Interview: "Keine bittere Träne"

18. Oktober 2006, 10:50
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Michael Schumacher hat seinen Ausfall in Suzuka bereits verdaut und glaubt nicht mehr an den Titel - ein Interview

Wie haben Sie die 37. Runde erlebt?
Michael Schumacher: "So wie alle anderen auch. Der Motor hat nachgelassen und sich letzten Endes in Rauch aufgelöst."

Hat sich das irgendwie angedeutet?
Michael Schumacher: "Nein."

Was ging Ihnen in dem Moment durch den Kopf, als der Motor platzte?
Michael Schumacher: "Mir war sofort klar, was passierte. Es ist eine kühle Rechnung, die einem durch den Kopf geht: Ausfall, zehn Punkte weg, damit im Prinzip die Meisterschaft entschieden. Natürlich ist man schon enttäuscht."

Es war Ihr 50. Ausfall im 249. Rennen. War es auch der bitterste?
Michael Schumacher: "Nein, mit Sicherheit nicht. Wir haben schließlich eine Meisterschaft wieder zum Leben gebracht, die schon entschieden schien."

In den vergangenen Jahren haben Sie immer betont, dass Sie so lange kämpfen, wie eine rechnerische Möglichkeit besteht. Die gibt es nun noch, wenn Fernando Alonso in Brasilien ausfällt oder ohne Punkte bleibt und Sie gewinnen.
Michael Schumacher: "Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht mehr an die Meisterschaft. Ein Punkt reicht Fernando, und das heißt im Großen und Ganzen für ihn spazieren fahren und alles schonen. Davon auszugehen, dass jemand einen Ausfall hat, und darauf einen Gewinn zu planen, ist nicht die Basis, auf die ich aufbauen möchte. Der Funke Hoffnung, der noch bleibt, auf den baue ich nicht. Aber der Konstrukteurstitel ist noch theoretisch drin für uns. Doch auch da muss bei neun Punkten Rückstand mehr passieren als normal."

Das klingt sehr nüchtern. Wie lange brauchen Sie, um diese Situation zu verdauen?
Michael Schumacher: "Ich habe das schon verdaut. Ich weiß, dass es danach keine Möglichkeit mehr für mich gibt. Aber wir haben so viel zusammen erreicht. Darauf dürfen wir stolz sein. Es gibt keinen Vorwurf. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn es nicht klappt, geht die Welt nicht unter."

Hat dieser Rennausgang Ihre Liebe zur Formel 1 dennoch vielleicht ein bisschen getrübt?
Michael Schumacher: "Diese Situation ist ganz einfach Racing. Wir sind in einer Meisterschaft, in der wir mit Prototypen fahren. Da kann so etwas passieren. Ich muss daher keine bittere Träne vergießen. Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen. Wie langweilig wäre es, wenn es immer nur schön wäre." (APA/dpa)

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    "Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht mehr an die Meisterschaft."

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