Volksbanken zieht es ostwärts

19. Oktober 2006, 14:44
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ÖVAG hat die Bawag P.S.K. bei der Bilanzsumme überholt und will nun im Osten kräftig weiter wachsen

Die Österreichischen Volksbanken haben nach dem Kauf der Investkredit die Bawag an Größe überholt. Sie wollen im Osten weiterwachsen, "aber nicht um jeden Preis", so Övag-Chef Franz Pinkl. Ein Börsengang ist für den Genossenschaftsverband "nicht wünschenswert".

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Seit Franz Pinkl den Bawag-Verkaufsprospekt studiert hat, weiß er sicher, was er im Juni nur hoffen durfte: Die Österreichische Volksbanken AG (Övag), hat die Bawag PSK überholt. "Wir sind die neue Nummer vier in Österreich", sagte ein hörbar stolzer Övag-Chef Donnerstagabend anlässlich des Volksbanken-Kongresses in Paris. Und: "Ich weiß das aus dem Info-Memorandum der Bawag."

Ende 2005 war die Övag mit 54,8 Mrd. Euro Bilanzsumme noch hinter der Bawag (58 Mrd. Euro) gelegen. Seit dem Halbjahresergebnis 2006 hat die Övag mit 61,204 Mrd. Euro die Nase vorn.

Interesse an Bawag-Filets

Die Bawag als Ganzes will die Övag nicht mehr kaufen, wohl aber einige Filetstücke. Friedrich Boschert, Vorstandschef der Övag-Tochter Volksbanken International (VBI), findet etwa die Istrobanka und das Tschechien-Geschäft "interessant", die Övag-Tochter Kommunalkredit will gern die öffentlichen Finanzierungen der Bawag übernehmen.

Wachsen will die Volksbanken-Gruppe mit ihren 6161 Beschäftigten (davon 2221 im Inland, Anm.), die mit ihrer Beteiligung an der Hypo Niederösterreich Mitte nächsten Jahres elf Prozent der Bilanzsumme an das Land Niederösterreich abgeben muss, vor allem in Zentral- und Osteuropa (CEE).

Man verhandle über Zukäufe in Bosnien-Herzegowina, sondiere in Bulgarien und der Ukraine, sagte Pinkl, "wir wollen aber nicht jeden Preis zahlen."

Filialen in Läden

Derzeit erwirtschaftet die Övag 32 Prozent ihres Jahresüberschusses vor Steuern im Osten. Gesucht sind laut Boschert Kooperationen mit großen Handelsketten: In Tschechien ist man in 70 Kaufland-Filialen präsent, während es in Rumänien erst eine Filiale mit Metro gibt.

Insgesamt verfügt die Volksbanken-Gruppe in CEE über 214 Filialen, 2008 sollen es bereits über 350 sein, während es im Vorjahr erst 66 waren, sagte Boschert im Gespräch mit dem STANDARD.

Die Frage eines Börsengangs stellt sich für Hans Hofinger, Chef des Genossenschaftsverbands, derzeit nicht: "Ein Börsengang ist vorstellbar, wünschenswert ist er nicht aus meiner Sicht."

Pinkl hatte ja vor Längerem angekündigt, bis 2010 börsenfit sein zu wollen. (Luise Ungerboeck aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.10.2006)


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