Instrumente für die Krise

8. Oktober 2006, 17:00
4 Postings

Wie gehen Firmen mit Krisen um? Die Taskforce Krisenmanagement präsentiert aktuelle Studienergebnisse

Sind die Unternehmen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz (D/A/CH-Region) „krisenfit“ bzw. „krisenfit genug“? Dieser Frage ging die „Taskforce Krisenmanagement“, die österreichische Expertenplattform rund um ganzheitliches Krisenmanagment mit Vertretern aus den Unternehmen Trimedia, Lansky, Ganzger & Partner, Bachler & Partner sowie intomedia, nach und beauftragte OGM mit der Befragung von 300 Top-Managern der D/A/CH-Region zu Ist- und Soll-Szenarien.

Mit einer „Schulnote“ von 1,9 schnitt die Schweiz im Bereich der Krisenvorbereitung vor Deutschland mit 2,3 und Österreich mit 2,4 am besten ab. Die Gesamt-Durchschnittsnote sei zwar mit 2,2 nicht die schlechteste, was aber nicht bedeute, das kein Nachholbedarf herrsche, sagt Trimedia-Chef und Taskforce-Mitglied Sepp Tschernutter. Dies auch, wenn das Krisen-Bewusstsein unter den Managern stark ausgeprägt zu sein scheint: „Insgesamt halten 41 Prozent der Befragten das Krisenbewusstsein für hoch, 37 für mittel und sieben Prozent für niedrig“, heißt es in den Umfrage-Ergebnissen. Und auch hier ist die Schweiz Musterschüler: Etwa 53 Prozent der Schweizer Manager gaben zu Protokoll, in einem Unternehmen mit hohem Krisenbewusstsein zu arbeiten. Niedriger ist diese Bewertung in Deutschland (37 Prozent) und Österreich (38 Prozent), wo sogar 17 Prozent der Befragten ihrem Unternehmen ein niedriges Bewusstsein für Krisenvorsorge und -management attestierten, so die Studie. Nur zwei Prozent der deutschen und sieben Prozent der schweizer Manager stellten dieses mehr ernüchternde Zeugnis aus.

Das wahrscheinlichste Bedrohungsszenario orten die Manager aller drei Länder in der Imagekrise (34 Prozent, siehe Grafik), gefolgt von der Finanzkrise mit 31 Prozent und der Haftungskrise mit 22 Prozent.

Krisenfall Haftung

Auffallend sei, dass im Gegensatz zu den beiden anderen Ländern in Österreich die Haftungsrisiken besonders häufig angeführt werden – und zwar mit 39 Prozent. Im Vergleich: 13 Prozent in der Schweiz und 19 Prozent in Deutschland. Tschernutter: „Dieser hohe Wert dürfte auf die Einführung des neuen Unternehmensstrafrechts zurückzuführen sein. Dieses kann österreichischen Unternehmen im Zuge einer Krise, etwa nach einem Lift- oder Seilbahnunfall, eine Geldstrafe bis zu 1,8 Millionen Euro auferlegen.“ Durch gute Vorbereitung, rechtliche Beratung und richtige Krisenkommunikation lasse sich das Haftungsrisiko aber deutlich minimieren, so Tschernutter weiter.

Grundsätzlich aber, sagt Wolfgang Bachler, langjähriger Cobra-Kommandant und ebenfalls Taskforce Krisenmanagement-Member, habe sich der Bereich des Krisenmanagement deutlich weiterentwickelt. Dennoch werde noch zu gern auf „altbewährte Instrumente“ zurückgegriffen: 38 Prozent vertrauen auf Krisenmanagementteams, 37 Prozent greifen auf das Instrument der Risikoanalyse zurück und 20 Prozent lesen im Handbuch nach. Da haben moderne Instrumente, wie das Szenariotraining und das Issue Management das Nachsehen, so die Studie. Faktum sei: Professionelles Krisenmanagement bleibe Thema bzw. gewinne weiter an Bedeutung. (haa, Der Standard, Printausgabe 7.10/8.10.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.