellte sich Harry Rowohlt, der 1987 eine hoch gelobte Neuübersetzung anfertigte, so vor: Eines Tages luden Milnes Freunde Keats und Chapman ihn auf ein "gepflegtes Bierchen" ein. Der Autor lehnte ab. Er habe keine Zeit, denn er müsse einen Namen für einen Bären finden. Den weiteren Verlauf schilderte Rowohlt so: ""Na dann eben nicht", sagte Keats. "Wer nicht will der hat schon", sagte Chapman. "Puh!", rief Keats. "Genau", sagte Milne."(APA/dpa)

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