Deutsche BenQ-Beschäftigte setzen Protest gegen Siemens fort

10. Oktober 2006, 10:37
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Dividendensenkung gefordert - IG-Metall-Vizechef Huber: Hilfsfonds für Beschäftigte ist mit 35 Mio. Euro eine "Armenspeisung"

Die Beschäftigten der insolventen deutschen BenQ Mobile setzen ihre Proteste gegen den ehemaligen Eigentümer Siemens heute fort. Zu der Kundgebung am frühen Freitagnachmittag vor der Konzernzentrale in München erwartete die IG Metall mehrere Hundert Teilnehmer, wie ein Gewerkschaftssprecher sagte.

Protest

Neben BenQ-Mobile-Mitarbeitern aus München wollten auch Betroffene aus den nordrhein-westfälischen Werken in Bocholt und Kamp-Lintfort anreisen. Außerdem würden sich Siemens-Mitarbeiter aus dem aufgeteilten Geschäftsbereich Com an den Protesten beteiligen. Sie fürchten, dass ihnen nach der Abtrennung vom Mutterkonzern ein ähnliches Schicksal droht wie ihren Kollegen von BenQ.

Erwartung

Die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat der Siemens AG fordern die Rettung des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile. "Wir erwarten von Siemens, aber auch von der Politik, dass sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze von BenQ in Deutschland einsetzen", heißt es einer gemeinsamen Erklärung, die am Freitag in Frankfurt verabschiedet wurde. Ziel müsse es sein, einen Käufer zu finden, der zur Fortführung des Handygeschäfts in Deutschland bereit und in der Lage sei.

"Siemens Manager tragen die Verantwortung für den Niedergang der Handysparte und die Unfähigkeit zur Sanierung aus eigener Kraft."

Die Arbeitnehmervertreter richteten schwere Vorwürfe gegen Siemens. "Siemens Manager tragen die Verantwortung für den Niedergang der Handysparte und die Unfähigkeit zur Sanierung aus eigener Kraft." Siemens habe zu wenig Sorge dafür getragen, dass BenQ die Handyfertigung und -entwicklung und damit mehr als 3.000 Arbeitsplätze in Deutschland hält. Siemens bleibe auch über die Insolvenz hinaus in der Pflicht für die Beschäftigten bei BenQ. Dazu gehöre etwa die Absicherung der Altersversorgung, an der sich auch die Aktionäre mit dem Verzicht auf einen Teil der geplanten Dividende beteiligen müssten: "Unter diesem Gesichtspunkt ist die Höhe der geplanten Dividende zu überprüfen". Für 2005/06 (per Ende September) hatte Siemens 1,35 Euro je Aktie an die Anteilseigner ausgeschüttet.

"Berlin Mitte"

IG-Metall-Vizechef Huber nannte den von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld in Aussicht gestellten Hilfsfonds für die Beschäftigten der ehemaligen Handysparte über 35 Mio. Euro eine "Armenspeisung". Die Belegschaft erwarte von Siemens ein gezieltes Engagement auf der Suche nach einem Investor, sagte der Gewerkschafter am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte". Siemens hatte seine Handysparte vor einem Jahr an BenQ aus Taiwan verkauft.

BenQ-Mobile-Betriebsratschef Michael Leucker warf Siemens vor, der Münchner Konzern hätte schon vor rund eineinhalb Jahren wissen müssen, dass BenQ das Geschäft mit eigenen Mitteln nicht habe sanieren können.

Warnung

Bayerns Wirtschaftsminister Huber warnte, zur Rettung der deutschen BenQ werde es nicht reichen, wenn ein Investor lediglich die Handyproduktion fortsetzt. In die finanziell ruinierte Gesellschaft müssten auch weitere Produkte eingebracht werden. Auch wenn er eine Rettung für möglich halte, müsse mit einem Stellenverlust gerechnet werden. Es müsse ein Investor gesucht werden, der die deutsche BenQ "ganz oder vermutlich abgeschlankt" übernimmt, sagte der CSU-Politiker.(APA/Reuters/dpa)

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