Rückfall in traditionelle Geschlechterrollen

29. Juni 2000, 16:43

"Das Kind kommt - die Partnerschaft geht", so eine neue Familienstudie

München - Die Familiengründung bedeutet für viele junge Paare das Aus ihrer Partnerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die Familien-Studie "Übergang zur Elternschaft", die am Donnerstag in München vorgestellt wurde.

Anforderungen nicht gewachsen

"Die Familiengründung und die mit der Geburt des ersten Kindes verbundenen Veränderungen der gesamten Lebenssituation beeinträchtigen die gesamte Partnerschaft", erklärte Projektleiter Professor Wassilios Fthenakis, Leiter des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Die Untersuchung mit 175 jungen Paaren habe ergeben, dass viele von ihnen sich den vielfältigen Anforderungen und Belastungen der Elternrolle nicht gewachsen fühlten. Streitigkeiten würden in den ersten drei Jahren an Häufigkeit und Heftigkeit zunehmen. Gleichzeitig nehme die Zärtlichkeit und Sexualität in der Partnerschaft ab.

Kinderversorgung Mutter-Sache

Auch von einer Gleichstellung der Geschlechter sei man entfernt, fasste das Ergebnis der Studie zusammen. Nach der Geburt des ersten Kindes fielen die meisten Paare in die traditionellen Geschlechterrollen zurück. Mütter würden ihre Berufstätigkeit reduzieren oder unterbrechen. Auch seien sie in erster Linie für die Routineaufgaben der Kinderversorgung zuständig.

Die Scheidungsrate in Deutschland betrage mittlerweile fast 40 Prozent, berichtete Fthenakis. Am häufigsten ließen sich junge Paare drei bis vier Jahre nach der Geburt des ersten Kindes scheiden. Die Studie wurde von der Landesbausparkasse (LBS) in Auftrag gegeben.

Angesichts der Zahlen appellierte Fthenakis an die Politik, neue Modelle zu entwickeln, um dieser Entwicklung gegenzusteuern: "Moderne Familienpolitik bedeutet auch Partnerschaftspolitik." Hilfen dürften sich nicht allein auf finanzielle Unterstützung beschränken. Gerade jungen Familien müsse geholfen werden, ihre Probleme kompetent zu lösen. Eine konfliktreiche Elternbeziehung stelle letztendlich auch für die Entwicklung der Kinder eine große Gefahr dar, warnte der Experte.

(APA)

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