ORF-Chef gegen fixe "ZiB"-Kultur

3. November 2006, 10:32
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Wrabetz: "Nach journalistischen Kriterien richten", aber "keinesfalls weniger Kultur" - Gebührenerhöhung unter Inflationsrate angepeilt

Verpflichtende Kulturbeiträge in der "Zeit im Bild 1" soll es im Rahmen der geplanten ORF-Programmreform nicht mehr geben, kündigte der künftige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im Interview mit der "Wiener Zeitung" an. "Die Kulturberichterstattung wird sich künftig nach journalistischen Kriterien zu richten haben", so Wrabetz. Ankündigungsmeldungen zu Kulturveranstaltungen könnten in eigenen Programmen entwickelt werden.

Journalistisch vorgehen

"Wenn es die Absetzung des Idomeneo in Berlin ist, kann das sogar die Top-Meldung sein. Aber wenn einmal gar nichts los ist, sollte man journalistisch vorgehen können", kann sich Wrabetz demnach auch eine "Zeit im Bild 1" ganz ohne Kulturbeitrag vorstellen.

"Keinesfalls weniger Kultur

Es werde "keinesfalls zu weniger Kultur in der ZiB kommen", so Wrabetz am Samstag in einer Aussendung. "Die Kultur ist und bleibt ein integraler Bestandteil der Berichterstattung der ZiB 1."

Bei der Neugestaltung der Nachrichtensendung würden Überlegungen, wie Kulturberichterstattung optimal in den Ablauf einzubinden sei, ausschließlich nach programmlichen und journalistischen Gesichtspunkten getroffen. Dasselbe gelte auch für andere entsprechende ORF-Sendungen wie das "Morgenjournal" im Radio.

Wirtschaft "starker Ausschaltfaktor"

Seine Aussagen zur Wirtschaftsberichterstattung hätten sich ausschließlich auf "Überlegungen im Magazinbereich" bezogen, so Wrabetz in der Aussendung. Wirtschaft sei trotz der spannenden und anspruchsvollen Themenstellung ein "starker Ausschaltfaktor für breite Teile der Bevölkerung, daher muss man ständig suchen, wie man sie spannend macht", wird Wrabetz im Interview mit der "Wiener Zeitung" zitiert. Einen "Linksruck" in der ORF-Fernsehinformation werde es "natürlich nicht" geben.

"Strikter Sparkurs"

Von einer künftigen Regierung wünscht sich der gewählte ORF-Chef eine Evaluierung der ORF-Werbebestimmungen sowie die gesetzlichen Grundlagen für die Etablierung eines digitialen Informations- und Kulturkanals. Auch in der neuen Geschäftsführungsperiode werde "ein sehr strikter Sparkurs in allen Bereichen notwendig sein". Eine Erhöhung der Rundfunkgebühren schließt Wrabetz nach geschlagener ORF- und Nationalratswahl nicht mehr aus.

Gebührenerhöhung unter Inflationsrate

Zwar sei für nächstes Jahr nichts vorgesehen, aber Ziel sei es, "auch in dieser Geschäftsführungsperiode in Summe die Gebühren unter der Inflation anzupassen, sodass es real sogar zu einer Senkung kommt". (APA/fid)

  • Wrabetz: "Die Kulturberichterstattung wird sich künftig nach journalistischen Kriterien zu richten haben."
    foto: orf/andreas friess

    Wrabetz: "Die Kulturberichterstattung wird sich künftig nach journalistischen Kriterien zu richten haben."

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