Immer mehr Autos müssen wegen Defekten zurückgerufen werden

8. Oktober 2006, 19:33
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Autofahrerklubs schla­gen Alarm: "Unfreiwillige Testfahrer" - Gefordert werden eine Experten­kommission und trans­parentere Information

Wien – Defekte Bremsleitungen und Kühlschläuche, Probleme mit Rückenlehnen oder Getriebeschäden – aufgrund von Mängeln wie diesen müssen Fahrzeughersteller immer öfter Rückrufaktionen starten. Autofahrerklubs bezeichnen das Ansteigen der Defekte bei Neufahrzeugen als Besorgnis erregend.

Während es im Jahr 2000 noch 40 Rückrufe gegeben habe, seien es heuer allein im ersten Halbjahr bereits 80 gewesen, kritisiert ÖAMTC-Techniker Erwin Dobias. "Bis Jahresende könnten wir erstmals die 100er-Marke überschreiten, was ein neuerlicher Negativrekord wäre." Auch der ARBÖ schlägt Alarm: Es könne nicht sein, dass Autokäufer aufgrund immer kürzerer Präsentationsintervalle neuer Modelle als "unfreiwillige Testfahrer" herhalten müssten. Bedenklich sei auch die Art der Mängel: Waren im Vorjahr Elektronikpannen noch für jede zweite Fahrzeug-Rückrufaktion verantwortlich, nehmen laut ÖAMTC nun die mechanischen Defekte zu. Im ersten Halbjahr 2006 seien lediglich 27 Prozent auf Probleme bei der Elektrik entfallen.

Die steigende Zahl der Rückrufe sei nicht auf eine schleißigere Herstellung zurückzuführen, sondern auf Haftungsfragen, beteuert Christian Pesau, Geschäftsführer des Verbands der Österreichischen Automobilimporteure. "Die Hersteller werden immer mehr in die Pflicht genommen, und da wollen sie jeden Eventualfall ausschließen." Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiere, sei "verschwindend gering". Die Rückrufaktionen seien "oft nur Vorsichtsmaßnahmen".

Allzu oft würden sicherheitsgefährdende Mängel bagatellisiert, meint hingegen der ÖAMTC-Techniker. Denn Anlass für eine Rückrufaktion seien nur schwere Defekte, die fatale Folgen haben könnten. Der Club fordert deswegen eine transparentere Informationspolitik und die Einrichtung einer Expertenrunde, die darüber entscheidet, wie mit einem gemeldeten Mangel verfahren werden muss.

Derzeit entscheidet der Hersteller, ob ein Rückruf durchgeführt wird. In manchen Fällen würden aber nur in der Kundenkartei registrierte Fahrzeughalter, nicht Zweit- oder Drittbesitzer informiert, spricht sich der ÖAMTC gegen "stille Rückrufe" aus. (kri, DER STANDARD - Printausgabe, 7./8. Oktober 2006)

  • Auch neu erworbene Autos landen immer öfter in der Reparaturwerkstätte. Lag das bisher vor allem an Fehlern in der Elektrik, nehmen heuer mechanische Defekte zu.
    foto: standard/christian fischer

    Auch neu erworbene Autos landen immer öfter in der Reparaturwerkstätte. Lag das bisher vor allem an Fehlern in der Elektrik, nehmen heuer mechanische Defekte zu.

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