Gerüchteküche um Ministerämter brodelt

12. Oktober 2006, 16:58
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Buchinger, Goldmann mögliche Auf- bzw. Umsteiger - Unter SP-Regierung vermutlich zwei Ministerien mehr

Wien - Knapp eine Woche nach der Wahl und kurz vor Beginn der Regierungsverhandlungen ist trotz der großkoalitionären Hahnenkämpfe im Hintergrund schon ein Ringen um das künftige Chefpersonal im Staat ausgebrochen. Als derzeitig wahrscheinlichste Aufsteiger gelten auf roter Seite der Salzburger Soziallandesrat Erwin Buchinger und Budgetsprecher Christoph Matznetter, auf schwarzer Seite konzentriert sich das Interesse auf Klubchef Wilhelm Molterer und Landwirtschaftsminister Josef Pröll.

Sicherer Aufstieg für Prammer

Die einzige, die sich ihres Aufstiegs schon sicher sein kann, ist SP-Frauenchefin Barbara Prammer. Die bisher Zweite Nationalratspräsidentin löst Andreas Khol auf dem Posten des Ersten Präsidenten ab, da die SPÖ diesmal stimmenstärkste Partei wurde und somit wieder Anspruch auf den Posten hat, den sie bis 2002 über 30 Jahre innehatte. Als Zweite Präsidentin gehandelt wird vor allem VP-Justizsprecherin Maria Fekter, auch der Langzeitabgeordnete Jakob Auer und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat wurden medial genannt. Dritte Präsidentin dürfte Barbara Rosenkranz von der FPÖ werden, es sei denn, die Grünen würden dank der Wahlkarten doch noch Dritte. Dann hätte Justizsprecherin Terezija Stoisits die besten Chancen.

Kultur- und Frauenministerium

Noch komplizierter wird es, was die künftigen Regierungsämter angeht, weiß man doch noch nicht einmal, ob die Große Koalition wirklich zu Stande kommt und wenn ja, wie viele Ministerien es geben wird. Allgemein allgenommen wird, dass eine Zusammenarbeit von Rot und Schwarz auch die Zahl der Posten ein wenig erhöhen könnte, umso mehr als SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer sich einen Kultur- und eine Frauenministerin wünscht.

Für letzteren Posten werden in erster Linie die engste Gusenbauer-Vertraute, Bundesgeschäftsführerin Doris Bures, und als Geste an die Wiener Partei Landesspitzenkandidatin, Andrea Kuntzl, gehandelt. Außenseiterin ist die Wiener Integrationsstaatssekretärin Sonja Wehsely. Als Kulturminister wünscht sich Gusenbauer Andre Heller. Alternativ-Kandidat Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat in Wien, hat schon abgewunken.

Sozialministerium

Im Sozialministerium dürfte diesmal kein Gewerkschafter zum Zug kommen, als klarer Favorit wird vor allem im ÖGB der Salzburger Landesrat Erwin Buchinger, früher AMS-Chef im Bundesland, gehandelt, entsprechende Gespräche sollen schon sehr weit gediehen sein. Sollte das ein Ablenkungsmanöver sein, wird es wohl doch ein prominenter ÖGB-Vertreter werden wie (eher unwahrscheinlich) GPA-Chef Wolfgang Katzian oder (ein wenig wahrscheinlicher) Franz Bittner, Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, der freilich auch für ein Gesundheitsministerium in Frage käme - ebenso wie die Wiener Gesundheitsstadträtin Renate Brauner, der als vermutlich nächster Bürgermeisterin aber ebenso wenige Ambitionen im Bund nachgesagt werden wie Umweltstadträtin Ulli Sima, die für sich einen Wechsel in die Regierung aus familiären Gründen kategorisch ausschließt.

Finanzministerium

Anzunehmen ist, dass die SPÖ auch das Finanzministerium für sich einfordert. Klarer Favorit trotz diverser Nebelbomben ist Budgetsprecher Matznetter, medial als zweite Option wird BAWAG-Chef Ewald Nowotny gehandelt. In einem Infrastrukturministerium wäre Wilhelmine Goldmann, umstrittene ÖBB-Spitzenmanagerin, heiße Kandidatin. Eventuell könnte der Tiroler Landesrat Hans Lindenberger zum Zug kommen oder aber der stets ambitionierte Wiener Wohnbaustadtrat Werner Faymann. Nicht ausgeschlossen ist auch ein Aufstieg von Eisenbahner-Chef Wilhelm Haberzettl. In Sachen Wissenschaft wird Bereichsprecher Josef Broukal von seinen Fans in Position gebracht, im Sektor Bildung hat wohl Pisa-Chef Günther Haider die besten Karten.

Gehrer geht

Bei der ÖVP gibt es derzeit nur über eines Klarheit - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hat den Hut drauf gehaut, aller Wahrscheinlichkeit nach tut es ihr spätestens nach den Koalitionsverhandlungen Finanzminister Karl-Heinz Grasser gleich. Ziemlich sicher in Regierungsfunktionen bleiben werden Verteidigungsminister Günther Platter, der noch relativ jung ist und sich de facto keine Fehler geleistet hat, sowie Landwirtschaftsminister Pröll, der ebenso wie Klubobmann Wilhelm Molterer auch Vizekanzler und statt Wolfgang Schüssel Parteichef werden könnte, dann wohl mit einem anderen Ressort, etwa dem Außenamt. Noch im Rennen ist Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, Wirtschaftsbund-Generalsekretär Karlheinz Kopf könnte zum Klubchef aufrücken, sollten Molterer höhere Weihen erwarten.

Außenministerium

Auch Außenministerin Ursula Plassnik wird eher nicht abtreten, es sei denn, die SPÖ würde das Ministerium bekommen, wo dann Botschafter Wolfgang Petritsch erster Kandidat sein könnte. Sollte die Volkspartei das Ressort Bildung erhalten, könnte die Steirerin Kristina Edlinger-Ploder zum Zug kommen, eventuell auch die Wiener Stadträtin Katharina Cortolezis-Schlager. Einen heißen Tanz könnte es auch noch ums Innenministerium geben. Liese Prokop wäre bereit zu bleiben, auch Platter könnte sich wohl einen Wechsel vorstellen, wodurch das Verteidigungsressort für einen Niederösterreicher frei würde. Sollte die SPÖ das Innenressort erobern, könnte Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos für seinen erfolgreichen Wahlkampf und die burgenländische SPÖ für ihr starkes Abschneiden belohnt werden, Ambitionen werden auch dem oberösterreichischen Landeschef Erich Haider nachgesagt. Sollte einer der Bundesgeschäftsführer in die Regierung kommen, stünde übrigens Kommunikationschef Josef Kalina bereits als Nachfolger parat. (APA)

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