"Erstaunen und Befremden"

6. Oktober 2006, 11:54
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Heftige SP-Kritik an Personalentscheidungen - Mailath-Pokorny ersucht Kanzler um "Zurückstellung dieser Entscheidungen"

Wien - Die gestern bekannt gewordene Vertragsverlängerung der Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky, von 2009 bis 2014 sowie die (noch unbestätigte) Nachbesetzung der Leitung der Kunstsektion mit Helmut Wohnout, dem Büroleiter von Kunststaatssekretär Morak, stößt bei der SPÖ auf heftige Kritik. SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal betonte am Freitag in einer Aussendung, die "unnötige Verlängerung war sicher nicht vertrauensbildend", der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ersuchte Bundeskanzler Schüssel in einem Brief um "eine Zurückstellung dieser Entscheidungen".

"Parteipolitische Überlegungen"

"Ich ersuche Sie nachdrücklich, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen, weil dadurch der Eindruck entsteht, dass nicht fachliche Qualifikation, sondern ausschließlich parteipolitische Überlegungen ausschlaggebend sind", so Mailath-Pokorny in dem der APA vorliegenden Schreiben, in dem er seinem "Erstaunen und Befremden" Ausdruck verleiht. "Da zumindest die Leiterin des Technischen Museums über diesen Zweifel erhaben ist, schadet es den zu besetzenden Institutionen ebenso wie den kolportierten Persönlichkeiten. Vor allem auch der gewählte Zeitpunkt nach den Wahlen nährt den Verdacht, noch rasch Funktionen zu verteilen, was auf Unverständnis und Unmut bei Kulturschaffenden und Beamtenschaft stößt."

"Staatspraxis"

Broukal erinnerte daran, dass Bundespräsident Heinz Fischer beim Betrauen der Regierung Schüssel mit der Weiterführung der Amtsgeschäfte betont habe, dass es "Staatspraxis" sei, "Weichenstellungen mit langfristigen Auswirkungen der neuen Bundesregierung zu überlassen." Mit der Verlängerung des Vertrags von Zuna-Kratky bis 2014 sei aber eine Entscheidung getroffen worden, die zwei ganze Legislaturperioden überdauere. Bildungsministerin Gehrer hatte allerdings, so die Museumsdirektorin gestern gegenüber der APA, noch vor den Wahlen über die Vertragsverlängerung entschieden. (APA)

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