ÖW-Chefin will mehr Internationalisierung

9. November 2006, 17:44
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Stolba tritt ab November Amt an: Tourismusministerium nur mit entsprechenden Kompetenzen sinnvoll

Wien - Die designierte neue Chefin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba (41), die mit Anfang November den bisherigen Geschäftsführer Arthur Oberascher ablöst, will in ihrer neuen Funktion die Internationalisierung des österreichischen Tourismus vorantreiben, die Kooperationen in der Branche ausbauen und die Marke Österreich stärker positionieren, wie sie am Freitag bei einer Pressekonferenz erklärte. Zentrale Herausforderungen seien dabei der verschärfte internationale Wettbewerb und die veränderten Gästewünsche.

77 Prozent der Nächtigungen entfallen auf Gäste aus Österreich, Deutschland und den Niederlanden: "Hier ist Handlungsbedarf gegeben", betonte Stolba. Die Zahl der internationalen Ankünfte sei zwischen 1995 und 2005 jährlich um 1 Prozent gestiegen, in fünf Jahren will Stolba ein Wachstum von drei Prozent erreichen. Um die Internationalisierung voranzutreiben, will Stolba - bisher Geschäftsführerin der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) - die Kooperation mit den WKÖ-Außenhandelsstellen ausbauen: Damit habe der Tourismus 130 weltweite Vertretungen, die sinnvoll genutzt werden sollen, so Stolba.

Mehr Kooperation

Verstärken will die neue Geschäftsführerin auch die Kooperation mit den Landestourismusorganisationen bzw. den Destinationen sowie mit Tourismusbetrieben "vom Hotel bis zu den Reisebüros". Für das Problemkind Sommertourismus, der mit stagnierenden bis rückläufigen Nächtigungszahlen kämpft, gebe es "kein einfaches Rezept", meint Stolba. Das Angebot sei aber definitiv zu witterungsabhängig, Urlaub in Österreich müsse mit Innovationen angereichert werden. Zentral für den österreichischen Tourismus sei auch die Frage der Verkehrsanbindung, bei den Fluganbindungen wäre eine bestmögliche Ausgestaltung wünschenswert, meinte Stolba unter Bezug auf die Austrian Airlines (AUA).

Nachdenken will Stolba auch über eine neue Verteilung der Marketingmittel: "Wir können es uns sicher nicht leisten, den deutschen Markt nicht zu bearbeiten, über die Gewichtung der Marktbearbeitung kann man aber diskutieren", so Stolba. Die ÖW hat für 2007 ein Budget von 50,7 Mio. Euro zur Verfügung, 24 Mio. Euro davon kommen vom Bund und 8 Mio. Euro von der Wirtschaftskammer, der Rest entfällt auf etwa in Kooperation mit den Ländern erwirtschaftete Eigenleistungen.

Tourismusministerium

Die Frage einer Einführung eines Tourismusministeriums sieht Stolba eng mit einer derzeit "geringen" Kompetenz verknüpft, da der Tourismus in Österreich laut Bundesverfassung Ländersache und damit föderal organisiert sei. Wünschenswert wäre es aber jedenfalls, dass der Tourismus in der Regierung gut vertreten werde. Die Hereinnahme von privaten Firmen oder der Länder in die ÖW sei Sache der Eigentümer, ebenso die mögliche Installierung eines zweiten Geschäftsführers, der Stolba im Prinzip offen gegenübersteht, sofern die Bereiche klar aufgeteilt werden. Die "Presse" hatte heute unter Bezug auf Gerüchte berichtet, dass es im Falle einer SP-Regierung ohne VP-Beteiligung in der ÖW zu personellen Verschiebungen kommen könnte. "Ich bin bei keiner Partei Mitglied und wurde bezüglich eines zweiten Geschäftsführers auch nicht gefragt", so Stolba heute.

"Die Pinguine bleiben"

Bei der unter Arthur Oberascher konzipierten und in der Branche teils heftig umstrittenen Werbelinie plant die neue Chefin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, keine wesentliche Veränderung: "Ich bin als Tierpflegerin angetreten, die Pinguine bleiben". Die Idee, dass die beiden Pinguine als Weltreisende endlich in Österreich ankommen, sei "perfekt", meinte Stolba am Freitag vor Journalisten.

