Berlin sorgt sich um Militärtransporter

25. Oktober 2006, 18:54
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Airbus kann Transporter A400M an die deutsche Bundeswehr nicht ausliefern - Betriebsrat droht mit Widerstand

Die Airbuskrise hat auch das deutsche Verteidigungsministerium alarmiert. Denn laut der Tageszeitung Welt kann Airbus auch den Militärtransporter A400M nicht ausliefern. Die Bundeswehr soll die Maschinen, deren großes Gewicht die Triebwerke zu sehr belastet, nicht wie geplant 2010, sondern erst 2012 bekommen. Insgesamt hat die deutsche Bundeswehr 60 Maschinen für 8,6 Milliarden Euro bestellt, um ihre Transall-Maschinen zu ersetzen.

Wenn die deutsche Kanzlerin am Donnerstag den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in Paris trifft, wird die Airbus-Krise ein zentrales Gesprächsthema. Merkel habe großes Interesse "das, was es bisher an ausgewogenen Verhältnissen gegeben hat, möglichst fortzusetzen", erklärte ihr Sprecher am Freitag in Berlin. Doch nicht nur die Kanzlerin sorgt sich um den deutschen Einfluss bei Airbus und verfolgt die Debatte um den A380 genau.

Vor allem der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) kennt seit Tagen kein anderes Thema mehr.

Am Freitag drohte der Betriebsratsvorsitzende des Hamburger Werks, Horst Niehus, mit Konsequenzen bei Stellenabbau: "Wenn jemand glaubt, er könne uns von der Zukunft abkoppeln, dann wird er spüren, was Hamburg auf die Beine stellen kann."

Hamburg investierte 650 Millionen

Im Jahr 2001 hatte von Beust die Entscheidung von Airbus, den A380 teilweise in Hamburg fertigen zu lassen, als "die vermutlich wichtigste industriepolitische Entscheidung unserer Nachkriegsgeschichte" bejubelt.

Die Hansestadt investierte 650 Millionen Euro, um Rostock in Mecklenburg-Vorpommern auszustechen. Dort hatte man Airbus einen Standort angeboten, an dem früher sowjetische Maschinen gewartet wurden. Hamburg musste für den Zuschlag das alte Airbus-Gelände am südlichen Ufer der Elbe erweitern. Dafür rieselten zwölf Millionen Kubikmeter Sand in ein Naturschutzgebiet was von Protesten begleitet war. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.10.2006)

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