Dollar schwächer, Yen, Franken fester

19. Oktober 2006, 12:57
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Zinsen im Euroland sollten stärker steigen als US-Zinsen - Stärkere Ostwährungen erwartet - Wachstumsaussichten 2007 bleiben spannend

Alpbach - Mit der traditionellen Zins- und Währungsprognose geht am Freitag das 20. Jubiläums-Finanzsymposium im Tiroler Bergdorf Alpbach zu Ende. Die Experten von zehn in Österreich tätigen Banken und Finanzdienstleistern prognostizieren bis zur Jahresmitte 2007 einen schwächer tendierenden Dollar, Yen und Schweizer Franken sollten gegen den Euro aufwerten. Sowohl im Euroland als auch für den US-Dollar - mit Ausnahme im kurzen Bereich - werden höhere Zinsen erwartet.

Der US-Dollar sollte bis 30. Juni 2007 im Durchschnitt bis auf 1,33 (zuletzt am 4. Oktober 2006: 1,2707) Dollar je Euro schwächer tendieren, der japanische Yen dagegen auf 141,75 (149,89) und der Schweizer Franken auf 1,56 (1,5874) anziehen. Osteuropäische Währungen sollten nach Meinung der Analysten tendenziell stärker werden. Die tschechische Krone sollte auf 27,90 (28,245) leicht verbessern, der ungarische Forint auf 269,39 (274,64) verbessern und der polnische Zloty auf 3,846 (3,9279) anziehen.

Dass der US-Dollar schwächer tendieren sollte, darin sind sich die analysierenden Institute einig, im Ausmaß gibt es aber Unterschiede. Die stärkste Abschwächung des Greenback - auf 1,35 - erwarten die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Fortis Bank Austria. Einen Dollar-Wechselkurs von 1,34 prognostizieren Societe Generale, Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Sal. Oppenheim und Hypo Tirol. Die Erste Bank sieht den Dollar zur Jahresmitte 2007 bei 1,33 Euro, Innovest und ABN Ambro bei 1,30.

Unterschiedliche Zinsprognosen

Sehr unterschiedlich fallen auch die Zinsprognosen der Institute aus, für den Euroraum werden aber generell kräftigere Zinssteigerungen erwartet als für den Dollar-Raum. Mehrheitlich wird im am kurzen Ende (3 Monate) für US-Papiere ein Rückgang der Zinsen per 30. Juni 2007 auf durchschnittlich 5,06 (5,37) Prozent in einer Bandbreite von 4,25 bis 6,00 Prozent erwartet. Am langen Ende (10 Jahre) wird für Dollar-Anleihen ein Anstieg der Zinsen auf 5,31 (5,14) Prozent in einer Bandbreite von 4,95 bis 6,00 Prozent prognostiziert.

Die Zinsen im Euroraum sollten für 3 Monats-Papiere im Schnitt auf 3,80 von derzeit 3,45 Prozent anziehen (Bandbreite 3,60 - 4,20 Prozent). Am langen Ende (10 Jahre) sollten die Zinsen auf 4,20 (3,98) Prozent ansteigen (3,70 - 4,50 Prozent).

An der traditionellen Alpbacher Zins- und Währungsprognose, die heuer bereits zum 20. Mal stattfindet, haben sich die Raiffeisen Zentralbank (RZB), Fortis Bank Austria, Societe Generale, Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Sal. Oppenheim, Erste Bank, Innovest, Hypo Tirol, Investkredit und ABN Amro beteiligt.

Merkliche Abkühlung der US-Konjunktur

"Die Wachstumsaussichten für 2007 bleiben spannend", so das Resümee von Erhard Fürst, Konsulent der Industriellenvereinigung, der heute, Freitag, nach zehn Jahren zum letzten Mal die Präsentation der Alpbacher Zins- und Währungsprognose leitete. Nachfolger von Fürst wird Christian Helmenstein, seit zwei Jahren Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV).

Die Weltwirtschaft befinde sich in sehr guter Verfassung, die Inflation sei gering. Interessant seien die sich abzeichnenden gegenläufigen Wachstumstrends in den USA und Euroland. Während es in den USA im kommenden Jahr zu einer merklichen Abschwächung der Konjunktur komme, dürfte sich in Europa die positive Entwicklung fortsetzen. Allerdings sei für Deutschland eine Konjunkturdelle in Form eines Durchhängers bei der Konsumnachfrage nach den Vorziehkäufen vor der Erhöhung der Mehrwertsteuersätze zu befürchten.