Tourismus sei "einer der spannendsten Bereiche überhaupt", weil das Produkt Urlaub von verschiedensten Bereichen konzipiert werde und der Tourismus auch Teil des stark wachsenden Dienstleistungsbereichs sei, so Stolba. Der Tourismus sei eine Zukunftsbranche und heiße in Österreich vor allem auch Familienbetriebe. Die ÖW könne dazu beitragen, dass die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Tourismus ausgebaut werde.

"Es ist nicht so einfach, in der Österreich Werbung aufgenommen zu werden", meinte die frisch gekürte neue ÖW-Chefin. Sie habe sich bereits 1989 - also mit 25 Jahren - bei der ÖW beworben, habe damals aber auf Grund der zu hohen Zahl an Ferialpraktikanten eine Absage bekommen. In den folgenden 17 Jahren habe sie dann Erfahrungen in den verschiedensten Tourismusbereichen gesammelt.

Frau am Ruder

Die 1964 geborene Wienerin ist seit 1990 in den verschiedensten Bereichen des Tourismus in leitenden Positionen tätig, u.a. war sie bei Volksbank Reisen, beim österreichischen Kongressverband Austrian Convention Bureau (ACB) und bei der Niederösterreich Werbung. Leitend tätig war Stolba auch bei beiden Eigentümern der ÖW: Im Wirtschaftsministerium war Stolba Abteilungsleiterin Grundsatzpolitik für Tourismus- und Freizeitwirtschaft, im Juli 2004 übernahm sie die Geschäftsführung der Bundessparte Tourismus in der WKÖ. Stolba absolvierte ihre Matura an der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Silikattechnik und ist diplomierte Fotografin, Publizistin und Kommunikationswissenschafterin sowie Politikwissenschafterin. Derzeit schließt sie gerade ihr drittes Universitätsstudium (Betriebswirtschaftslehre) ab.

Er freue sich, dass in der ÖW künftig eine Frau das Ruder übernehme und dass mit der Bestellung Stolbas die Kontinuität für die Zukunft möglich sei, meinte heute der bisherige ÖW-Chef Arthur Oberascher. Er übergebe ein national und international gut aufgestelltes Unternehmen, mit ihrem "Wissen, Können und Engagement" werde Stolba dazu beitragen, dass die ÖW auch weiterhin gut da stehe. Zur Kritik des Verkehrsbüros-Vorstands Dieter Toth, die ÖW arbeite zu wenig praxisbezogen, meinte Oberascher, hier liege ein Missverständnis vor: Die ÖW sei eine öffentliche Werbeorganisation mit einem Leistungsauftrag, der aber nicht den Produktvertrieb oder die Preisgestaltung beinhalte.

Oberascher wechselt zu Arcotel

Oberascher wechselt ab November als Vorstand und Miteigentümer zur Hotelgruppe Arcotel, nachdem der bisherige Vorstand und Eigentümer Raimund Wimmer - ein Freund Oberaschers - im März überraschend verstorben war. Die Hotelgruppe mit einem Jahresumsatz 30 Mio. Euro umfasst derzeit 8 Hotels, davon 2 in Wien und je eines in Gastein, Linz, Klagenfurt, Zagreb, Prag und Berlin. 2007 sollen vier Betriebe in Wien, Stuttgart, Berlin und Hamburg dazukommen, die Bettenzahl soll damit von 900 auf 1.800 verdoppelt werden, sagte Oberascher am Rande der Pressekonferenz.

Um den ausgeschriebenen Chefposten bei der ÖW, die zu 75 Prozent dem Wirtschaftsministerium und zu 25 Prozent der WKÖ gehört, hatten sich ursprünglich 25 Kandidaten beworben, 11 davon wurden zu Hearings eingeladen. Gestern bestellte das ÖW-Präsidium Stolba zur neuen ÖW-Chefin für die nächsten fünf Jahre. (APA)

  • Artikelbild
    foto: österreich-werbung/puchner
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