Nordkorea zieht UNO-Diplomaten ab

9. Oktober 2006, 14:47
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Pjöngjang verbietet laut Zeitungsberichten Diplomatie mit den USA - Schüsse an innerkoreanischer Grenze

New York - An der Waffenstillstandslinie zwischen den beiden koreanischen Staaten ist es am Samstag zu einem Zwischenfall gekommen. Südkoreanische Soldaten feuerten nach eigenen Angaben Warnschüsse ab, als fünf nordkoreanische Soldaten kurzzeitig die Grenze überschritten. Die Nordkoreaner hätten die Demarkationslinie trotz Lautsprecher-Warnungen überquert und seien bis zu den Warnschüssen etwa 30 Meter weit vorgedrungen. Ihre Absicht sei unklar. Verletzt worden sei niemand.

Zuletzt wurde ein ähnlicher Vorfall Ende Mai bekannt. Die Waffenstillstandslinie von 1953 trennt die beiden Staaten seit dem Ende dreijährigen Korea-Krieges. Die weitgehend isolierte kommunistische Führung in Pjöngjang hatte am Dienstag erstmals einen Atomwaffentest angekündigt, nannte aber keinen konkreten Zeitpunkt dafür. Die Regierung begründete ihre Entscheidung mit einer wachsenden Bedrohung durch die USA.

Sicherheitsrat warnt vor Test

Am Freitag hatte der UN-Sicherheitsrat Nordkorea eindringlich vor einem Atomwaffentest gewarnt. Sollte das Land seine Pläne dennoch vorantreiben, werde es Konsequenzen geben, hieß es in einer einstimmig verabschiedeten Erklärung, die von Japan eingebracht worden war. In welcher Form der Sicherheitsrat auf einen Atomtest reagieren würde, blieb unklar.

UNO-Botschafter abgezogen

Einem Zeitungsbericht vom Samstag zufolge berief Nordkorea indes seinen für Kontakte mit den USA zuständigen Diplomaten bei den Vereinten Nationen ab. Die japanische Zeitung "Mainichi Shimbun" berichtete, der stellvertretende UN-Botschafter Nordkoreas, Han Song Ryol, könnte schon Anfang der Woche nach Nordkorea zurückkehren und sein Posten werde möglicherweise nicht wieder besetzt.

In einem Korrespondenten-Bericht aus Washington berief sich das Blatt auf nicht näher genannte amerikanische und nordkoreanische Kreise. Anscheinend habe die Regierung in Pjöngjang die Anordnung erteilt, die diplomatischen Kontakte zu den USA zu verbieten. Allerdings könnte ein anderer Diplomat mit Erfahrungen im Umgang mit den USA als Berater an den UN-Sitz nach New York entsandt werden. Details wurden nicht genannt.

Ein nordkoreanischer Atomtest galt in US-Kreisen noch am Wochenende für möglich. In chinesischen Kreisen wurde am Freitag davon ausgegangen, dass die Versuchszündung in einem stillgelegten Bergwerk vorbereitet wird. Beobachter vermuten, dass Nordkorea genug spaltbares Material für sechs bis acht Atombomben hat. Wahrscheinlich fehlt dem asiatischen Land aber die Technologie, um so kleine Bomben zu bauen, dass sie auf Trägerraketen montiert werden können. (APA/Reuters)

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