Feilschen um Gehälter beginnt

11. Oktober 2006, 13:21
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KV-Verhandlungen starten am 19. Oktober - GPA-Bereichssekretär Wolf: "Es gibt was zu verteilen"

Wien - "Österreichs Handel erlebt ein Frühlingserwachen", sagt Manfred Wolf, Bereichssekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). "Es gibt heuer etwas zu verteilen."

Am 19. Oktober starten KV-Verhandlungen für die Handelsangestellten, und das Säbelrasseln im Vorfeld ist eröffnet. Wolf werde den Werbespruch der Wirtschaftskammer - "geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut" - beim Wort nehmen. Konkret: "Eine reine Inflationsabgeltung ist uns zu wenig."

Im Forderungspaket findet sich viel Altbekanntes. Die GPA will eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit von 38,5 auf 38 Stunden. Wolf: "Die Industrie kann sich 38 Stunden leisten, warum nicht auch der Handel?" Auch die zuschlagsfreie Mehrarbeit müsse endlich wegfallen. Fritz Aichinger, Verhandler auf der Arbeitgeberseite, kann dem nichts abgewinnen. "Der Handel hält in der Woche 55 bis 66 Stunden offen. Unsere Betriebe brauchen die Möglichkeit, Spitzen auszugleichen."

"Teilzeit ist Sackgasse"

Heißes Thema wird die Teilzeitarbeit. Der Anteil an Beschäftigten, die von ihren Gehältern nicht leben können, steigt, sagt Wolf. Teilzeit sei eine Sackgasse, die Chance, in höherwertigere Beschäftigungen zu wechseln, gering. Betroffen seien vor allem Frauen.

Dorn im Auge sind der Gewerkschaft dabei vor allem regelmäßige Überstunden. Ihre Forderung: Arbeiten Mitarbeiter über ein Jahr konstant mehr als vertraglich vereinbart, müsse ihnen der Arbeitgeber einen Vertrag mit höherer Stundenzahl bieten. Und geht es nach der GPA, sind Teilzeitjobs auf täglich zumindest vier zusammenhängende Stunden festzulegen. Aichinger lehnt das entschieden ab. "Rasenmäher-Methoden kommen nicht infrage."

Fix am Wunschzettel bleibt das Thema Lehrlinge: Arbeitgeber sollen ihre Internatsberufsschulkosten voll übernehmen. "Der Handel brüstet sich mit Lehrlingsrekorden", sagt Wolf. Tatsächlich habe sich die Zahl der Lehrlinge seit 1985 halbiert. Den Vorwurf, Arbeitgeber seien Dogmatiker, weist Aichinger scharf zurück. "Wir picken uns heuer einige Themen heraus und gehen sie ernsthaft an." "Ein bisschen richtig" sei, dass es im Handel bergauf gehe. "Wir werden einen passablen Abschluss finden, bei dem wir uns alle ins Gesicht schauen können." (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.10.2006)

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