Studie: Grobe Management- und Organisationsfehler bei Airbus

25. Oktober 2006, 18:54
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"Focus" zitiert Studie - Abzug aus Hamburg kostet 700 Millionen - Recresszahlungen vertraglich festgelegt

München/Hamburg - Als Grund für die Unternehmenskrise werden in einer Studie - so das Nachrichtenmagazin "Focus" - grobe Managementfehler und eklatante Organisationspannen benannt. Besonders beim Großprojekt A380 sei das Missmanagement offenkundig gewesen, zitiert das Münchner Magazin in seiner neuen Ausgabe aus der Studie. Die Chefetagen in Toulouse und Hamburg hätten von Problemen nichts wissen, sondern nur Erfolgsmeldungen hören wollen, sagte ein EADS-Manager. DGB-Chef Michael Sommer forderte unterdessen, bei der Schließung von deutschen Airbus-Standorten müsse die Politik von Airbus die Rückerstattung staatlicher Subventionen verlangen.

Der Flugzeughersteller Airbus müsste bei einem Abzug der A380-Endmontage aus Hamburg nach einen "Focus"-Bericht bis zu 700 Millionen Euro Regresszahlungen leisten. Das gehe aus einem Vertrag vom 9. Juli 2004 hervor, den Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) und Airbus-Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken unterzeichnet haben, berichtet der "Focus" in seiner jüngsten Ausgabe. In dem Vertrag verpflichtete sich der Konzern, bei Vertragsbruch der Stadt ihre Investitionen in die Airbus-Werkserweiterung für den A380 zu ersetzen. Schon bei einer Verlagerung des Auslieferungszentrums für den A380 könnte Hamburg demnach rund 100 Millionen Euro einfordern.

Seit Jahren sei die Unternehmenskultur bei dem Flugzeughersteller von einem Klima der Angst und des Misstrauens geprägt, heißt es laut "Focus" in dem Untersuchungsbericht. So sei auch hinsichtlich der Probleme mit dem Super-Jumbo A380 ein "Kartell des Totschweigens" entstanden. Die komplexen Verkabelungsprobleme aber, welche die Produktion des größten Passagierflugzeugs der Welt massiv ins Stocken geraten ließen, seien bis heute nicht behoben.

Die wiederholte Verschiebung der Auslieferung des A380 hat Befürchtungen geweckt, dass es zu einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen kommen könnte. EADS-Ko-Chef Thomas Enders bekannte sich zwar unlängst zum Standort Hamburg, vermied aber konkrete Aussagen zum möglichen Stellenabbau. DGB-Chef Sommer sagte dazu der "Bild am Sonntag", die Politik habe die "moralische und rechtliche Verpflichtung", von dem Flugzeugbauer die Rückzahlung von Staatsgeldern zu verlangen, wenn es zu Standortschließungen komme.

Nach Informationen des "Spiegel" befürwortet Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) einen Einstieg des deutschen Staates bei EADS. Zwar sei er prinzipiell gegen die staatliche Beteiligung an Unternehmen, doch im Falle des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns sei die Lage anders, zitierte das Magazin den Minister. Es müsse verhindert werden, dass sich bei EADS "alles französisch entwickelt." Das Verteidigungsministerium ist als Abnehmer des Eurofighters sowie des geplanten Militärtransporters A400M einer der größten Kunden des Konzerns.

Der französische Staat ist mit 15 Prozent an EADS beteiligt, der deutsche Staat dagegen nicht. Deswegen hatte sich schon in den vergangenen Tagen eine Debatte darüber entwickelt, ob die Bundesregierung über die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei EADS einsteigen könnte, um den deutschen Einfluss auf den künftigen Kurs des Konzerns zu sichern. (APA)

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