Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs

6. Oktober 2006, 20:44
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Die Verunsicherung wächst: Der Flugzeug­bauer steckt in der Krise, ein Kostensen­kungsprogramm ist geplant

Hamburg/Toulouse - Der Airbus A380, Statussymbol für eine erfolgreiche europäische Zusammenarbeit, ist gehörig ins Trudeln geraten und mit ihm die EADS-Börsekurse. Als Folge der mittlerweile drei Mal verschobenen Liefertermine ist eine hitzige Debatte um Produktionsstandorte in Hamburg und Toulouse entbrannt. Der Unternehmensspitze werden laut Agenturberichten gravierende Managementfehler vorgeworfen, die französischen und deutschen Arbeitnehmer sind verunsichert. Der große US-Konkurrent Boeing erfreut sich hingegen seit September steiler Kursgewinne.

Nach den erneuten Verzögerungen beim Riesen-Airbus A380, die zusätzliche Milliardenkosten verursachen, kündigte der europäische Flugzeugbauer EADS ein Sparprogramm an. Nach bisherigen Informationen wird es Einschnitte im Management und der Verwaltung geben. An den Arbeitsplätzen in der Produktion soll dagegen möglichst nicht gerüttelt werden, heißt es derzeit. Der französische Co-Chef Louis Gallois hat dem Europäischen Betriebsrat zudem versichert, dass es bei der Standortfrage noch keine abschließenden Entscheidungen gibt. Europas oberster Metallgewerkschafter, Peter Scherrer, betonte am Freitag, die Beschäftigten dürften nicht zum Opfer der Airbus-Krise und Spielball nationaler Interessen werden.

Nichtsdestotrotz zeigen sich die Arbeitnehmer in den Werken in Hamburg und Toulouse gehörig verunsichert. Die deutschen Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte haben heute einen detaillierten Einblick in die Sparpläne des Airbus-Managements gefordert. "Wir wollen wissen, was genau geplant ist", sagte ein Sprecher der IG Metall Küste in Hamburg. Rund 40.000 Arbeitsplätze hängen nach Industrieschätzungen in Deutschland von dem neuen Airbus ab, allein im deutschen Airbus-Hauptwerk Hamburg-Finkenwerder sind es einige tausend der insgesamt 12.000 Jobs.

Unruhe wächst

Auch in der EADS-Konzernzentrale in Toulouse zeigen sich die Beschäftigten beunruhigt. Wegen voller Auftragsbücher werden zwar keine Mitarbeiter in der Produktion von den Entlassungen betroffen sein. Die Hauptlast müssten jedoch die Angestellten in der Verwaltung tragen. 4.000 Stellen in der Zentrale in Toulouse könnten abgebaut werden. "Aber wie viele genau, und wann, darüber sagt man uns nichts", klagte Julien Talavan von der französischen Gewerkschaft FO.

Wegen der Produktionsprobleme beim A380 muss EADS nach eigener Einschätzung zwischen 2006 und 2010 Gewinneinbußen in Höhe von 4,8 Mrd. Euro hinnehmen. Das Unternehmen kündigte Spar- und Umbaumaßnahmen an, mit denen bis zum Jahr 2010 5 Mrd. Euro eingespart werden sollen, ab 2010 will man die Kosten jährlich um mindestens 2 Mrd. Euro reduzieren.

Bestellungen aufrecht

Der neue Airbus-Chef Christian Streiff rechnet trotz der Verzögerungen bei der Auslieferung aber nicht mit Abbestellungen beim A380. Bisher sei noch kein Kunde abgesprungen. Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai - mit 43 Kauf- und 2 Leasing-Bestellungen der mit Abstand größte Abnehmer des A380 - sieht das nicht ganz so. Die Fluggesellschaft erwägt, auf andere Flugzeuge auszuweichen.

Der Erstkunde des Großraumflugzeugs, Singapore Airlines, greift wegen der neuerlichen Verzögerung auf den US-Konzern Boeing zurück. Die geplante Kapazitätserweiterung wird nun zunächst mit 19 neuen Maschinen des Typs Boeing 777-300 erfolgen. Bisher will die Airline aber keine der zehn Festbestellungen des Airbus A380 stornieren. Airbus werde aber eine Entschädigung für die Verzögerung zahlen, hieß es aus Singapur.

Die australische Qantas will dagegen ihren Einsatz der Boeing 747-400 verlängern. Qantas hat zwölf A380 geordert. Die deutsche Lufthansa hat 15 Maschinen Airbus A 380 angefordert. Lufthansa bekommt den ersten A380 nach eigenen Angaben erst 2009. Insgesamt hat Airbus bisher 159 ihrer A380-Maschinen verkauft.

Boeing profitiert

Der schärfste Konkurrent von Airbus, der US-Konzern Boeing profitiert von der Krise beim europäischen Flugzeugbauer. Die Boeing-Anteilsscheine haben nach einem Tiefstand von 66,49 US-Dollar am 20. Jänner ordentlich zugelegt und notierten gestern zu Börseschluss an der Wall Street mit 83,62 US-Dollar.

Die EADS-Kurse haben im Gegenzug ihren heurigen Tiefstand von 18,73 Euro am 14. Juni dieses Jahres erlitten - nach einer Hausse von 35,13 Euro am 24. März. Damals war die Welt für Airbus noch in Ordnung. Seitdem tümpeln die Aktien mehr oder weniger unter der 25-Euro-Marke vor sich hin. Heute zu Mittag notierte die Aktie in Frankfurt bei nur 20,33 Euro. Gegenüber dem Börseschluss von Donnerstag bedeutet dies ein Minus von 3,47 Prozent. (APA)

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    Diskussion um Produktionsstandorte, Sparkurs und Mitarbeiterabbau lassen EADS-Kurse auf 20,33 Euro rutschen.

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