Ungewöhnliche Einblicke: Blogger auf der Buchmesse

13. Oktober 2006, 08:33
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Neun Blogger berichten aus Frankfurt

Jürgen Matthes beschreibt seine Eindrücke im Internet aus Frankfurt so: "Wenig Erfahrung heißt nicht unbedingt wenig Wissen und so rüstete ich mich für diese meine erste Buchmesse mit gut eingelaufenen Schuhen aus." Das gute Schuhwerk braucht Matthes, da er täglich zusammen mit einem Team von "Bloggern" auf der weltgrößten Bücherschau stundenlang unterwegs ist. In einem interaktiven elektronischen Tagebuch (Weblog) berichten Literatur-Liebhaber erstmals aus ihrer ganz persönlichen Perspektive über die größte Bücherschau der Welt.

"Okay, ich weiß also, jede Messe besteht aus weitläufigen Hallen und die interessanten Sachen finden meist im Abstand von zehn Minuten an entgegengesetzten Ecken des Geländes statt", hat Matthes herausgefunden. Die neun Blogger aus ganz Deutschland, zu denen auch ein Autor und eine Lektorin gehören, stellen ihre Texte auf die Internet-Seite der Buchmesse.

Dort können die Einträge von Interessierten auf der ganzen Welt gelesen werden. "Das Projekt ist für uns ein Experiment", sagt Buchmessen-Sprecherin Anne Eckert. "Die Digitalisierung wird immer wichtiger, dieses Themas nimmt sich auch die Buchmesse an."

Die Journale, in denen im Internet von Großereignisse wie Messen, Tagungen oder auch Parteitagen berichtet wird, liegen nach Ansicht des Bamberger Kommunikationssoziologen Jan Schmidt seit dem vergangenen Jahr im Trend. "Es gehört noch nicht zum Standard, aber es wird immer mehr damit experimentiert", sagt der 33-Jährige, der die Auswirkungen von Blogs als neue Kommunikationsform untersucht. "Blogger können Einblicke geben, die man sonst auf keinem anderen Weg bekommen kann."

Im deutschsprachigen Raum gibt es seinen Angaben zufolge etwa eine Million Weblogs, von denen etwa die Hälfte regelmäßig geführt wird. Den Buchmessen-Blog pflegt und koordiniert Oliver Gassner. Seine Leidenschaften sind das Internet und die Literatur. Zur Buchmesse-Zeit streift der 42-Jährige durch die Hallen, auf der Suche nach spannenden Menschen, Geschichten oder Kuriositäten. Mitten im Getümmel klappt er seinen Laptop auf, schreibt seine Eindrücke auf und stellt die Texte ins Internet. "Ich blogge das" - so nennt er es im Fachjargon und das steht auch auf seinem feuerroten T-Shirt.

"Die Blogger sind Menschen, die die Buchmesse ganz unvoreingenommen sehen", sagt Anne Eckert. "Wir erhoffen uns davon ganz neue Eindrücke." Das Team wird von der Buchmesse nicht für seine Arbeit bezahlt, bekommt aber freien Eintritt und darf die Arbeitsplätze im Pressezentrum nutzen. Anreise- und Übernachtungskosten der Blogger werden mit Sponsorengeldern finanziert.

"Die Blogger haben alle Freiheit der Welt, sie können schreiben, was sie wollen", sagt Eckert. Geschrieben werden darf alles, was nicht gegen das Gesetz verstößt. Die 32-Jährige hat in dieser Woche selbst ihr Debüt als Bloggerin gegeben und berichtete als Insiderin von ihrem Arbeitsalltag auf der Buchmesse.

Seine Themen sucht sich jeder Buchmessen-Blogger selbst aus und entscheidet was und wieviel er darüber schreibt. "Ein Blog-Text kann zwei Zeilen lang sein oder mehrere Seiten", sagt Gassner. "Wir können hier Dinge thematisieren, die eigentlich unter jeder Mitteilungsschwelle liegen, Dinge, die sonst das Papier nicht Wert wären, aber einfach schön die Atmosphäre transportieren."(APA/dpa

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