Elsner verlässt das Spital

10. Oktober 2006, 16:44
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Der ehemalige Bawag-Chef hat offenbar am Donnerstag das Krankenhaus "La Timone" in Marseille verlassen und ist nach Mougins

Der ehemalige Bawag-Chef Helmut Elsner hat am Donnerstag das Krankenhaus "La Timone" in Marseille verlassen. Das bestätigte das Gericht in Aix-en-Provence auf Anfrage. Laut Gericht ist der 71-Jährige herzkranke Bankchef in seine Villa in Mougins bei Cannes zurückgekehrt.

Die Entscheidung, Elsner wieder in seine Villa zu bringen, hat laut seinem Wiener Anwalt Wolfgang Schubert der leitende Arzt in der Kardiologie des Krankenhauses getroffen. Er habe festgestellt, dass die Situation im Spital angesichts zudringlicher Journalisten "untragbar" sei. Der Transport in die rund 200 km entfernte Villa erfolgte laut Schubert am Donnerstagabend "in mehreren Etappen" mit einem Krankenwagen.

Nach Angaben des Anwalts war Elsner durch ständig an die Tür seines Krankenzimmers klopfende Journalisten extrem unter Stress. Daher habe man sich trotz des mit dem Transport verbundenen Risikos entschieden, ihn nach Hause zu entlassen.

Weiter Behandlungen

In Mougins wird Elsner laut Schubert von seinem früheren Kardiologen weiter betreut. Dieser habe bereits angedeutet, dass möglicherweise weitere Behandlungen notwendig sein könnten. Dafür müsste sich Elsner neuerlich in ein Spital begeben. In der näheren Umgebung der Villa gebe es dafür mehrere Alternativen. Sollte es medizinisch möglich sein, wird der frühere Bawag-Chef nach Angaben des Anwalts am 17. Oktober zur nächsten Verhandlung über seine Auslieferung erscheinen. "So weit meine Informationen reichen, muss er aber nicht", so Schubert.

Die Untersuchungen für das vom Gericht bis kommenden Dienstag geforderte neue kardiologische Gutachten seien abgeschlossen, so Schubert. Auf dieser Basis wird das Gericht entscheiden, ob dem 71-Jährigen die Überstellung nach Österreich zugemutet werden kann. Grundsätzlich hat das Gericht seiner Auslieferung bereits vergangenen Freitag stattgegeben. Sollte das Gutachten neuerlich zu dem Schluss kommen, Elsner sei weiter nicht transportfähig, könnte eine neue Entscheidung später gefällt werden.

Staatsanwaltschaft rechnet mit rascher Übergabe

Die Staatsanwaltschaft in Wien rechnet nun mit Elsners baldiger Auslieferung. "Seine Entlassung aus dem Spital bestätigt unsere Annahme, dass Elsner doch nicht so krank ist, wie es immer wieder von seinen Anwälten behauptet worden ist", meinte Gerhard Jarosch, der Sprecher der Anklagebehörde, Freitagmittag gegenüber der APA.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Gericht in Aix-en-Provence der erwünschten raschen Übergabe des pensionierten Bankers an die heimische Justiz nichts mehr in den Weg legen wird. Hier würde Elsner, gegen den Anfang September ein nationaler sowie ein europäischer Haftbefehl erlassen worden war, die U-Haft nicht erspart bleiben.

Auslieferung stattgegeben

Die französischen Behörden hatten schon am vergangenen Freitag der beantragten Auslieferung nach Österreich grundsätzlich stattgegeben. Im Hinblick auf die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden des 71-Jährigen, die laut Elsners Rechtsvertretern einen längeren Transport unmöglich machen sollen, haben sie aber ein kardiologisches Gutachten angefordert. Dieses soll bis 10. Oktober vorliegen.

"Wir warten nun gelassen das Gutachten und die Entscheidung des französischen Gerichts ab. Wir sehen die Situation sehr entspannt", stellte Jarosch fest.

Österreichische Rechtsordnung

In der österreichischen Rechtsordnung spielt für die U-Haft eine allfällige Haftunfähigkeit keine Rolle - eine Erfahrung, die auch ein herzkranker ehemaliger FPÖ-Parlamentarier machen musste, der mit seinem Familienbetrieb unter betrügerischen Begleiterscheinungen in die Pleite geschlittert war.

Gesundheitliche Bedenken sind erst bei der Frage der Vollzugstauglichkeit eines abgeurteilten Straftäters von Bedeutung. Außerdem verfügt das Landesgerichtliche Gefangenenhaus Wien-Josefstadt, in dem Elsner auf Wunsch der Staatsanwaltschaft Aufnahme finden soll, über eine moderne Krankenstation, in der auch gesundheitlich angeschlagene U-Häftlinge gleichermaßen Platz und eine entsprechende Behandlung finden. (APA)

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