Die Waage neigt sich nach Rot

18. Oktober 2006, 10:51
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Ferrari dominierte das Qualifying in Suzuka, Massa fährt vor Michael Schumacher auf Pole Position - Weltmeister Alonso nur Fünfter

Suzuka - Ferrari hat am Samstag das Qualifying für den Formel-1-Grand-Prix von Japan dominiert. Felipe Massa sichert sich auf der 5,807 km langen Rennstrecke in Suzuka in 1:29,599 Minuten vor Michael Schumacher (+0,112) die zweite Pole Position seiner Karriere. Weltmeister Fernando Alonso (+0,772), der in der WM auf Grund der geringen Anzahl an Siegen (6:7) hinter dem punktegleichen Rekordchampion Schumacher an zweiter Stelle liegt, kam im Renault unmittelbar vor seinem Teamkollegen Giancarlo Fisichella (+1,00) nicht über Rang fünf hinaus.

Toyota im Sandwich

Zwischen den Ferrari- und Renault-Boliden bilden die Toyota-Fahrer Ralf Schumacher (+0,390) und Jarno Trulli +0,440) die zweite Reihe. Diese "Pufferzone" erfreute vor allem Michael Schumacher. "Die erste Reihe ist eine gute Ausgangsposition. Toyota in der zweiten, Renault in der dritten - das kann für das Rennen wichtig sein", meinte der siebenfache Weltmeister, der bereits nach dem Rennen am Sonntag (Start: 07:00 Uhr/live ORF1, RTL und Premiere) als Champion feststehen könnte, sofern er gewinnen und Alonso ohne Punkt bleiben sollte.

"Bis jetzt ist das Wochenende großartig gelaufen. Im Trockenen haben wir beide konstante Leistungen gezeigt, waren extrem schnell unterwegs. Es schaut alles recht positiv aus. Ob wir es auch im Rennen umsetzen können, wird sich zeigen", lautete das zufriedene und doch etwas zurückhaltende Resümee von Schumacher.

Euphorischer Leutnant

Der Kommentar von Massa, der Ende August seine bisher einzige Pole zum Sieg in der Türkei genutzt hatte, fiel da viel euphorischer aus. "Das Qualifying ist fantastisch gelaufen, vor allem die Reifen sind großartig gelaufen. Und ich bin mir sicher, im Rennen werden wir noch stärker sein", posaunte der Brasilianer, um dann auch noch einmal eine unmissverständliche Kampfansage Richtung Renault loszulassen: "Wir wollen beide WM-Titel holen." In der Konstrukteurswertung liegt Renault vor dem 17. und vorletzten WM-Lauf noch einen Zähler vor Ferrari.

Alonso nahm Platz fünf überraschend gelassen hin, selbst eine strittige Situation mit Massa brachte ihn nicht aus der Fassung. "Er hat mich blockiert, sicherlich schlimmer als ich ihn in Monza blockiert habe", erklärte er und erinnerte dabei an das Qualifying für den Italien-GP am 9. September. Damals war Alonso wegen Behinderung von Massa in der Startaufstellung um zehn Plätze zurückversetzt worden.

Weniger souverän dagegen Renault-Teamchef Flavio Briatore. "Er ist ein Kind, ein kleines Kind. Klein in jeder Hinsicht", biezelte Italiener wegen des Verhaltens von Massa und den Vorfall dem FIA-Renndirektor zu melden. "Felipe hat Fernando gebremst. Wir werden mit Charlie Whiting darüber reden, auch wenn wir wissen, dass es nichts bringt. Denn wir alle kennen die Antwort ja jetzt schon", warf Briatore der FIA zwischen den Zeilen wieder einmal vor, Ferrari zu bevorzugen.

McLaren und Red Bull immer schwächer

Der Rennstall macht im Moment schwere Zeiten durch. Während an der Spitze zwischen den Roten und den Blauen der Titelkampf tobt, schaut es für die Silbernen in Japan zappenduster aus. Weder Kimi Räikkönen (11.) noch Pedro de la Rosa (13.) schafften den Sprung in die dritte und letzte Qualifying-Session der Top Ten.

"Die Bridgestone-Teams sind hier zwar im Vorteil, wie die beiden ersten Startreihen mit Ferrari und Toyota zeigen, doch unser Anspruch ist es zumindest bestes Michelin-Team zu sein, das haben wir nicht geschafft", gestand Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die schwere Niederlage ein. Damit droht McLaren-Mercedes die erste sieglose Saison seit 1996.

Katastrophal verlief das Qualifying auch für die Red-Bull-Teams Vitantonio Liuzzi von der Scuderia Toro Rosso war als 15. der einzige, der den Aufstieg in die zweite Quali-Session schaffte. Das Trio David Coulthard, Robert Doornbos (beide Red Bull Ferrari) und Scott Speed (Toro Rosso) folgte erst hinter dem niederländischen Midland-Piloten Christijan Albers geschlossen auf den Rängen 17 bis 19.

"Wir haben Probleme mit dem Grip, auf Hochgeschwindigkeits-Strecken wie diesem fehlt es uns an Effizienz", erklärte Coulthard, der auch bereits ein erstes Saisonresümee zog: "Wir hatten einen schlechten Start, von dem wir uns die ganze Saison nicht wirklich erholt haben. Das ist eine große Enttäuschung." (APA)

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    Michael Schumacher blieb nach dem Qualifying zurückhaltend, doch es lässt sich schon sehr verheißungsvoll an, für ihn und Ferrari.

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