Kein "abgehalfterter Ministersekretär" als Kulturminister

9. Oktober 2006, 23:08
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Spekulationen um die Kunstagenden: Staatssekretariat oder Ministerium - Wer wird das Amt übernehmen?

Geht es nach der SPÖ, soll es in der kommenden Legislaturperiode wieder ein eigenes Kulturministerium geben. Dass die Kulturangelegenheiten in den letzten Jahren in einem Staatssekretariat untergeordnet waren, stieß bei Kulturschaffenden und Opposition großteils auf Kritik. Doch nicht die ÖVP ist auf die Idee gekommen, die Agenden der "nichtöffentlichen" Kunst einem Staatssekretär anzuvertrauen, sondern die Sozialdemokraten.

"Chefsache"

Unter Kanzler Viktor Klima wanderten die Kunstagenden nämlich 1997 vom Wissenschaftsministerium ins Bundeskanzleramt und wurden - nach Definition Klimas - zur "Chefsache" erklärt. Natürlich kümmerte sich nicht der Kanzlers darum, sondern Peter Wittmann, ein Staatssekretär. Auch die schwarz-blaue Wende unter Kanzler Wolfgang Schüssel beließ die Kunst am Ballhausplatz: Auf den für Kunst, Europa und Sport zuständigen Staatssekretär Wittmann folgte 2000 der nicht unumstrittene Franz Morak als Staatssekretär für Kunst und Medien. Das Ministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten wurde zum - weiterhin von Elisabeth Gehrer geleiteten Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

"Mich hat keiner gefragt"

Wer nach Franz Morak die Kulturagenden betreut und vielleicht sogar zurück auf ministeriale Beine stellt, darüber gibt es in der Gerüchteküche etliche Vermutungen. SP-Kultursprecherin Christine Muttonen ist genauso im Gespräch wie der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, der ausrichten ließ, er habe eine zu "junge" Familie, um diese Aufgabe zu übernehmen. Auch Gusenbauer-Fan André Heller wurde als möglicher Morak-Nachfolger gehandelt. Er wehrte jedoch strikt ab und meinte zur APA: "Ich bin ein viel zu anarchisches Wesen, einer, der selten vor 12 Uhr aufsteht und am liebsten auf Reisen lebt. Ich will es mir nicht entscheidend verschlechtern, denn ich habe klare Projekte, die ich für mein Lernen brauche."

Der Standard brachte auch Viennale-Chef Hans Hurch ins Gespräch. Auf derStandard.at-Anfrage zeigte der sich erstaunt: "Mich hat noch keiner gefragt". Er würde vielleicht darüber nachdenken, wenn ein zukünftiger Staatssekretär oder Minister tatsächlich aktive Kulturpolitik machen dürfte und das notwendige Budget dafür hätte.

Das Hauptproblem bei Franz Morak sah er darin, dass dieser sich nicht in "einem lebendigen Dialog mit der Kunst- und Kulturszene" befunden habe. Wenn das Verhältnis des Landwirtschaftsministers zu den Bauern und Kammern ebenso schlecht gewesen wäre, wäre das laut Hurch "eine Katastrophe gewesen".

Muttonen winkt ab

Auch Christine Muttonen wehrt sich gegen eine vorzeitige Festlegungen: "Natürlich wäre die Aufgabe spannend, die als Kultusprcherin ist es aber genauso." Man solle aber die Personalwahl den Verantwortlichen überlassen. Hans Hurchs Bitte an ebendiese: Es solle kein "abgehalfterter Ministersekretär" auf diesem Posten versorgt werden. (red, APA)

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