Kommunalwahl: Stimmengewinne für Vlaams Belang erwartet

8. Oktober 2006, 11:28
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In Antwerpen könnte die rechtextreme Partei die 33 Prozent der Wahl vor sechs Jahren übertreffen

Brüssel - Der Schlagersänger Helmut Lotti hat klar Flagge gezeigt. Vor den belgischen Kommunalwahlen diesen Sonntag trällerte er bei einer Konzertreihe, mit der zehntausende Belgier für mehr Toleranz eintraten. Das heißt in Belgien: gegen die rechtsextreme Partei Vlaams Belang. Und für Lotti bedeutet das auch: gegen seinen eigenen Bruder.

Die Wahlerfolge der belgischen Rechten haben einen tiefen politischen Graben im Land aufgerissen. Nicht nur Parteien streiten über den richtigen Umgang mit dem offen ausländerfeindlichen Vlaams Belang (VB). Die Kluft trennt auch Familien wie die prominenten Lottis. Helmuts weniger erfolgreicher Bruder Kurt Lottegiers sang beim Familientag des Vlaams Belang.

Der VB ist in Flandern längst keine Randgruppe mehr. Sonntag stellen sich fast 5000 VB-Kandidaten in 240 Städten und Gemeinden zur Wahl. Das sind mehr als je zuvor, weshalb ein Stimmenzuwachs schon als sicher gilt. Laut Umfragen könnte der VB in seiner Hochburg Antwerpen die 33 Prozent der Wahl vor sechs Jahren übertreffen. Nur ein Bündnis aller anderen Parteien hat den VB dort - wie anderswo - bisher von der Macht fern gehalten.

Die Sympathien für den VB trübt auch ein Mord nicht: Im Mai erschoss ein Mann mitten in Antwerpen ein zweijähriges Mädchen und dessen afrikanische Kinderfrau. Der Täter gestand rassistische Motive und hatte Verbindungen zur Gedankenwelt des VB. (dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.10.2006)

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