Österreichische Arbeitnehmer sind "Ost-Muffel"

6. Oktober 2006, 15:43
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Eine Umfrage zeigt geringe berufliche Mobilität in Richtung neue EU-Länder - Unter 30-jährige und Pflichtschulabsolventen besonders skeptisch

Wien - Obwohl Auslandserfahrung bei Unternehmen so gefragt ist wie noch nie, sind nur wenige Österreicher bereit, in Ländern wie Ungarn, Tschechien, Polen oder der Slowakei zu arbeiten. Nur ein Fünftel (22 Prozent) der Arbeitnehmer könnte sich prinzipiell vorstellen, für einen österreichischen Arbeitgeber in einem der neuen EU-Länder zu arbeiten - und auch das nur, wenn es ein attraktives Angebot gibt. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das market-Institut im August unter 500 Befragten für das Wirtschaftsprüfungsunternehmens TPA Horwath durchgeführt hat.

Mittlere Generation und höher Gebildete eher bereit

Knapp jeder zweite Befragte (48 Prozent) lehnt es sogar kategorisch ab, in einem der neuen EU-Länder zu arbeiten. Als besonders bodenständig haben sich die unter 30-Jährigen erwiesen, von denen sich nur 18 Prozent ein solches Auslandsengagement vorstellen können. Mobiler sind nach eigenen Angaben die mittlere Generation (30 bis 49 Jahre) und Männer. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Höher Gebildete sind eher bereit zum beruflichen Auslandsengagement. Während sich nur 13 Prozent der befragten Pflichtschulabsolventen vorstellen können, einen Job in einem osteuropäischen Land anzunehmen, beträgt der Anteil bei Personen mit Matura oder Hochschulabschluss immerhin 34 Prozent.

Abschreckende Wirkunge

Die Wohnsitzveränderung schreckt die Österreicher besonders ab (71 Prozent), aber auch Sprachprobleme (48 Prozent) stellen ein massives Hindernis dar. Befürchtet werden auch bürokratische Hürden, weil die Steuer- und Sozialversicherungsbestimmungen anders sein könnten als gewohnt.

Karriereförderung

Dass ein Auslandsaufenthalt in den neuen EU-Ländern die berufliche Karriere fördern würde, wird nur von 13 Prozent im Abrede gestellt. Aber selbst jene, die sich mobilitätswillig zeigen, wollen mehrheitlich (60 Prozent) nicht länger als zwei bis drei Jahre in einem mittel-osteuropäischen Land arbeiten. Ein gutes Fünftel (22 Prozent) kann sich das nur für maximal ein Jahr vorstellen.

Publikation gegen fehlendes Wissen

Die Gründe für die mangelnde Mobilitätsbereitschaft der Österreicher orten die Experten von TPA Horwath unter anderem in fehlendem Wissen über die Arbeitsbedingungen und -voraussetzungen in den Ländern Mittel- und Osteuropas. In Kooperation mit der Arbeiterkammer hat das Wirtschaftsprüfungsunternehmen TPA Horwath deshalb in der Publikation "Grenzüberschreitendes Arbeiten" für Tschechien, Ungarn, die Slowakei und Polen die wichtigsten steuer-, arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen analysiert. Analysen für weitere Länder seien in Vorbereitung, teilte das Unternehmen heute mit. (APA)

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