"Kulturerbe ohne Schutz?"

6. Oktober 2006, 14:20
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Internationales Symposium in Wien zum Thema Denkmalschutz: Kritik an "Zick Zack-Kurs der Rechtslage"

Wien - Seit Mittwoch diskutierten internationalen und heimischen Experten auf Einladung der "Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege" im Wien Museum Karlsplatz virulente Probleme zum Thema Denkmalschutz. Am Freitag gaben die Veranstalter Einblick in die Ergebnisse des Symposiums "Kulturerbe ohne Schutz?". "Wir wollen die kritische Beobachtung fortsetzen und weiter konstruktive Vorschläge in Bezug auf die Denkmalpflege bringen", versprach der Kunsthistoriker Mario Schwarz.

Zick Zack-Kurs der Rechtslage

"Es hat sich bei vielen Vorträgen gezeigt, dass eines der Hauptprobleme der Zick Zack-Kurs der Rechtslage ist", erklärte Desirèè Vasko-Juhàsz, Vorstandsmitglied der Gesellschaft. "Wir hoffen nach wie vor auf die Aufnahme eines umfassenden Denkmalschutz-Begriffs in der österreichischen Verfassung. Außerdem muss es in Bezug auf das Denkmalschutzgesetz Neuregelungen zwischen Land und Bund geben", forderte Schwarz. Diskutiert wurde außerdem über die notwendige Bewahrung der Weltkulturerbe-Stätten in Österreich. "Ein entscheidender Punkt ist die Kommerzialisierung und Kapitalisierung innerhalb der Schutzzonen, die immer mehr ausgebeutet werden", erklärte Vasko-Juhàsz.

Denkmalschutzgesetz

Herbert Fux, früherer Salzburger Gemeinderat und engagierter Denkmalschützer, warnte in diesem Zusammenhang abermals vor einer weiteren Aufstockung von Gründerzeithäusern in der Wiener Innenstadt. Außerdem regte er eine Überprüfung der Fassaden-Renovierungen bei der UNESCO an. SP-Landtagsabgeordneter Kurt Stürzenbecher schloss nicht aus, in Zukunft über Änderungen des Denkmalschutzgesetz zu reden. In Bezug auf weitere bauliche Vorhaben in der Bundeshauptstadt vertraue er jedoch auch in Zukunft auf das Bundesdenkmalamt. Außerdem widersprach Stürzenbecher den laut gewordenen Vorwürfen einer negativen Entwicklung. "Es gibt bestimmte Dynamiken, denen kann man sich nicht verschließen", so Stürzenbecher, der den Tourismus nicht als Sündenbock für fehlende Denkmalpflege gelten lassen wollte.

Ortsbildpflege

Abschließend regte Gesellschaftsmitglied Dieter Klein an, mehr Geld in den Schutz von Denkmälern und die Ortsbildpflege fließen zu lassen. "Seit Beginn des Altstadterhaltungsfonds vor 32 Jahren sind gerade mal 176 Millionen Euro in die Sanierung geflossen. So viel kosten in etwa zwei Kilometer U-Bahn-Ausbau", bemerkte Klein. In Zukunft plant man seitens der 350 Mitglieder starken Gesellschaft übrigens eine Liste der zehn am meisten gefährdeten Denkmäler zu publizieren, um weitere Vorgehen in diese Richtung besser beobachten und kontrollieren zu können. (APA)

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    Denkmalpfleger fordern mehr Interesse und Geld für Denkmalschutz.

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