Schönbrunn im Zauber der Kimonos

8. Oktober 2006, 20:22
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63 Botschafterinnen der Kimono-Kultur beim Besuch im Wiener Kaiserschloss

Wien – "Wir haben schon die ganze Welt bereist und hundert Städte besucht – Wien ist die hundert–und–erste", betont Hiromi Ichida strahlend, um die Bedeutung dieses Besuches zu unterstreichen.

Dass sich eine Gruppe japanischer Touristen vor dem Schloss Schönbrunn fotografieren lässt, mag an sich des öfteren vorkommen – doch diese Gäste sind wahrlich eine besondere Erscheinung. Nicht nur, weil es sich bei Hiromo Ichida geradezu um eine Zelebrität handelt. Schauspielerin ist sie, eine Autorin, die über 70 Werke verfasste – und vor allem: langjährige Kimono-Kritikerin. Und als solche Vorsitzende des Vereines zur Förderung der Kimono-Kultur.

"Ein Zauber"

Daher erscheint die Gruppe von 63 Japanern im Ehrenhof des Schlosses auch stolz in der historischen und volkstümlichen Gewandung ihres Heimatlandes – "ein Zauber", murmelt ein fürbass erstaunter Augenzeuge.

Und das, obwohl der Staunende gar nicht wissen konnte, welch wertvolle und prächtige Stücke er da zu sehen bekam; schließlich sind hier die Botschafter der traditionellen, aber auch modernen Kimono-Kultur unterwegs.

"Diese Gewänder sind bis zu 7000 Euro wert, eines von ihnen sogar 14.000 Euro", erläutert Hiromi Ichida im Standard-Gespräch. Und das hat vor allem mit der Exklusivität der Materialien zu tun. "Allein die Herstellung der Stoffe dauert bis zu einem Jahr", erläutert die Expertin. Und für einen kleinen Kimono benötige man zwölf, für einen großen gar 16 Meter Stoff. Allein das korrekte Anziehen einer derartigen Gewandung ist eine Kunst für sich – auch darüber hat Hiromi Ichida ein Buch verfasst.

Schon werden die Trägerinnen der edelsten Stücke zur fotogerechten Präsenation nach vorne gerufen. Da gibt es prächtige Stücke mit ägyptischen Motiven, andere sind von traditionellen Tuschzeichnungen inspiriert. Manche Stoffe sind bemalt – bei anderen hingegen erfolgte die Farbgebung durch präzises Zupfen einzelner Fäden.

"Moderne Tendenzen"

Auch zwei Männer finden sich in der Gruppe, einer gar mit einem zum Kiomono passenden Käppi. "Das sind modernere Tendenzen", erklärt Ichida. "Früher waren die Komonos der Männer in schlichtem Schwarz gehalten, neuerdings werden auch kräftigere Farben gewählt."

Vor dem Haupteingang des Schlosses stößt dann Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker dazu; quasi als Repräsentant des österreichischen Kaiserpalastes, der die Kimonokulturbotschafterin aus der japanischen Kaiserstadt Kyoto begrüßt. Die Gruppe applaudiert ihm.

Und dann noch ein Trupp italienischer Touristen, von der fernöstlichen Pracht sichtlich enthusiasmiert. Schon werden einzelne japanerinen fürs Foto um die Schulter gefasst. Der italienische Fotograf singt für das Gruppenfoto vor: "Aleee, Aleee, Aloooo!" Die Japanerinnen lächeln höflich – und singen dann doch fröhlich und kulturumfassend mit. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 7./8. Oktober 2006)

  • Hiromi Ichida ist eine Zelebrität: Schauspielerin, Autorin und Kimonoexpertin.
    foto: standard/christian fischer

    Hiromi Ichida ist eine Zelebrität: Schauspielerin, Autorin und Kimonoexpertin.

  • Fröhliches Zusammenrücken für das Gruppenfoto: Es sind edle, klassische, aber auch moderne Stücke aus exquisiten Stoffen, die hier vor dem Schönbrunner Gelb präsentiert werden.
    foto: standard/christian fischer

    Fröhliches Zusammenrücken für das Gruppenfoto: Es sind edle, klassische, aber auch moderne Stücke aus exquisiten Stoffen, die hier vor dem Schönbrunner Gelb präsentiert werden.

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