In den zentral- und osteuropäischen Ländern - die noch immer gute Wachstumsraten vorweisen könnten - dürfte es im kommenden Jahr zu einem leicht schwächeren Wachstum kommen, die Abschwächung sollte in Ungarn deutlicher ausfallen.

Auch die bekannten Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft bleiben unverändert, so Fürst, etwa eine härter als erwartet ausfallende Landung des US-Dollars - mit unkalkulierbaren Konsequenzen für Wachstum, Zinsen und Inflation - , und ein neuerlicher Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise sowie terroristische und geopolitische Krisen.

Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB) warnte generell, die Prognosezahlen zu ernst zu nehmen. Wichtiger seien die Argumente dahinter. Brezinschek geht davon aus, dass es 2007 zu deutlichen Veränderungen kommen wird. Inflationsängste würden in den kommenden Monaten von Rezessionsängsten abgelöst werden und in den USA zu einer Wachstumshalbierung führen. "Ich glaube aber, dass wir an einer Rezession vorbeischrammen werden", so Brezinschek. Das sollte sich auch negativ auf das Euroland auswirken. "2007 werden wir keine Zwei vor dem Komma haben."

Zenit überschritten

Auch Birgit Dörfler von der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) geht davon aus, dass der Zenit des US-Wirtschaftswachstum überschritten wurde. Sie erwartet eine Abkühlung am Arbeitsmarkt, des US-Immobilienmarktes und eine noch höhere Einschätzung der Inflationsrisiken durch die US-Notenbank Fed. 2007 werde es einen Turnaround bei den US-Zinsen geben. Auch für das Euroland sollte es deutlich schwieriger werden.

Derzeit würden zwar die Konjunkturängste überwiegen, die Inflationsängste seien aber noch längst nicht überwunden, meinte Ute Pock von der Volksbank-Gruppe, und wies auf einen möglichen Anstieg des Ölpreise auf 90 Dollar hin. Frank Hübner von Sal. Oppenheim hob hervor, dass die Prognosen für dieses Jahr noch unsicherer als für 2006 und die Risikoszenarien generell stärker nach unten gerichtet seien.

Konjunkturbarometer

"Auch die Aktienmärkte sind eine Art von Konjunkturbarometer", meinte Matthias Klein, Leiter der Financial Markets-Abteilung bei ABN AMRO. Da sich diese sowohl in den USA als auch Europa auf Höchstständen befinden, und nicht absehbar sei, warum dieser Trend abbrechen sollte, sei er positiv eingestellt. Brezinschek warnte in seiner Replik darauf, nicht den "fatalen Fehler" zu machen, aus der Aktienmarktentwicklung einen Konjunkturoptimismus abzuleiten. Das könnte wie 2001 ziemlich ins Auge gehen.

Brezinschek erwarte dagegen in den ersten Monaten 2007 einen stärkeren Rückschlag an den Aktienmärkten als Reaktion auf die Wachstumsschwäche. Im Jahresverlauf sollte dann wieder Besserung in Sicht sein. Veronika Lammer von der Erste Bank meinte dagegen, der Ausblick für die Aktienmärkte sei positiv, die derzeitige Situation nicht mit jener von 2001 vergleichbar. Heute seien die Aktien relativ günstig bewertet, Korrekturen werde es aber generell immer wieder geben.

Dollar-Abschwächung

Die prognostizierte Dollar-Abschwächung zum Euro begründete Dörfler mit konjunkturellen und strukturellen Argumenten - den erwarteten Leitzinssenkungen und dem hohen US-Zwillingsdefizit. Für Brezinschek ist die Dollar-Schwäche nur vorübergehend, und dürfte ihren Höhepunkt zur Jahresmitte 2007 erreichen. Dafür seien weiterhin Zins- und Renditedifferenzen tonangebend. Bis Jahresende 2007 werde der Dollar dann wieder fester werden.

Lammer sieht hohes Aufwärtspotenzial beim Yen. Drei Zinserhöhungen sollten den Leitzins auf 1 Prozent bringen. Da der Yen noch immer die größte Kreditwährung sei, könnte die Bewegung sehr schnell vor sich gehen. Asiatische Währungen sollten generell an Stärke gewinnen. Alfred Buder von der Fortis Bank Austria empfahl, bei Yen-Krediten die Gewinne jetzt mitzunehmen.

Unter den osteuropäischen Währungen sei der polnische Zloty fundamental am attraktivsten zu bewerten, meinte Brezinschek. Damoklesschwert sei allerdings die politische Unsicherheit (APA)

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