Dramatisch verschärfte Klagenfurter Lage

10. Oktober 2006, 23:05
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Der KAC-Trainer Kevin Primeau dürfte "ein zu netter Mensch" und bald Ex-Trainer sein - Präsident Safron: "Es wird sehr eng"

Klagenfurt/Wien - "Bei dem Potenzial, das die Mannschaft hat, muss der Trainer schuld sein." Sagt Karl Safron, der Präsident von Eishockey-Rekordmeister KAC, nach einem Start in die Erste Bank Liga, der übler nicht sein hätte können. Fünf Spiele, fünf Niederlagen, 13:28 Tore. Zuletzt gab's ein 3:4 gegen Innsbruck, laut Safron wird es nun "sehr eng" für Kevin Primeau, den Coach. "Die Lage hat sich dramatisch verschärft." Der KAC muss am Sonntag gegen Linz und am Dienstag gegen Villach gewinnen, sonst ist Primeau ein Ex-Trainer.

Safron hat wohl kurz überlegt, schon früher Konsequenzen zu ziehen. Er steht aber zu seinem Wort. "Wir machen kein Theater, bei aller Emotion." Freilich sollte der KAC nicht nur siegen, sondern auch eine Tendenz erkennen lassen. Gegen Innsbruck fiel er trotz akzeptablen Beginns nach dem ersten Gegentor förmlich auseinander. "Primeau ist ein zu netter Mensch", sagt Safron. "Er lässt jede Konsequenz vermissen."

Die Kundigen wollten im KAC-Rooster schon vor der Saison eine starke Offensive bei einer schwächeren Defensive ausgemacht haben. Die ersten Spiele bestätigten zumindest die zweite These. Dass noch ein 14. Angreifer verpflichtet wurde, obwohl nur sechs Verteidiger hackeln, wird von vielen bekrittelt. Siklenka und Reichel wurden abgegeben, nur Rebek wurde geholt, die Abwehr ist jedenfalls nicht besser besetzt als im Vorjahr.

Safron hat seine eigene Meinung. "Wir haben drei Top-Verteidigerpaare, und es gibt keinen Verletzten. Nominell sind wir gut aufgestellt, strategisch aber nicht." Das Verteidigen beginne bei den Stürmern, einige Stürmer aber sehen zu, "wenn im Verteidigungsdrittel Krieg herrscht".

Die KAC-Klubführung mag sich fragen, ob sie den falschen Mann zum Cheftrainer machte. Primeau (51) spielte selbst für die Vancouver Canucks, war Assistant Coach bei den Edmonton Oilers. Als Cheftrainer brachte er kaum Erfahrung mit, bei den Kölner Haien hatte er sich nicht durchgesetzt, zuletzt war er in Langnau in der Schweiz wieder Ko-Trainer und für den Nachwuchs zuständig. Beim KAC folgte er vor elf Monaten dem erfolglosen Schweden Mats Waltin, ohne aber das Semifinale zu erreichen oder Begeisterung zu entfachen. Nun droht die Konsequenz. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 7.10. 2006)

  • Primeau steht unter Druck, wenn nicht vor der Ablöse.
    foto: kac/valentin

    Primeau steht unter Druck, wenn nicht vor der Ablöse.

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