Hütchenspielern droht in Wien bald Haft

31. Oktober 2006, 09:12
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Trotz Verbotes wird nach wie vor gegambelt - Wiederholungstäter können bis zu sechs Monate ins Gefängnis wandern

Wien – Wenn vom Hütchenspiel die Rede ist, dann ist auch von Betrug die Rede. Das empfindet nicht nur die Wiener Landesregierung so, sondern auch viele Passanten in der Mariahilfer Straße oder am Brunnenmarkt, die fasziniert zuschauen, wenn geschickt Hütchen verschoben und schnelles Geld gemacht beziehungsweise verloren wird.

Trotz Verbotes in der Novelle des Wiener Veranstaltungsgesetzes, das mit 1. Oktober 2005 in Kraft getreten ist und das auch Verwaltungsstrafen von bis zu 7000 Euro vorsieht, wird nach wie vor gegambelt. Deswegen wurde im Wiener Landtag das Gesetz mit der Begründung verschärft, dass die "verbotene Veranstaltung" im Raum Wien "dermaßen überhand genommen hat", dass mit der derzeitigen Norm "nicht das Auslangen gefunden werden kann". Seit damals hat es 980 Verfahren gegeben. Wiederholungstäter können demnach beim ersten Mal für bis zu sechs Wochen, beim zweiten Mal bis zu sechs Monate ins Gefängnis wandern.

50 Euro hoch ist der Einsatz pro Spiel, und meistens gelingt es den Spielern anfangs auch zu erraten, unter welchem der drei Hütchen eine Kugel versteckt ist. Doch schon folgt die Pechsträhne mit dem Trick, dass das Kügelchen entfernt wird und deswegen auch nicht zu finden ist. Die Hütchenspieler, die meistens in Gruppen auftreten, sind vor Erscheinen der Polizei so schnell weg, wie sie ihre Hütchen verschieben, und nicht selten stellen sich die "Gewinner" als Fluchthelfer heraus. Bis zu 3000 Euro lässt sich an einem Tag verdienen. Es sei Aufgabe der Stadt, die Leute zu schützen und schärfere Strafen zu verhängen, heißt es seitens der SPÖ, die den Antrag mit der ÖVP eingebracht hatte. Vorschläge, wie etwa der von Grünen-Abgeordneten David Ellensohn, Aufklärungsarbeit bei den (potenziell) Geprellten zu leisten, habe wenig Sinn, da die Leute Bescheid wüssten.

Sozialhilfegesetz

Mit den Stimmen der SPÖ wurde im Landtag am Freitag die Öffnung der Sozialhilfe für Nicht-EU-Bürger beschlossen. Damit folgte man der EU-Richtlinie, die Gleichbehandlung von Drittstaatsangehörigen mit Daueraufenthalt vorschreibt. Während der ausländerfeindlichen Rede von Heinz-Christian Strache (FP) verließen SPÖ und Grüne aus Protest den Sitzungssaal. (mil, DER STANDARD - Printausgabe, 7./8. Oktober 2006)

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    foto: matthias cremer
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