Tauwetter Peking - Tokio

19. Oktober 2006, 15:33
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Japans Regierungschef in China - China: "Wendepunkt" - "Zutiefst besorgt" über Nordkoreas Atom-Drohung

Peking - China hat den Besuch des neuen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe als einen Wendepunkt in den Beziehungen beider Länder gelobt. Chinas Präsident Hu Jintua äußerte der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge am Sonntag zudem die Hoffnung, dass sich die Beziehungen nun auch künftig verbessern würden. Es war der erste Auslandsbesuch Abes als Regierungschef.

Dem japanischen Fernsehen zufolge nahm die chinesische Führung eine Gegeneinladung nach Japan grundsätzlich an. Bisher hatten China und auch Südkorea Treffen mit Abes Vorgänger Junichiro Koizumi gemieden, weil dieser jährlich ein umstrittenes Weltkriegsdenkmal besuchte.

Yasukuni-Schrein

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao forderte Abe auf, die Frage des Yasukuni-Schreins angemessen zu behandeln. So sollten politische Hindernisse ausgeräumt werden, die die bilateralen Beziehungen belastet hätten, sagte Wen dem staatlichen Rundfunk zufolge bei seinem Treffen mit Abe. Im Yasukuni-Schrein werden auch Kriegsverbrecher geehrt, weshalb das Denkmal bei den ehemaligen japanischen Kriegsgegnern China und Südkorea als Symbol für Japans Militarismus gilt.

Abe hatte bei seinem Amtsantritt Ende September die Verbesserung der Beziehungen zu China und Südkorea zu einem seiner wichtigsten Anliegen erklärt. Er selbst hatte den Schrein zuvor aber ebenfalls aufgesucht und auch die Besuche seines Vorgängers verteidigt. Abe hat bisher jedoch offen gelassen, ob er als Ministerpräsident an dieser Tradition festhalten wolle. Der 52-jährige Abe ist der erste japanische Regierungschef, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde.

Das japanische Fernsehen zeigte Abe und Präsident Hu, wie sich lächelnd die Hände schüttelten. Es sei im Interesse des japanischen und chinesischen Volkes, die Beziehungen beider Länder zu verbessern, sagte Hu. Abe erwiderte, er wolle ein Vertrauensverhältnis zur chinesischen Führung aufbauen.

Nordkorea-Krise

In japanischen Regierungskreisen hieß es, Abe wolle China zu einer engere Kooperation im Umgang mit Nordkorea auffordern. Nordkorea hatte in der vergangenen Woche einen Atomwaffentest angekündigt. Wie auch die USA fordert Japan verschärfte Sanktionen gegen die kommunistische Führung in Pjöngjang, sollte diese ihre Pläne umsetzen. China und Südkorea dagegen plädieren für einen weniger harten Kurs und eine Verhandlungslösung. Am Montag sollte Abe nach Südkorea weiterreisen, um dort mit Präsident Roh Moo Hyun zusammenzukommen.

China und Japan haben am Sonntag ihre Sorge über die Atom-Drohungen Nordkoreas zum Ausdruck gebracht. Beide Länder seien "zutiefst besorgt" über die jüngste Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel, "die Frage der atomaren Versuche eingeschlossen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung beider Regierungen. (APA/AFP)

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    Chinas Präsident Hu Jintua empfing den neuen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe.

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