FIDESZ-Vize spricht auf Demonstration

16. Oktober 2006, 08:46
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Janos Ader: "Gyurcsany muss wegen seiner Lügen vor Gericht" - 15.000 bis 50.000 bei Kundgebung vor Parlament

Budapest - In Budapest haben am Samstagabend erneut mehrere zehntausend Anhänger der rechtsnationalen Opposition den Rücktritt des sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany verlangt, der seit drei Wochen wegen des so genannten Lügenskandals unter Druck steht. Nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI zogen etwa 50.000 Menschen vor das Parlament. Nach anderen Quellen waren es nur 15.000. Am Freitag hatten sich zu einer Rede des Oppositionsführers Viktor Orban etwa 100.000 Demonstranten am Kossuthplatz eingefunden.

Der konservative Bürgerbund hatte sich erst am Freitag offen den Protesten angeschlossen, die bereits am 17. September begannen. Die Partei kündigte jetzt tägliche Demonstrationen solange an, bis der Regierungschef zurücktritt. Auf der Kundgebung am Samstag sprach der Vizefraktionsvorsitzende der Oppositionspartei FIDESZ, Janos Ader, zu den Demonstranten. Orban trat wie angekündigt nicht in Erscheinung. Ader verlangte unter anderem, dass Gyurcsany wegen seiner "Lügen" vor Gericht gestellt werde.

Sozialisten: "Seifenoper mit 163 Folgen"

In Budapest habe am Freitag eine "Seifenoper" mit 163 Folgen begonnen,erklärte der Sprecher der regierenden Sozialisten (MSZP), Istvan Nyako. Wie die Ungarische Nachrichtenagentur MTI weiter zitierte, sei diese "Soap Opera" bereits am Samstag "langweilig" geworden.

Nyako sprach deswegen von 163 Folgen, da der Vorsitzende des rechtskonservativen oppositionellen FIDESZ-Ungarischer Bürgerverband, Viktor Orban, am Freitag auf der Massenkundgebung seiner Partei auf dem Kossuth-Platz erklärte, dass alle 163 FIDESZ-Parlamentsabgeordnete der Reihe nach täglich von 17.00 bis 18.00 Uhr vor dem Parlament auftreten und den Rücktritt des Premiers Ferenc Gyurcsany fordern würden.

Schmalzbrote und Tee sind nicht mehr gratis

Auf dem Kossuth-Platz hielten sich nach 21.00 Uhr kaum noch tausend Personen auf, berichtet MTI. Dabei ist die Demonstration auf dem Platz unter "geschäftlichen Aspekten" erfolgreich. Die Stände erzielen täglich mehrere hunderttausend Forint Umsatz, indem sie Fahnen, T-Shirts, Hot-Dogs, Palatschinken und Getränke verkaufen. Gezahlt werden muss laut MTI bereits auch für Schmalzbrote und Tee, die früher kostenlos verteilt wurden oder für die Nutzung der WC-Anlagen.

Laut MTI erklärten mehrere Personen, die den Platz verließen, die Demonstration, die den Rücktritt des Premiers fordert, habe eine "andere Richtung" genommen. Nicht mehr spürbar seien "Zusammenhalt und Geist", die in den ersten Tagen spürbar waren. Aus dem Grunde würden viele Menschen nicht mehr auf dem Platze erscheinen und sich die Ereignisse daheim im TV ansehen. Von Tag zu Tag würden daher immer weniger Menschen am Abend auf dem Kossuth-Platz bleiben.

Vor drei Wochen war eine parteiinterne Rede Gyurcsanys veröffentlicht worden, in der er eingeräumt hatte, das Volk bezüglich der Wirtschaftslage belogen zu haben, um die Parlamentswahl im April 2006 zu gewinnen. Ein Tonbandmitschnitt der Rede gelangte an die Öffentlichkeit. Der Vorfall löste eine immer noch andauernde innenpolitische Krise mit zeitweise gewaltsamen Massenprotesten aus.

Gyurcsany hatte am Freitag im Parlament die Vertrauensfrage gestellt und war erwartungsgemäß mit 207 zu 165 Stimmen im Amt bestätigt worden. (APA/dpa/AP)

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    Der konservative Bürgerbund kündigte tägliche Demonstrationen, bis Ministerpräsident Gyurcsany zurücktritt.

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